My Life as a Refugee: Flüchtlingschicksale in einer App der UN

Amir Tamannai
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Ich habe länger überlegt ob und wie ich euch die vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen veröffentlichte App My Life as a Refugee vorstelle – und bin dann zu dem Schluss gekommen, dass zwischen all dem Schabernack, den wir hier auf androidnext treiben, auch Platz für ernste Themen sein muss: Unter der Fragestellung „Was würdest Du tun“ führt die Anwendung durch die echte Schicksale von Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten und wirbt damit um Verständnis für Menschen, die alles verloren haben und schlussendlich sogar ihre Heimat aufgeben mussten.

My Life as a Refugee: Flüchtlingschicksale in einer App der UN

Wir sehen tagtäglich in den Nachrichten die Bilder von abgemagerten Flüchtlingen auf Booten, die an den Stränden der Industrienationen anlanden. Wir hören Schreckensmeldungen über Menschen, die auf dem Weg in ein vermeintlich besseres Leben verhungert, erstickt, ertrunken sind. Oftmals hören und schauen wir schon gar nicht mehr hin.

Die App My Life as a Refugee vom UN-Flüchtlingswerk will Aufmerksamkeit und und Verständnis schaffen für die Flüchtlinge und deren Leidensweg und auch vermitteln, warum diese Menschen alles riskieren, alles hinter sich lassen und ihre Heimat verlassen. Denn in den meisten Fällen sind es eben keine wirtschaftlichen Gründe, die zur Flucht motivieren.

Und so nimmt My Life as a Refugee dann auch kein Blatt vor den Mund und konfrontiert den Nutzer mit harten, schmerzhaften Fakten und Geschichten: Die drei Schicksale, die der Spieler nacherleben soll, handeln von Vergewaltigung, Kindersoldaten, Bürgerkrieg und Polizeigewalt – und fordern den Spieler immer wieder auf, sich in die Rolle der Protagonisten zu versetzen und deren Entscheidungen zu treffen.

Das Spiel läuft dabei quasi in Echtzeit: Ihr habt immer nur wenige Sekunden Zeit, eine möglicherweise lebenswichtige Entscheidung zu treffen und könnt pro Tag auch nur einen Tag in der jeweiligen Geschichte spielen.

Technisch darf man My Life as a Refugee wie einen interaktiven Comic verstehen: Die gezeichneten Protagonisten werden in Standbildern vor fotografierten Hintergründen gezeigt, der Spieler interagiert lediglich über textbasierte Dropdown-Menüs.

Alles in allem ist My Life as a Refugee also natürlich kein wirkliches Spiel — spielerisch wäre das ernste Thema auch kaum anzugehen –, sondern ein recht eindringliche interaktive Lehr- und Empathiestunde im Stile der so genannten Serious Games, die uns zeigt, wie viel Gewalt und Elend nach wie vor in der Welt herrscht und dass es zu viele Menschen gibt, die flüchten müssen, nicht wollen.

Auch wenn es ein schmaler Grat ist, ein Spiel zu einem solchen Thema herauszubringen, finden wir es lobenswert, dass auch Smartphones, Tablets und Apps dafür genutzt werden (können), uns nicht nur zu unterhalten, sondern uns auch auf manchmal unangenehme aber wichtige Missstände hinzuweisen, die wir vor lauter Wohlstand und Entertainment-Sucht zuweilen zu vergessen oder verdrängen drohen. Und deswegen legen wir euch den Download von My Life as a Refugee wärmstens ans Herz.

Download: My Life as a Refugee (kostenlos)

My Life as a Refugee (kostenlos) qr code

UNHCR [via engadget]

Dieser Artikel ist ursprünglich auf androidnext.de erschienen. androidnext und GIGA ANDROID sind jetzt eins. Mehr erfahren.

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