Holo UI: Androids einheitliches Nutzer-Interface

Lukas Funk

Nachdem Android lange Zeit als das hässliche Entlein der mobilen Betriebssysteme verspottet wurde, führte Google mit Android 4.0 „Ice Cream Sandwich“ das Holo UI ein: Diese mit klaren Linien auf das Wesentliche reduzierte Benutzeroberfläche bedient sich optisch großzügig bei Androids Tablet-Version 3.0 „Honeycomb“, erweitert diese aber um distinktive Design-Merkmale.

Holo UI: Androids einheitliches Nutzer-Interface

Während das konkurrierende iOS von Anfang an Wert auf eine einheitliche Gestaltung von Benutzeroberfläche und Apps legte, wirkte Android Zeit seiner Veröffentlichung wie ein heilloses Durcheinander. Dies verbesserte sich nur langsam, bis Google mit Android 2.3 „Gingerbread“ erstmals ein erwachseneres, aufgeräumteres User Interface präsentierte. Es sollte aber noch bis zur Veröffentlichung der Android-Version 4.0 „Ice Cream Sandwich“ dauern, bis Mountain View das einheitliche, durchdachte Holo UI präsentierte.

Grundzüge des Holo UI

Der im Mai 2010 von Google angeheuerte Ex-webOS-Mastermind Matias Duarte zeichnet sich im wesentlichen Verantwortlich für diesen neuen, konsistenteren Stil von Stock-Android. Optisch bringt Holo UI Googles Vorstellung einer futuristischen Benutzeroberfläche, welche sich erstmals im wenig erfolgreichen Tablet-Ableger „Honeycomb“ zeigte, auch auf Smartphones. Auffallend ist der Wechsel von grünen zu blauen Akzenten auf schwarzem Hintergrund sowie die Reduzierung von Gradienten und abgerundeten Ecken, welche einen aufgeräumten, technischen Eindruck erwecken. Ein abstrakter Stil für Icons und Bedienelemente sowie die schnörkellose und gut lesbare Roboto-Schriftartfamilie sind weitere zentrale Elemente des Holo UI.

honeycomb

Hinzu kommen klare Design-Empfehlungen bei der Gestaltung von Apps: Den oberen Rand ziert die Action Bar, die neben dem Titel der Anwendung auch deren Logo zeigt, welches wiederum zur Navigation eine Hierarchieebene nach oben dient. Rechts des Titels befinden sich weitere Aktionstasten, welche bei Platzmangel in das durch drei Punkte gekennzeichnete Overflow-Menü wandern. Ist die gleichzeitige Darstellung mehrere Aktionstasten vonnöten, so kann am unteren Bildschirmrand eine weitere Action Bar eingeblendet werden. Die Layouts sind responsiv: Wenn mehr Platz auf dem Bildschirm vorhanden ist, etwa auf Tablets, können auch mehr Bedienelemente angezeigt werden als etwa auf Smartphones.

holo-themes-light-dark-screenshots

Grundlegend lassen sich für Anwendungen die Holo-Themes Light und Dark sowie deren Kombination unterscheiden. Um den Design-Richtlinien zu folgen, müssen sich Anwendungen allerdings nicht auf diese beschränken: Es sind verschiedene Farkombinationen für Hintergrund und Highlights erlaubt, solange die übrigen Richtlinien erfüllt werden.

Um die hierarchische Struktur einer Anwendung etwas aufzulockern, können gleichwertige Informationen nun außerdem auf mehrere Ansichten verteilt werden, zwischen denen der Nutzer horizontalen Wischbewegungen hin und her wechseln kann.

Auf den Homescreens fällt die ständige Anwesenheit der Google-Suchleiste auf, während die Platzierung von Widgets in einem separaten Tab des App-Drawers für Übersicht sorgt.

Holo UI im Wandel

Diente die Holo UI im Rahmen von Android 4.0 noch dazu, sich klar von Androids optischer Vergangenheit abzugrenzen, so wurde die Benutzeroberfläche mit Android 4.1 wieder etwas weniger steril: Die blauen Akzente wurden etwas matter, Toggles weniger kantig und auch die Google-Suchleiste erhielt wieder runde Ecken und eine matte Füllung.

ics-jb-homescreens

Mit Einführung von Android 4.2 hielt die einheitliche seitliche Navigationsleiste Einzug in die Holo-Richtlinien, welche vorher auch von Google nur mehr oder minder konsequent umgesetzt wurde. Diese erlaubt nun, die Navigationsleiste vom linken Bildschirmrand hereinzuwischen, ganz gleich, auf welcher Hierarchieebene man sich innerhalb der App befindet.

Hersteller-Oberflächen und die Zukunft der Holo UI

Herstelleroberflächen wie Samsungs TouchWiz und HTCs Sense haben sich schon vor der Holo UI etabliert und wohl maßgeblich zum Erfolg von Android beigetragen. Doch auch diese sind inzwischen angehalten, grundlegende Design-Elemente der Holo UI zu implementieren. Dies bedeutet zwar nicht, dass diese auch zum Einsatz kommen müssen, erlauben aber App-Entwicklern, darauf zuzugreifen und sorgen so für bessere Kompatibilität. Zu den Android-Lizenzbedingungen gehört auch der Passus, das Apps im unmodifizierten Holo-Stil angezeigt werden müssen, ganz gleich in welcher Benutzeroberfläche.

google-apps-sidebar-cards

Seit der Google I/O 2013 erhielten viele Google-Apps nicht nur die einheitliche seitliche Navigationsleiste, sondern auch ein an Google Now orientiertes, kartenbasiertes Layout.

Dieser Artikel ist ursprünglich auf androidnext.de erschienen. androidnext und GIGA ANDROID sind jetzt eins. Mehr erfahren.

Neue Artikel von GIGA ANDROID

GIGA Marktplatz