Insider: American Splendor (DVD)

Leserbeitrag
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(Daniel) In jeder Woche versuchen wir Euch, eine DVD vorzustellen, die zu Unrecht ein Schattendasein in den Regalen der Händler und Videotheken fristet. In dieser Woche habe ich mich durchgesetzt und präsentiere Euch einen besonderen Film aus meiner Sammlung, den die Mehrheit von Euch sicherlich noch nicht gesehen hat: "American Splendor", der bereits Ende 2004 in den Kinos lief.

Insider: American Splendor (DVD)

Wer ist Harvey Pekar? Von dem Mann, dessen Leben hier verfilmt wurde hat in unserem Land wohl kaum jemand schon mal etwas gehört. Und das ist auch in den USA nicht sehr viel anders, denn wirklich berühmt ist Pekar nicht, trotz einiger über die Jahre verteilter Auftritte in der “Late Show” von David Letterman. Nun, Harvey Pekar macht Comics – genauer gesagt: er schreibt sie – denn wirklich gut zeichnen kann er nicht. Und “American Splendor” ist deshalb eigentlich auch eher die Verfilmung seiner Comics, aber das macht keinen großen Unterschied, denn in diesen Comics geht es schließlich ausschließlich nur um Harveys Leben. Und weil das so ist, erzählt der echte Mr. Pekar hier vieles auch gleich selbst, obwohl er doch die meiste Zeit von einem Schauspieler dargestellt wird. Hallo, noch da? Keine Sorge, so wirr sich dieses Konzept vielleicht anhört, es funktioniert ganz wunderbar und macht “American Splendor” auch nicht zu einem schwer verkopften Kunstfilm. Nein, ganz im Gegenteil, dieser Film fließt völlig locker von der Hand und ist für den Zuschauer ein echter Genuss.

Eine echte Inhaltsangabe fällt aufgrund des oben geschilderten Konzeptes allerdings schwer, denn was wir sehen sind einzelne Episoden aus den letzten 25 Jahren im Leben des Harvey Pekar. Größtenteils chronologisch zwar, aber dabei immer wieder angehalten, kommentiert und reflektiert. Und um auf die ganz zu Anfang gestellte Frage zurückzukommen: Harvey Pekar ist vor allem ein Kauz. Ein zu Beginn des Films meist übel gelaunter und frustrierter Aktensortierer in der Verwaltung eines Krankenhauses in Cleveland. Eine Frau hat er meist nicht, genauso wenig wie echte Freunde. Seine Kollegen haben alle irgendwelche verschrobenen Macken und obwohl er seinen Job eigentlich hasst, mag er diese Typen doch irgendwie.

Begeistern kann Harvey sich für Jazz-Platten und Comics. Auf einem entsprechenden Flohmarkt lernt er schließlich den seelenverwandten Zeichner Robert Crumb kennen, der kurze Zeit später mit seinen Underground-Comics (z.B. “Fritz the Cat”) berühmt wird. Auch Harvey will irgendetwas in der Richtung machen und beginnt seine Alltagserlebnisse aufzuschreiben. Die Zeichnungen besorgen Crumb und dessen Kollegen, und dies ist die Geburtsstunde des Heftes “American Splendor”.

Zu Beginn eher eine Selbsttherapie für den Verfasser, bildet sich um die trockenen und zynisch kommentierten Geschichten schnell eine kleine Fangemeinde. Denn das besondere an Pekars Comics ist die darin enthaltene schonungslose Ehrlichkeit. Frei von allen Eitelkeiten beschreibt dieser seine Misserfolge, seine Unzufriedenheit und die genau beobachteten gestörten Menschen um sich herum.

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