Verbindlichkeit in der Praxis

Guido Sieber

Proof-Substrate mit FograCert sind messtechnisch optimal selbst für Contract-Proofs geeignet. MACup prüft, ob sie auch für den praktischen Einsatz taugen.

Da will doch glatt jemand einen Ausdruck mit exakten Farben. Was einem Prepress-Profi selbstverständlich erscheint, kann jedem Anwender passieren, selbst wenn er nur in kleinem Rahmen Layouts erstellt, sofern er über ­einen A3-Drucker verfügt. Vorausgesetzt, man hat auch Zugriff auf ein Farbmessgerät, kann man schon loslegen, ein Papierprofil erstellen und einigermaßen farbverbindlich drucken.
Aber welches Papier soll oder kann man verwenden? Ein einfaches gestrichenes ist möglicherweise mit der Tintenmenge überfordert und kommt wie ein nasser Lappen aus dem Drucker. Abgesehen von Schleifspuren des Druckkopfes ist es selbst in getrocknetem Zustand schwierig weiterzuverarbeiten. Ein Fotopapier ist möglicherweise zu teuer oder die Drucke werden trotz sorgfältig erstelltem Profil farbstichig. Warum also für einen Proof-Druck, selbst wenn nur ein Design-Proof angestrebt wird, nicht ein Proof-Papier verwenden?
Proof-Papiere machen im Prinzip nichts anderes als hochwertige Fotopapiere – nur mit ­einer anderen Absicht. Dem Proof-Papier ist es egal, ob ein Bild „warm“ oder „lebendig“ wirkt. Die Farben sollen stimmen, weswegen für den Test ausschließlich Medien mit Fogra-Zertifizierung ausgewählt wurden. So enthalten diese Papiere meistens keine optischen Aufheller oder in Ausnahmefällen nur geringe Mengen davon, weil diese den optischen Eindruck verändern und das Vermessen der Farben unnötig behindern würden.
Dank PE-Beschichtung ist auch eine saubere Planlage der Substrate gewährleistet. Curling, also eine Wölbung des Papiers durch aufquellende Papierfasern, tritt beim Druck so gut wie überhaupt nicht auf. Auch bei wechselnden klimatischen Bedingungen, vor allem der Luftfeuchtigkeit, bleiben die Papiere flach. Und wenn man die Sauberkeit der Schnittkanten und die Stabilität der Verpackung ansieht, sind Proof-Medien ideale Kandidaten für anspruchsvolle Druckaufgaben. Beim Preis schließlich wird man feststellen, dass ein erstklassiges A3+-Proof-Papier schon ab einem Euro pro Bogen zu haben ist – und somit preisgünstiger ist als ähnliche Fotomedien.
Es gibt also hinreichend Gründe, für Layout-Drucke ein spezialisiertes Papier zu verwenden: besseres Handling vor, während und nach dem Druck sowie bessere Druckergebnisse für diese spezielle Anwendung. Solche Papiere findet man allerdings nicht im Elektrogroßmarkt, und auch der Mac-Händler an der Ecke könnte überfordert sein.

 

Das Testfeld

Im Test sind acht semi-matte Proof-Medien von sechs verschiedenen Anbietern. Voraussetzung für die Teilnahme am Test war zuallererst, dass das Medium im Format A3+ zur Verfügung steht. Alle acht Papiere sind Fogra-zertifiziert (FograCert) und schon deshalb als sehr hochwertig anzusehen, weil dies eine Eignung der Substrate für Contract-Proofs bedeutet. Das schwerste Medium ist mit 275 g/m2 das Colorgate Proofpaper Isoproof 275. Das leichteste hingegen ist das Offset Proof Paper 9100 Semimatt von EFI, das gerade mal 140 g/m2 auf die Waage bringt und als einziges Papier nicht PE-beschichtet ist. Dafür zeichnet es sich durch ­eine Anmutung aus, die stark an Offset-Papiere angelehnt ist. Ebenfalls von EFI stammt das CertProof Paper 6225XF Semimatt mit einem Gewicht von 225 g/m2. Beide Papiere werden in Deutschland von Tecco vertrieben. Von Epson ist noch das 205 g/m2 schwere Standard Proofing Paper im Test; das neue 240-Gramm-Medium stand leider noch nicht zur Verfügung. Von GMG untersuchen wir zwei sich ähnelnde Medien, das ProofPaper semimatte mit einer Grammatur von 250 g/m2 und das 190 g/m2 leichte ProofPaper semimatte light. Das neue Grapp ex245 (245 g/m2) und das Premium Proofing-Papier seidenmatt (240 g/m2) von HP schließen das Testfeld ab. Das HP-Papier ist das einzige im Testfeld, dessen Fogra-Zertifizierung nicht auf der Verpackung dokumentiert ist.
Alle Medien sind mindestens als A3+-Bogenware und in den gängigs­ten Rollenbreiten verfügbar. Ausnahmen sind die bei Tecco vertriebenen EFI-Substrate. Diese sind ab dem Format A4 erhältlich, auch in Super A4, A3++, A2 und sogar in A1 als Blattware. Auf optische Aufheller wird weitgehend verzichtet und selbst bei den Papieren, die geringe Mengen davon enthalten, treten im Test keine messtechnischen Unregelmäßigkeiten auf. Auch hier fällt das HP-Medium auf, denn in den technischen Daten befindet sich keine Information über optische Aufheller.