DNA: Kommt jetzt die Gen-Polizei?

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(Mirko) Die schnelle Aufklärung des Mordfalls Moshammer hat ihn wieder entfacht, den Streit um eine Ausweitung der DNA-Tests. Die SPD, die Union sowie der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordern eine häufigere Anwendung der DNA-Analyse. Die Grünen und die FDP lehnen dies strikt ab.

DNA: Kommt jetzt die Gen-Polizei?

Bei einer DNA-Analyse können Experten bereits aus winzigen Spuren mit Erbinformationen wie Haaren, Blut, Hautschuppen oder Sperma den genetischen Fingerabdruck eines Menschen erstellen und abgleichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Menschen den gleichen genetischen Fingerabdruck aufweisen, wird auf 1 zu 30 Milliarden geschätzt.

Der Mord an dem Münchner Modeschöpfer Rudolph Moshammer ist durch die Analyse von DNA-Spuren des Täters innerhalb von 48 Stunden aufgeklärt worden. Der Täter wurde überführt, weil er in einem früheren Strafverfahren freiwillig eine Speichelprobe abgegeben hatte. Nach bisher geltendem Recht ist die Speicherung genetischer Daten nur bei schweren Straftaten und Sexualdelikten nach richterlicher Anordnung möglich.

Dieser Fahndungserfolg eröffnet jetzt erneut die Diskussion über eine Ausweitung der Gentests auf alle strafrechtlich auffällig gewordenen Personen. Mit einer solchen Ausweitung ist die Hoffnung verbunden, Wiederholungstätern in Zukunft schneller auf die Spur zu kommen.

Politiker aller Parteien haben sich bereits zu der Problematik geäußert. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) forderte, die DNA-Analyse müsse das entscheidende Ermittlungsinstrument des 21. Jahrhunderts werden. Der Unionsfraktionsvize im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU), äußerte sich in ähnlicher Weise. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, sprach sich dafür aus, dass in allen Fällen, in denen die Polizei heute von einem Verdächtigen die Fingerabdrücke nimmt, ihn fotografiert und Angaben über seine Körpermerkmale archiviert, auch eine DNA-Probe genommen werden sollte. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, sagte in der “Netzeitung”: “Der Eingriff durch Gentests in die Bürgerrechte ist nicht größer als beim klassischen Fingerabdruck oder dem erkennungsdienstlichen Foto.”

Das sehen die Vertreter der Grünen und der FDP anders. Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, lehnt eine solche Ausdehnung der Tests ab, da anhand der DNA auch andere Merkmale wie Krankheiten ablesbar sind. Er sagte der “Berliner Zeitung”, dass aus diesem Grund die Hürde zur Erhebung und Speicherung von DNA-Spuren weiterhin hoch sein müsse. “Aus der Sicht der Kriminalisten wäre es natürlich das Schönste, die DNA-Analyse wie den heutigen Fingerabdruck erheben zu können”, sagte er und fügte hinzu: “Aus Sicht der Bürgerrechte wäre die Ausweitung der Gen-Analyse aber eine Katastrophe.”

Der innenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Max Stadler, wandte sich ebenfalls dagegen, die DNA-Analyse anderen erkennungsdienstlichen Verfahren gleichzustellen.

Es ist ein schwieriges Thema. Auf der einen Seite stehen Datenschutz und Bürgerrechte, auf der anderen Seite immer häufigere Straftaten von Wiederholungstätern. Wie seht Ihr diese Diskussion? Beteiligt Euch im COMMENTS-Bereich!


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