Come back, Jedi Knight: Lasst die Macht wieder mit mir sein!

Sandro Kreitlow

Das kontroverse Star Wars: Battlefront 2 bekam eine kurze Kampagne, doch die Zukunft der Star Wars-Singleplayer-Spiele sieht nicht besonders rosig aus. Star Wars 1313 ist Geschichte, aus dem Visceral-Projekt wird ein weiteres Open-World-und-Multiplayer-bringen-mehr-Umsatz-Spiel. Zeit für ein neues Jedi Knight! 

So sieht der vierte Teil der Reihe aus: 

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Star Wars Jedi Knight 2: Jedi Outcast - Consoles Trailer

Sommer 2002. Spielte ich nicht FIFA, Rollenspiele oder Die Sims, hing ich mit Freunden im Schwimmbad Prenzlau ab. Ein paar Jahre zuvor faszinierten mich bereits die originale Star Wars-Trilogie und auch Episode 1 konnte mich so sehr begeistern, dass Die dunkle Bedrohung neben König der Löwen die meistbenutzte Videokassette unseres VHS-Rekorders war. Mit den Videospielen aus der weit, weit entfernten Galaxis kam ich jedoch nicht in Berührung…

…bis kurz vor den Sommerferien: Der wöchentliche Einkauf stand an, also nahm mich meine Mutter nach der Schule mal wieder mit. Bei jedem Einkauf verbrachte ich die Zeit entweder bei den Videospiel- und Anime-Zeitschriften oder aber in der Entertainment-Abteilung. Am präsentesten war dort ein Spiel, das im Titel nicht nur verriet, dass es sich um die von mir geliebte Saga handelt, sondern auch noch um die von mir verehrten Jedi. Da Star Wars Jedi Knight 2: Jedi Outcast allerdings ab 16 war, konnte ich meine Mutter noch so sehr anflehen – keine Chance. Zu Hause angekommen, erzählte ich meinem sieben Jahre älteren Bruder von diesem Spiel. Natürlich hat er es bereits bei Freunden gesehen. Und natürlich soll es fantastisch sein. Ich musste dieses Spiel haben!

Mit der Unterstützung meines Bruders konnte ich meine Eltern überzeugen, das Spiel zumindest auszuleihen. An einem heißen Sommertag war es soweit: Nach dem Besuch bei der Videothek prüften meine Eltern, wie gefährlich dieses Spiel doch für mich sei. Ich hatte ihren Segen, mein Bruder sollte ein Auge drauf werfen – tat er auch, und zwar so sehr, dass er das Spiel mit seinem Taschengeld erwarb. Was folgte? In keinem Jahr, in dem ich noch in der Heimat wohnte, verbrachte ich so wenig Zeit im Prenzlauer Schwimmbad, wie 2002. Möge die Macht mit meinen Eltern sein!

Der Anfang: Dark Forces

Doch Jedi Knight 2: Jedi Outcast ist bereits der dritte der insgesamt fünf Jedi Knight-Teile. Den Anfang machte Star Wars: Dark Forces schon 1995 auf dem PC. Damit ist der Start der Reihe gerade mal ein Jahr später erfolgt, als der Start meines Lebens. Obwohl Dark Forces hierzulande 1998 für die PlayStation veröffentlicht wurde, ging der First-Person-Shooter an mir und meinem Bruder vorbei. Kein Wunder, wurde doch sowohl die originale englische, als auch die deutsche Version von der damaligen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert, schließlich wurden Ego-Shooter 1995 aus Prinzip als „Killerspiele“ deklassiert.

Die Hauptfigur ist der Söldner Kyle Katarn, ein ehemaliger Offizier des Galaktischen Imperiums, der sich der Rebellen-Allianz anschloss, nachdem imperiale Soldaten seine Familie töteten.  1997 wurde seine Geschichte in Jedi Knight: Dark Forces 2 weitererzählt. In Deutschland wurde der Titel zu Star Wars: Jedi Knight verkürzt, um sich vom indizierten Vorgänger Dark Forces zu distanzieren. Erstmals wurden echte Schauspieler für ein Star Wars-Spiel engagiert. Das erste Spiel mit Jedi Knight im Titel ist bekannt als erstes Star Wars-Spiel, in dem ein Lichtschwert benutzt werden konnte. Denn Kyle Katarn erkennt darin seine Empfänglichkeit für die Macht und wird zum Jedi ausgebildet, um sich dem Dunklen Lord Jerec zu stellen und das Tal der Jedi zu retten.

1998 folgte mit Jedi Knight – Mysteries of the Sith ein Add-On zum zweiten Teil der Reihe. Das Add-On war besonders düster, denn Kartarn entdeckt einen Tempel der Sith und verfällt kurzzeitig der Dunklen Seite der Macht, bevor er von Mara Jade wieder auf den Pfad des Lichts gebracht wird. War die Kampagne in Dark Forces noch zu kurz und das Speichersystem zu umständlich, konnte Jedi Knight: Dark Forces 2 mit einer offenen Levelgestaltung und einer packenden Geschichte überzeugen. Kyle Katarn in Jedi Knight – Mysteries of the Sith auf die dunkle Seite der Macht zu ziehen, zeugte außerdem von Mut und Kreativität. So richtig in Fahrt kam die Reihe allerdings erst mit Star Wars Jedi Knight 2: Jedi Outcast.

Jedi, Jedi. Jedi!

Mit der Unterstützung meines Bruders konnte ich meine Eltern überzeugen, das Spiel zumindest auszuleihen. An einem heißen Sommertag war es soweit: Nach dem Besuch bei der Videothek prüften meine Eltern, wie gefährlich dieses Spiel doch für mich sei. Ich hatte ihren Segen, mein Bruder sollte ein Auge drauf werfen – tat er auch, und zwar so sehr, dass er das Spiel mit seinem Taschengeld erwarb. Was folgte? In keinem Jahr, in dem ich noch in der Heimat wohnte, verbrachte ich so wenig Zeit im Prenzlauer Schwimmbad, wie 2002. Möge die Macht mit meinen Eltern sein!

Kleiner Entwicklerwechsel: Nicht mehr LucasArts selbst werkelte an Jedi Knight 2: Jedi Outcast, sondern überließ die Entwicklung Raven Software. Das hatte auch zur Folge, dass nun mithilfe der Quake-3-Engine in First- und Third-Person-Perspektive abwechselnd gespielt wurde. Ein Jahr, bevor Knights of the Old Republic neue Rollenspiel-Maßstäbe setzte, konnte ich schon in Jedi Knight 2 wichtige Entscheidungen tätigen, da die Entwickler ein offensichtliches, aber durchdachtes Moralsystem einbauten, da Kyle Katarn sich nach den Geschehnissen in Jedi-Knight von den Jedi und der Macht abgewandt hatte. Nun arbeitet er gemeinsam mit seiner Freundin Jan Ors für die neue Republik gegen die Hinterbliebenen des Imperiums.

Während eines Einsatzes wird Jan scheinbar von der Schülerin des Dunklen Jedi Desann getötet. Kyle, der mit der Macht des Tals der Jedi seine Machtempfänglichkeit reaktiviert, beginnt daraufhin einen Vergeltungsfeldzug gegen Desann, den imperialen Waffenforscher Galak Fyyar und deren Fraktion der Bewegung Wiedergeborener.

Gleich zwei Mal Jedi im Titel, da ändert sich auch am Nachfolger nicht: Star Wars Jedi Knight: Jedi Academy wurde ebenfalls von Raven Software entwickelt und im September 2003 veröffentlicht. Nach vier Teilen ist nicht mehr Kyle Katarn der Protagonist, sondern der Lehrmeister des neuen Helden Jaden Korr im Jedi-Tempel auf Yavin. Erstmalig in der Reihe konnten Rasse, Geschlecht und Lichtschwert selbst bestimmt werden. Irre: Nicht nur die Farbe des Lichtschwerts konnte nach Geschmack gewählt werden, sondern auch, ob Jaden ein normales, zwei oder ein Doppel-Lichtschwert nutzt.

Im Mittelpunkt der Handlung steht die Antagonistin Tavion, welche in Jedi Outcast noch als Gehilfin von Desann aktiv war. Ihr Ziel ist es, einen alten Sith-Lord zum Leben zu erwecken und mit seiner Hilfe über die Galaxis zu herrschen. Im Laufe des Spiels musste ich mich auch hier wieder entscheiden, ob Jaden sich der hellen oder der dunklen Seite der Macht anschließen will, indem er Rosh, einen Kameraden, der im Laufe des Spiels eine gewisse Zeit der dunklen Seite verfällt, tötet oder nicht. Während Spiele wie später die Telltale-Adventures einem vorgeben, wichtige Entscheidungen zu treffen, ist das hier wirklich der Fall.

Entschied ich mich für die dunkle Seite, muss nicht nur Tavions Sith-Gruppe beseitigt werden, sondern auch die Jedi, die Jadon helfen, falls er die helle Seite der Macht wählt. Im Finale kämpft Jadon dann gegen Kyle Katarn. Entschied ich mich als Jedi, findet der Endkampf gegen Tavion statt, also gegen die Gehilfin Desanns aus Jedi Outcast. Am Ende erlebte ich einen der fiesesten Cliffhanger meiner Videospiel-Erfahrung: Wenn Katarn besiegt wird, stirbt dieser allerdings nicht und das Ende bleibt offen.

Nach 15 Stunden ist die kinoreife Geschichte auch schon zu Ende erzählt. Doch ich verbrachte mehr Zeit mit dem Spiel. Viel mehr. Danke an die lebendige Modder-Community, die meinen Bruder und mich auch Monate nach Veröffentlichung mit neuen Inhalten versorgt hatte. So konnten wir viele bekannte Filmszenen nachspielen - ob Luke gegen Vader, Qui-Gon Jin gegen Darth Maul oder Darth Sidious gegen Mace Windu – nahezu alle wichtigen Duelle der Saga waren dabei:

9 Jahre habe ich auf eine Fortsetzung gewartet, bis das Thema Jedi Knight 3 (6. Teil der Reihe) spätestens mit dem Verkauf der Star Wars-Marke an Disney 2012 erfolgt war. LucasArts entwickelt seitdem keine eigenen Spiele mehr und Star Wars-Titel werden – abgesehen von der LEGO-Reihe – nur noch unter Electronic Arts entwickelt. Die Jedi Knight-Reihe fand also mit Star Wars Jedi Knight: Jedi Academy ihr Ende.

In der Historie der Star Wars-Spiele ist nicht immer alles gelungen: 

Star Wars: Konzeptbilder zum gecancelten Darth Maul-Spiel aufgetaucht

Mit The Force Unleashed 2 veröffentlichte EA das letzte Star Wars-Singleplayer-Spiel. Nicht wurden das Darth Maul-Spiel und das hochambitionierte Star Wars 1313 eingestellt, auch das Action-Adventure von Visceral Games wird nun als Open-World-Multiplayer-Titel neuentwickelt. Zwar bewirbt EA Star Wars Battlefront 2 vor allem mit der Solo-Kampagne, allerdings ist diese nach 4-5 Stunden vorbei, ehe die Spieler ihr Geld lieber in Lootboxen investieren sollen, um sich die Zeit mit dem Multiplayer zu vertreiben. Der einzige Erwerb des Spiels scheint großen Publishern nicht mehr zu reichen. Eine Rückkehr der Jedi Knight-Reihe ist höchst unwahrscheinlich, doch mit dem bereits angeteasten Projekt von den Motive Studios rund um Assassin’s Creed-Autorin Jade Raymond könnte ein Star Wars-Singleplayer-Spiel auf uns warten – eine neue Hoffnung!

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