Mit Laserwaffen gegen Drohnen: Gefängnisse rüsten auf

Johann Philipp

Private Drohnen werden nicht nur zum Zeitvertreib benutzt, sondern bieten auch kommerziell einen großen Nutzen, wenn sie in Zukunft beispielsweise Pakete ausliefern. Luftpost ist allerdings nicht nur bei Amazon, DHL und UPS ein Thema. Auch Gefängnisinsassen bekommen „Lieferungen“ aus der Luft.

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Battelle DroneDefender

Schmuggler lassen die Justiz alt aussehen und kopieren den Drohnen-Lieferdienst einfach. Sie fliegen verbotenerweise Drogen, Handys und Alkohol in den Knast. In den USA ist das Thema noch viel brisanter als bei uns. Doch neu ist es bei Weitem nicht. Was heute mit Drohnen geliefert wird, kam früher mit Modellfliegern oder Tennisbällen. Doch jetzt rüsten die Gefängnisse auf:

In Berlin gab es den Vorschlag ein Netz über den Innenhof der JVA Moabit zu spannen und Störsignale zu senden, damit die Drohnen nicht mehr auf Steuerbefehle reagieren. Doch beide Ideen wurden wieder verworfen. Die Netze seien zu teuer und Störsignale brächten „erhebliche Risiken“ mit sich, meint die Berliner Justizverwaltung.

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Schweiz und USA rüsten auf

Die Schweiz ist da schon mehrere Schritte weiter und hat in zwei Gefängnissen Anlagen zur Früherkennung von Drohnen und anderen Flugobjekten installiert. Eine davon steht in der JVA Lenzburg. Für umgerechnet über 180.000 Euro überwachen Radar- und Infrarotsensoren sowie Kameras sämtliche Flugobjekte und auch eingeworfene Gegenstände ab einer Größe von sieben Zentimetern. Löst das System Alarm aus, wird das Personal informiert, um entsprechende Maßnahmen treffen zu können.

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Boeing’s Compact Laser Weapons System

Keine aktive Störung

Doch auch dieses System verzichtet auf eine aktive Störung der Drohnen. Die zuständige Behörde argumentiert, dass dieses System mit der technischen Entwicklung der Drohnen nicht Schritt halten könne und daher laufend überarbeitet werden müsse. Das wäre auf Dauer schlicht zu teuer.

US-Waffe holt Drohnen vom Himmel

Die USA schießen mal wieder den Vogel, sorry, die Drohne ab. Mit zwei Antennen, die auf ein Gewehr geschraubt werden, wird der Flugkörper zur Landung gezwungen. Die US-Forschungsgesellschaft Battelle hat dieses „DroneDefender“ genannte System entwickelt. Die Antennen senden elektromagnetische Störsignale aus, die der Drohne den Verlust der GPS-Daten vortäuschen und sie damit orientierungslos machen. Ziemlich clever: Durch die eingebauten Sicherheitsmerkmale setzt die Drohne dann selbstständig entweder zur Landung an oder fliegt zum Besitzer zurück.

GPS-Jam auch zum Selberbauen

Dieses System bringt den Vorteil, dass die Drohne nicht mit scharfer Munition abgeschossen werden muss und dadurch auch keine Splitter umherfliegen, die Menschen verletzten könnten. Die Technik dahinter sei allerdings gar nichts neues, berichtet das Magazin Drohnen.de. Die Störsender könne man mit wenig Know-how selbst bauen und die Signalstärke müsse auch nicht besonders hoch sein. Doch Vorsicht: Das sogenannte Frequenz beziehungsweise GPS-Jamming ist streng verboten und im zivilen Bereich nur unter strengen Auflagen und innerhalb von bestimmten Anwendungsbereichen erlaubt.

Boing fährt Laserkanone auf

Auch Boing hat eine Waffe vorgestellt, die Drohnen vom Himmel holt. Allerdings nicht so elegant und sicher wie die Antennen-Waffe, sondern mit roher Gewalt. Ein 2-KW-Laserstrahl brutzelt so ziemlich jede Drohne in 15 Sekunden vom Himmel. Gesteuert wird das System mit einem Xbox-Controller und einem handelsüblichen Laptop. Die Laserkanone lässt sich in vier Kisten transportieren und ist innerhalb von 15 Minuten einsatzbereit. Bisher ist die Kanone noch nicht serienreif. Mögliche Einsatzgebiete sieht der Hersteller an sicherheitskritischen Orten wie dem Weißen Haus.

Die USA setzten bisher keine der beiden Systeme in ihren Gefängnissen ein, weil – wen wundert es – die Zulassungen noch fehlen. Die Antennen-Waffe klingt allerdings vielversprechend und könnte das Leben der Schmuggler wirklich schwerer machen.

Quelle: Tagesanzeiger, Motherboard, Drohnen.de, Tagesspiegel

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