Datenschutz-Skandal: Taschenlampen-App gibt Nutzerdaten an Werbe-Dienstleister weiter

Frank Ritter
21

Datenschutzskandal, der Siebenhundertachtundelfzigste: Brightest Flashlight ist eine verbreitete Taschenlampen-App, die sensible Nutzerdaten „nach Hause telefoniert“ – neben einer eindeutigen Gerätekennung auch die präzisen Nutzer-Location. Diese Daten von mindestens 50 Millionen Nutzern, mit denen man theoretisch ein umfassendes Bewegungsprotokoll erstellen könnte, wurden an Werbeanbieter weitergegeben. Nun ist eine US-Behörde eingeschritten.

Datenschutz-Skandal: Taschenlampen-App gibt Nutzerdaten an Werbe-Dienstleister weiter

Wofür haben Smartphones eigentlich eine LED-Leuchte? Klar, für Fotos im Dunkeln. Aber mal ehrlich – die gelingen sowieso fast nie. Ich persönlich nutze diese Hardware-Funktion also eigentlich nur als Taschenlampe. Nun hat nicht jedes Gerät eine Taschenlampen-App vorinstalliert (Tipp: Bei Samsung gibt es das etwas merkwürdig betitelte Widget „Assistenz-Licht“). Macht nix, schließlich hat es im Play Store haufenweise kostenlose Taschenlampen-Apps.

brightest-flashlight-taschenlampe

Eine mit mindestens 50 Millionen Downloads und einer durchschnittlichen Wertung von 4,8 besonders populäre Anwendung ist Brightest Flashlight, im deutschen Play Store etwas hinkend „Brightest Taschenlampe“ genannt. Und diese ist momentan Gegenstand eines mehr oder weniger eklatanten Skandals. Brightest Flashlight soll nämlich sensible Daten seiner Nutzer, etwa deren Aufenthaltsort und eine eindeutige Gerätekennung, an Werbeanbieter weitergeben – ohne Wissen des Nutzers.

Zunächst einmal: Werbung in Apps und auf Webseiten passt sich heutzutage in der Regel dem Nutzer an, dazu gehört auch dessen aktueller Standort– nicht zuletzt Googles eigene Anzeigenlösung Adsense setzt darauf und bewirkt, dass man unterwegs gelegentlich Werbung für Geschäfte in der Nähe erblicken kann. Das mag nicht jedem Nutzer schmecken, immerhin wird man darüber rudimentär informiert, außerdem kann man die personenbezogene Werbung von Adsense am Android-Gerät auch komplett abstellen (Google-Einstellungen -> Anzeigen -> Haken bei „Interessenbezogene Anzeigen deaktivieren“ setzen).

Goldenshore Technologies, die Hersteller der Brightest Flashlight-App, haben nun allerdings eine Rüge der FTC erhalten, zusammen mit der Auflage, die App in den nächsten Wochen zu verändern. Worin unterscheidet sich der spezielle Fall aber von „normalen“ Werbeeinblendungen á la Google? In den Vorwürfen der FTC heißt es, dass der Anbieter nicht nur die Nutzer der Taschenlampen-App über den Umfang der gesammelten Daten (den präzisen Ort und eine eindeutige Nutzer-Identifizierung) im – pun intended – Dunkeln gelassen hätte. Die Datensammelei beginne bereits schon, bevor der Nutzer den (ellenlangen) Nutzungsbedingungen zustimmt, in denen ein entsprechender Passus ziemlich gut versteckt war. In der App ist überdies auch eine irreführende Option eingebaut – mit der könnten Nutzer die Werbung zwar abschalten, tatsächlich würden die Daten aber trotzdem gesammelt und an die Werbenetzwerke Dritter weitergegeben worden.

Nach der offiziellen FTC-Beschwerde ist der Anbieter der App gezwungen, nicht nur die angemahnten Probleme zu beheben, sondern auch sämtliche bislang gesammlten Daten zu löschen. Dass das nur wenig Einfluss darauf hat, wie die Werbenetzwerke die bereits erhaltenen Daten handhaben, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Wir empfehlen jedem Nutzer, der Brightest Flashlight installiert hat, auf die App zu verzichten und eine der unzähligen Alternativen im Play Store zu nutzen. Immerhin gut zu sehen, dass sich auch Behörden mittlerweile um übergriffige Apps kümmern. Allerdings wird dies, wenn überhaupt, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein – wir gehen davon aus, dass noch unzählige weitere Apps im Play Store solche grenzwertigen Praktiken anwenden. Bleibt nur zu empfehlen, bei der Installation von Apps immer auf die Berechtigungen zu achten, die diese verlangen. Eine Taschenlampe, die den Ort des Nutzers wissen möchte, ist zumindest dubios.

Quelle FTC [via Fast Company]

Weitere Themen: W10Privacy, O&O ShutUp10, Win10 SpyStop

Neue Artikel von GIGA ANDROID