Boombox im Retrodesign: Auna Duke im Test

Stefan Bubeck

Das Kassettenradio ist wieder da: Diesmal mit Bluetooth, USB und SD-Kartenslot. Auna schlägt mit dem Duke die Brücke zwischen Retrodesign und zeitgemäßer Technik – zu einem sehr günstigen Preis. Vielleicht zu günstig.

Boombox im Retrodesign: Auna Duke im Test

Es gibt in der Welt der Technik echte Designklassiker – das sind meist Produkte aus dem oberen Preissegment, die von namhaften Gestaltern entworfen worden sind. Und dann gibt es noch Klassiker der anderen Art: Sie haben ihren ikonenhaften Status ganz einfach durch ihre Präsenz erlangt. Der Typ „eckiges Plastikradio mit Kassettendeck und silberner Teleskopantenne“ ist kaum aus den späten 80ern und frühen 90ern wegzudenken. Ob in der heimischen Küche, auf der Werkbank oder im Freibad – dieses Gadget war Teil des damaligen Alltags. Für die etwas jüngeren Leser ein paar Fakten aus dieser Epoche: Batman war Micheal Keaton, das Internet war ein Uni-Forschungsprojekt und diese Jacken, die heute die Hipster auf Partys tragen, hatten ganz normale Leute beim Skifahren an.

Design und Verarbeitung: Originalgetreuer Look und moderne Erweiterungen

Der Auna Duke ist das Remake eines Klassikers. Wie man es auch von Retro-Games kennt, hält er sich an das Rezept, das echte Feeling von damals zurückzubringen und an wenigen Stellen durch Technik von heute zu ergänzen. Das mit 31,5 × 11 × 9 Zentimetern (B × H × T) recht kompakte Gerät hält sich streng an die Gestaltungsvorgaben seiner Vorfahren: Silberne Ringe um die zwei Lautsprecherchassis, zahlreiche Buttons und Tasten auf der Oberseite, eine Teleskopantenne, ein rechtwinkliger Tragegriff zum Ausklappen – alles am Duke sieht aus, als hätten wir einen Karton von 1991 geöffnet und ihn dort rausgeholt. Nur dass jetzt 2017 ist und der stylische Begleiter angeboten wird.

Erst auf den zweiten Blick sieht man auf der linken Seite einen SD-Kartenslot, einen USB-Anschluss und ein kleines Bedienfeld zur Trackauswahl. Diese neumodischen Features sind so zurückhaltend integriert, dass sie das gelungene Erscheinungsbild nicht stören. Bei uns in der Redaktion konnte der Duke auf Anhieb sehr viele Fans gewinnen, die reflexartig in Kindheitserinnerungen zu schwelgen begannen.

Mit an Bord ist eine blaue LED, die leider im gern genutzten Bluetooth-Modus unentwegt blinkt, was im Dunkeln stört. Eine Aufnahmefunktion bietet das Gerät nicht, das entsprechende Bedienelement ist nur eine Attrappe. Das finden wir nicht so schlimm, denn kaum jemand besitzt noch Leerkassetten und wer unbedingt aufnehmen möchte, sollte sich lieber gönnen.

Rückseitig befindet sich das Batteriefach, in das vier Mono-Zellen (D) hineinpassen – auch bekannt als „die ganz Dicken“. Vielleicht wäre ein integrierter Lithium-Ionen-Akku die bessere Lösung gewesen, aber da waren die Entwickler wohl nicht von ihrem Retro-Trip abzubringen. In der Wohnung kann man stattdessen auch das beiliegende Stromkabel nutzen. Es ist übrigens neben der obligatorischen Anleitung das einzige „Zubehörteil“ in der Verpackung des Duke.

Die Verarbeitungsqualität ist preisklassengerecht und geht insgesamt in Ordnung. Wir können keine groben Schnitzer erkennen, es bleibt aber ein sehr großer Abstand zur absolut hochwertigen Anmutung, wie sie etwa ein Bose Soundlink Mini oder ein Teufel Boomster ausstrahlen. Der Auna Duke besteht größtenteils aus kratzempfindlichem Hartplastik und hat einzelne scharfkantige Stellen, die aber glücklicherweise nicht stören – etwa an den Winkeln des Tragegriffs. Die Drehregler für Lautstärke und Tuning sind etwas zu empfindlich eingestellt.

Zwischenfazit: Das Ding sieht fly aus, wie die heutige Jugend angeblich zu sagen pflegt. Eine Top-Erscheinung im feinsten Retro-Look, aber beim Anfassen merkt man den niedrigen Preis dann schon.

Technische Daten

  • Bluetooth-Schnittstelle für die drahtlose Musikwiedergabe von Smartphone, Tablet oder Computer
  • MP3-fähiger USB-Port und SD-Slot zur Wiedergabe von USB-Sticks, MP3-Playern und SD-Speicherkarten
  • Frontside-Single-Kassetten-Deck
  • separates Bedienfeld für das Abspielen via Bluetooth, SD und USB
  • Anschlüsse: 1 × USB-Port, 1 × SD-Kartenslot, 1 × 3,5 mm Klinke Kopfhörer-Out
  • 4-Band Radio: FM, MW, SW1, SW2
  • separate Bass- und Lautstärkenregulierung
  • Batteriebetrieb mit 4 × 1,5 V UM1-Batterien möglich (nicht im Lieferumfang enthalten)
  • Gewicht: ca. 1,2 Kilogramm
  • Erhältlich in schwarz oder rot

Soundqualität: Kein Gegner für die Konkurrenz

Wenn man den Duke einschaltet – egal ob am Stromkabel oder mit Batterien betrieben – ertönt ein Grundrauschen, das sich an der Grenze zu einem leisen Brummton verorten lässt. Leider verschwindet es nicht, wenn die Musik läuft. Es lässt sich lediglich übertönen, sobald man Zimmerlautstärke erreicht. Ob Radio, Kassette, USB, Bluetooth oder SD-Karte: Leise Passagen bringen den Makel immer wieder ans Tageslicht. Was das angeht, sollte Auna nachbessern – denn so mancher Hörer ist hier empfindlich und kann das so nicht akzeptieren.

Wie ist der Sound im Allgemeinen? Nun, wir wollen nichts schönreden: Der Klang befindet sich irgendwo zwischen blechern und „fast ok“, je nachdem was gerade läuft. Bei einer Masters-of-the-Universe-Hörspielkassette gehört der dünne Output zum Retro-Feeling dazu, aber ein normalerweise pumpender Track von Kollegah wird zum Trauerspiel ohne Bass. Der Tiefton-Regler kann da nichts retten. Der allseits beliebte in derselben Preisklasse und liefert eine deutlich kraftvollere Vorstellung ab.

Auch am Klinkenausgang wird's nicht besser: Unser In-Ear-Kopfhörer-Testsieger von Soundmagic klingt schlaff und verrauscht – so kennen wir ihn gar nicht.

Der Auna Duke kann allenfalls bei Sprecherprogrammen und Hintergrundbeschallung einzelne Pluspunkte sammeln. Die Radionachrichten zur vollen Stunde werden klar vorgetragen und etwas Popmusik unterhalb von Zimmerlautstärke säuselt unaufdringlich vor sich hin – das ist dann schon akzeptabel. Ein „Wow“ kann uns die kleine Boombox in keiner Situation entlocken, das bleibt den auf gute Klangqualität getrimmten Bluetooth-Lautsprechern aktueller Baureihen und höherer Preisregionen vorbehalten.

Sehr schade, dass beim Duke hier offenbar der Rotstift angesetzt wurde. Die ordentliche Ausstattung mit den zahlreichen Abspielmöglichkeiten und das authentische Design hätten einen volleren Klang verdient. So ist dieser leider die unverzeihliche Schwachstelle des ansonsten gelungenen Geräts. Beim Gehäusevolumen des Dukes darf heutzutage deutlich mehr Soundqualität erwartet werden – die Mitbewerber machen es vor.

Einziger Lichtblick: Wer lediglich ein uraltes Küchenradio vom Discounter ersetzen möchte oder einfach nur einen Player für Bibi-Blocksberg-Kassetten braucht, wird sich an der unterdurchschnittlichen Performance eventuell nicht stören und hat so seinen Spaß.

Bildergalerie Retro-Boombox: Auna Duke

Fazit und Wertung: Der Auna Duke könnte ein Upgrade vertragen

Müssen wir die Redewendung „Außen hui – innen pfui“ bemühen? Nein, so weit möchten wir nicht gehen. Der Auna Duke ist eine etwas unglückliche Kombination aus perfektem Retro-Design und gerade noch akzeptablem Klang plus inakzeptablem Grundrauschen. So können wir eine Empfehlung höchstens für diejenigen aussprechen, die unbedingt eine Zeitreise in die Vergangenheit machen möchten und/oder ALF-Kassetten besitzen. Wer einfach nur einen gut klingenden Bluetooth-Speaker für kleines Geld sucht, wird definitiv bessere Kandidaten finden.

Eine kleine GIGA-Redaktionsrunde aus den über 30-Jährigen war sich beim Anhören einig: Eine lobenswerte Idee, aber bei der vorliegenden Umsetzung wünschen wir uns für die Zukunft dann doch lieber einen edlen Duke-Nachfolger mit sattem Hi-Fi-Sound und Topverarbeitung – gerne auch zum dreistelligen Preis, wenn es nicht anders geht. Das wäre ein echter Traum für Retro-Fans, der hoffentlich noch umgesetzt wird. So bleibt uns aktuell nur dieser – immerhin teilweise gelungene – Versuch von Auna: Mit guter Ausstattung und Kampfpreis, der zwar die Augen zum Glänzen bringt, zugleich aber auch den Wunsch nach „mehr und besser“ weckt.

Klang Sprache/TV: 35 Prozent
Klang Musik: 25 Prozent
Ausstattung: 75 Prozent
Praxis: 60 Prozent
Gesamt: 49 Prozent

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Vorteile

  • Optisch perfekte Nachahmung eines Kassettenradios aus der Zeit des Mauerfalls
  • Bluetooth und viele weitere Abspielmöglichkeiten

Nachteile

  • Schwachbrüstiger Klang, absolut kein Bass
  • Hörbares Grundrauschen stört bei niedriger Lautstärke

bewertete "
Auna Duke
" mit
49 von 100 Punkten
(19. Januar 2017)

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