Im Berliner Großklinikum Charité stand in der vergangenen Woche vieles still. Natürlich wurden die Patienten versorgt und auch medizinisch betreut. Aber eben nur auf Sparflamme. Rund 1.000 Ärzte streikten und protestierten damit gegen die schlechten Arbeitsbedingungen, unter denen sie leiden müssen. Der Hauptgeschäftsführer der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Armin Ehl, sagte gegenüber der “Zeit”: “Wir sind streikbereiter denn je und fest entschlossen, jetzt die Arbeitsbedingungen der Ärztinnen und Ärzte auf ein erträgliches Maß zu steigern – und das zum Schutz der Ärzte und der Patienten.” Nach Angaben der Charité leisten die 2.300 Ärzte durchschnittlich 85.000 unbezahlte Überstunden im Monat.

In der Tat sind die Arbeitsbedingungen sehr schwierig geworden. Die Zeiten, in denen “Arzt sein” ein Traumberuf war, mit dem man reich werden konnte, sind vorbei. Gerade als normaler Krankenhaus-Arzt hat man heutzutage mit teils widrigen Bedingungen zu kämpfen. Ein normales Medizinstudium dauert im Durchschnitt fünf bis sechs Jahre. Danach kommt eine dreijährige Facharztausbildung hinzu. Wenn man dann nach vielen Jahren des studentischen Lebens endlich mit der Arbeit beginnt, merken die jungen Ärzte eins: viel Arbeit und wenig Geld. Grundsätzlich muss man sagen, dass einen guten Arzt vor allem eines ausmacht. Leidenschaft für seinen Beruf. Nur wenn man diese Motivation mitbringt, kann man auch ein guter Mediziner sein. Diesen Beruf zu lernen aus “Lust am Geld verdienen” ist der völlig falsche Weg.

Andrea Antolic, 40, arbeitet seit zehn Jahren an der Charité als Gynäkologin und verdient 1.800 Euro netto im Monat. Dafür arbeitet sie oft über 40 Stunden die Woche. In anderen Ländern, wie zum Beispiel England, Spanien, Portugal oder auch Griechenland, könnte sie deutlich mehr verdienen. Aber sie will Deutschland nicht verlassen und liebt ihre Arbeit in Berlin. (Quelle: sueddeutsche.de)