Oberliga in Weiß

Guido Sieber

Barytpapiere ließen den digitalen Foto­druck an Qualität mit dem analogen Print gleichziehen. MACup stellt zehn Sorten im Vergleich vor.

Edle Oberfläche, seidig glänzend und leicht strukturiert, schwere säurefreie Basis ohne PE-Sperrschicht und nicht zuletzt das Weiß
von Bariumsulfit – all dies zeichnet den neuen Stern am Himmel des digitalen Fotodrucks aus. In Verbindung mit aktuellen Pigmenttinten

ent⁠stehen so Drucke, die analog erstellten Ab⁠­zü⁠gen in nichts nachstehen.
Die Kehrseite muss man jedoch auch berücksichtigen: Die Papiere sollten blattweise über den Einzelblatteinzug verarbeitet werden, auf einer ebenen Unterlage 24 Stunden trocknen und sich bereits einige Tage vor dem Drucken im Arbeitsraum akklimatisieren dürfen. Also mal eben zehn oder 20 Bilder zu drucken, wie man das von herkömmlichen PE-Papieren gewohnt ist, geht nicht.
So wurde im Test das Aufbringen der Papierbezeichnung mit einem Stylus Pro 3800 zur echten Aufgabe. Mehr als drei Blatt waren wegen der Steifigkeit der Medien nicht möglich und häufige Fehleinzüge führten dazu, dass schließlich jedes Blatt einzeln eingelegt wurde. Zudem will man bei einem Fotodruck Spuren des Einzugs auf der Papieroberfläche vermeiden. So ist der digitale Barytdruck letztlich, nicht viel anders als der analoge, mit relativ viel Handarbeit verbunden.

Das Testfeld

Den Test absolvieren zehn A3-Papiere von neun Anbietern. Stand mehr als ein Papier zur Auswahl, wurden glänzende Medien mit Warmton-Charakteristik vorgezogen. Von Crane kommt das 300 Gramm schwere Museo Silver Rag, das es als einziges Beispiel auch im Blattformat A0 gibt.
Unter den Druckerherstellern ist nur Epson mit einem A3-Barytpapier vertreten – mit dem 330

Gramm schweren Traditional Photo Paper. Hahnemühle steuert eine Photokina-Neuheit bei: das 315 Gramm wiegende Photo Rag Baryta. Das 290-Gramm-Papier Professional Photo Baryt von Sihl weist die am wenigsten glänzende Oberfläche im Test auf, während das 320 Gramm schwere Gloss FB AI von Harman am stärksten schimmert. Mit 310 Gramm etwas leichter ist Gold Fibre Silk von Ilford, zehn Gramm weniger bringt Monoprint Rochester Warmton von Monochrom auf die Waage.
Vom britischen Anbieter Permajet kommt das 295 Gramm schwere Fibre Base Gloss Warmtone. Tecco ist mit zwei Medien im Test präsent, dem Digital Photo BT 270 Baryt und dem Digital Photo BTI 290 Baryt Ivory, einer etwas schwereren Warmton-Variante des Ersteren.

Druckeignung

Wie schon angedeutet, sind hier Diven unter sich. Es gibt keine kunststoffbeschichtete Rückseite, die verhindert, dass Blätter aneinander haften, oder überhaupt eine Kunststoffbeschichtung gegen das Wölben der Papiere beim Drucken. Alle Papiere im Test werden für optimale Ergebnisse über den Einzelblatteinzug von vorne zugeführt, was auch einen geeigneten Drucker voraussetzt.
Erfreulich ist, dass – anders als bei vielen A4-Medien – alle getesteten A3+-Formate in soliden Kartons verpackt und ausreichend geschützt sind. Vielen liegt eine aktuelle Beschreibung für die grundlegenden Treibereinstellungen bei und in den meisten Fällen stehen auf der Internet­seite des Anbieters auch ICC-Profile für die relevanten Drucker zur Verfügung.
Aber leider nicht

immer. Gelegentlich fehlte eine Anleitung, auch ganz oder teilweise veraltete Instruktionen waren zu finden. Zudem sind die ICC-Profile auf den Internetseiten der Hersteller oft nicht vollständig. An sich müssten Profile für den Stylus Photo R2880 einige Monate nach Markteinführung längst verfügbar sein, zumal dieser Drucker andere Tinten verwendet als der Vorgänger. Hier sei angemerkt, dass bei den HP-Profilen Gnade vor Recht waltete, da die Modelle B9180 und B8850 dieselben Tinten verwenden.

Tipps und Tricks

Beim Druck von Farbmotiven bestätigt sich die Aussage der Hersteller, dass die maximale Auflösung eingestellt werden sollte, weil die Tinte dabei langsamer aufgetragen wird. Bei parallel zum Test auf einem Stylus Pro 3800 gedruckten Schwarzweiß-Motiven half dies jedoch nicht hier waren letztlich eine heruntergesetzte Auf­lö⁠sung und damit verbundene höhere Druckge⁠schwindigkeit die Lösung.

Stellen sich Schleifspuren des Druckkopfes auf dem Blatt ein, bedeutet dies, dass sich das Pa⁠pier beim Druck zu stark wölbt. Dem kann man in drei Stufen begegnen: erstens durch möglichst langsames Drucken, damit sich das Papier weniger stark wölbt. Zweitens – falls sich die Wölbung dadurch nicht verhindern lässt – durch Erhöhen des Walzenabstandes, sofern Drucker sowie Druckertreiber dies zulassen. Die letzte Rettung verspricht das genaue Gegenteil vom eben Gesagten: eine Beschleunigung des Druckes durch geringere Auflösung und Druck im bidirektionalen Modus. Der Trick dabei ist, das Pa⁠pier durch das Druckwerk zu bekommen, be⁠vor es sich zu wölben beginnen kann.

Bildeindruck

Die Bildqualität erhält auf allen Papieren durchwegs Bestnoten. Zwar bieten sich die Warmton-Papiere aufgrund der deutlich warnehmbaren Färbung besonders für monochrome Abbildungen an, während sich die weißen Papiere her⁠­vor⁠ragend für Farbmotive eignen. Zudem ist es Ge⁠schmackssache, ob man sich für ein schwach glänzendes, ein seidenmattes oder ein stärker glänzendes Medium entscheidet.
Die Ober­flächen aller Papiere im Test sind feh⁠lerfrei, gleichmäßig und sauber. Es

gibt weder beschädigte Kanten noch Papiere mit fasrigen Rändern. Bei einer Druckart treten allerdings ge⁠ringe Störungen auf – wenn nur mit den schwarzen Tinten monochrom gedruckt wird. Hier ist auf einigen Papieren ein schwaches Bronzing zu sehen, also ein leichter, bronzefarbener Schimmer.

Haptik

Bei der Haptik der Papiere fallen drei Medien durch ihre Weichheit auf. Sie lassen sich etwas stärker biegen und entsprechen deshalb nicht ganz dem idealen Fotoeindruck. Da im Test je⁠doch ausschließlich die großen A3+-Formate beurteilt wurden, gehört dies eher in die Kate­gorie „Jammern auf hohem Niveau“.
Ernsthafte Einwände gegen eines der getes­teten Papiere gibt es nicht. Was im Vergleich zu PE-Papieren jedoch auffällt, ist eine etwas we⁠ni⁠ger uniforme Planlage und die Tatsache, dass sich die Barytpapiere beim Druck tatsächlich wölben und sie insgesamt einen „natürli­cheren“ Eindruck hinterlassen.

Fazit

Zehn Top-Papiere im Test – zehn Sieger? Leider nein, denn obwohl jedes der Papiere hervorragende Druckergebnisse und außergewöhnliche Fotodrucke ermöglicht, gibt es vor allem bei de⁠ren „Ausstattung“ deutliche Unterschiede.
Nun bedeutet dies bei Papieren nicht, dass das Medium als solches schlechter ist. Aber bei einem A3+-Karton mit 20 Blatt, für den man knapp 100 Euro berappen muss, sollte eine aktuelle Anleitung zu Treibereinstellungen enthalten sein, zumindest mit dem Hinweis, im Treiber ein glänzendes oder seidenglänzendes Papier zu wählen.
Für Experten der Materie spielt das zwar keine Rolle – für viele Anwender wäre es aber sehr hilf⁠reich. Und wenn schon ICC-Profile zum Her⁠unterladen zur Verfügung stehen, sollten sie auch vollständig vorliegen. Vorbildlich ist in diesem Fall der Service von Permajet: Steht ein Profil nicht zur Verfügung, kann man einen Re⁠fe⁠renzdruck anfertigen, einschicken und erhält ko⁠stenlos das entsprechende Profil.
Abschließend ergeht ein großes Lob an alle Testkandidaten, denn die eben monierten Umstände lassen sich mit geringem Recherche-Auf⁠wand beheben. Was letztlich bleibt, ist das ge⁠druckte Bild. Das Gesamtergebnis zeigt mit zehnmal mindestens 90 Punkten die Klasse des Testfeldes, in dem sich Hahnemühle mit dem neuen Photo Rag Baryta knapp – aber verdient – an die Spitze setzt.

Guido Sieber/ok