Terminal

Holger Sparr

Das Terminal ist die Brücke in die „alte Welt“ des Unix-Systems mit Kommandozeilen-Bedienung. Zwar muss man dieses Werkzeug normalerweise nie benutzen, oft ist es aber ein sehr praktisches und universelles Hilfsmittel.

Terminal

Der vielleicht größte Vorteil von Mac OS X ist, dass der solide und extrem leistungsfähige Unix-Unterbau namens Darwin vor dem Anwender vollständig verborgen bleibt. Wer sich dennoch in die Un­tiefen des Darwin-Systems begeben möchte, kann darin manche Aufgaben flotter als mit Finder & Co. erledigen. Er muss dafür aber auch erst einmal einige Tastenkommandos lernen.

Einstieg

Öffnet man das Terminal-Dienstprogramm, wird gleichzeitig ein Fenster mit einer „Shell“ geöffnet, die Tastatureingaben interpretiert.
Als Erstes muss man sich durch den Dateibaum hangeln können, denn man landet zunächst immer im eigenen Heimverzeichnis. Der Befehl pwd (Print Working Directory) zeigt einem jederzeit, wo man eigentlich ist. Mit ls (List) wird der Inhalt des Verzeichnisses angezeigt. Damit mehr als nur die Namen zu sehen sind, kann man Optionen anwenden. Beispielsweise zeigt ls -la alle, also auch versteckte Dateien, deren Namen mit einem Punkt beginnen, an und zeigt zudem die lange Darstellung inklusive Zugriffsrechten, Größe und Änderungsdatum. Der Befehl cd (Change Directory) bringt einen schließlich an andere Stellen im Dateibaum, ein cd .. führt ins übergeordnete Verzeichnis, cd / führt ins Wurzelverzeichnis und die Eingabe von cd MeinOrdner führt ins Verzeichnis MeinOrdner, falls es existiert.
Statt einen Pfadnamen einzutippen, kann man das betreffende Objekt auch aus dem Finder in das Terminal-Fenster ziehen, wo dann automatisch dessen vollständiger Pfad eingesetzt wird. Tippt man nur die ersten paar Zeichen eines Pfad- oder Dateinamens und drückt dann die Tabulator-Taste, wird der Name vervollständigt, sofern er denn eindeutig ist.
Kopieren kann man Dateien theoretisch mit dem Befehl cp Quelle Ziel, wobei seit Mac OS X v10.4 theoretisch auch Resource-Zweige mitkopiert werden, viele Metadaten aber verloren ­gehen. Der ditto-Befehl bewahrt die meis­ten Informationen: ditto ­Quelle Ziel kopiert den gesamten Inhalt von Quelle in das Verzeichnis Ziel und ist ­dabei je nach Rechner und Inhalt des Quellverzeichnisses teilweise deutlich schneller als der Finder, insbesondere dann, wenn es über das Netzwerk zu übertragen gilt. ditto -nocache Quelle Ziel umgeht die Nutzung des Datei-­Caches von OS X, was bisweilen beschleunigend wirkt. Der Befehl mv (Move) ist für das Bewegen von Dateien zuständig, der Befehl rm (Remove) schließlich für das Löschen. Hier werden Dateien aber sofort, ohne Nachfrage und ohne Umwege über den Mülleimer gelöscht, also heißt es hier, sehr vorsichtig zu sein.
Alle Befehle haben teils endlose Listen von Optionen und Parametern, die erklärungsbedürftig sind. Eine kurze Hilfe gibt es meist mit dem Parameter -h zu sehen, detaillierte Erklärungen liefert in der Regel das man-Programm (Manual): man ditto beispielsweise erklärt sämtliche Optionen und Parameter das ditto-Befehls.
Weiterblättern funktioniert mit der Leertaste, verlassen kann man das man-Programm durch Drücken der Tas­te Q. Möchte man einen zuvor bereits gegebenen Befehl wiederholen, kann man mit den Pfeil-Tasten in der His­tory blättern und den Befehl einfach erneut hervorholen.
Das Terminal-Programm und die Shell lassen sich auf Wunsch recht weit den eigenen Wünschen anpassen: Über den Menüpunkt Fenster-Einstellungen lassen sich diverse Details wie Schrift, Farben und die Belegung von Sondertasten konfigurieren. Hat man seine gewünschten Einstellungen vorgenommen, kann man unter dem Menüpunkt Sichern die Einstellungen so auf der Platte ablegen, dass sie wahlweise für das Hauptfenster (also das erste) oder für alle gelten, und kann dafür sorgen, dass sie automatisch beim Öffnen von neuen Terminalfenstern geladen werden.
In den Menüs des Terminal-Programms findet sich auch der Punkt Mit Server verbinden, mit dem man auf Kommandozeilen-Ebene Verbindung mit anderen Rechnern im Netz aufnehmen kann.

Fortgeschritten

Der Griff zum Terminal ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Kommandozeilen-Programme mehr Möglichkeiten bieten als ihre Pendants mit grafischer Bedienoberfläche. Das Kommando hdiutil ist beispielsweise für den Umgang mit Disk Images zuständig und beherrscht eine Vielzahl an Optionen, die weder der Finder noch das Festplatten-Dienstprogramm können. Mitwachsende Disk Images (Sparseimages) sind sehr praktisch, weil ihre Größe dynamisch mit dem Inhalt wächst und so kein Speicherplatz verschwendet wird. Löscht man allerdings aus derartigen Ima­ges Dateien, schrumpfen sie nicht von selbst wieder. Dies erledigt dann der Befehl hdiutil compact meinImage im Handumdrehen.
Das Terminal bewährt sich zudem, wenn man für Programme oder Kommandos die Rechte des Systemadmi­nistrators „root“ benötigt. Mit dem ­Befehl sudo bekommt man für fünf ­Minuten die Rechte des Systemadministrators und wird dafür auch nach dem Passwort gefragt.
In Kombination damit kann auch der open-Befehl praktisch sein, der vom Terminal aus ein Programm oder Dokument genauso starten kann, als hätte man im Finder einen Doppelklick ausgeführt. Die Option -e öffnet ­einen Text in TextEdit. Mit sudo open -e meinText.txt öffnet man eine Text­datei mit dem ganz ­normalen TextEdit, hat dabei jedoch Adminis­tratorrechte, was beispielsweise beim Bearbeiten von Konfigura­tions­dateien sehr praktisch sein kann.
Aus AppleScript he­raus lassen sich mit do shell script beliebige Befehle absetzen. Um­gekehrt lassen sich mit osascript vom Terminal aus beliebige Skripts starten. Viele Free- und Shareware-Programme entpuppen sich bei näherer Betrachtung als mit AppleScript geschriebene Oberflächen für Terminal-Befehle.
Sein wahres Potenzial zeigt das Terminal aber erst, wenn man dort die Unmenge an Tools aus der Linux- und Unix-Gemeinde nutzen kann. Das Fink-Projekt (www.finkproject.org) hat sich neben anderen der Portierung dieser Tools auf Mac OS X verschrieben und ist eine gute Anlaufstelle.
Normalanwender kommen meist ohne das etwas kryptische Terminal-Programm aus. Doch ein wenig Erfahrung mit der Tastatur kann nicht schaden. Manche Probleme lassen sich mit dem Terminal relativ leicht lösen, wenn man erst einmal weiß, wie es geht.     Holger Sparr/ok