Ist DVB-T2 HD das Todesurteil für das Antennenfernsehen?

Sebastian Trepesch
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Neue TV-Empfänger für DVB-T2 HD anschaffen? Eine Abogebühr für Privatsender zahlen? In vielen Kommentaren teilen uns Leser mit, dass das für sie nicht infrage kommt. Bedeutet die Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 HD Ende März das Ende des TVs? Drei Fragen an einen Kommunikationswissenschaftler.

Ist DVB-T2 HD das Todesurteil für das Antennenfernsehen?

Die bisherigen DVB-T-Empfänger werden Elektroschrott, Fernsehzuschauer benötigen mit der TV-Umstellung neue Hardware, siehe auch DVB-T2 HD im Überblick. Zudem werden die Privatsender zukünftig verschlüsselt ausgestrahlt, unter dem Namen freenet TV. Die Abogebühr in Höhe von 5,75 Euro pro Monat rechtfertigt der Anbieter mit den höheren Produktions- und Verbreitungskosten der höheren Auflösung.

Dr. Martin Emmer ist Professor am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit Mediennutzung, unter anderem mit der Konvergenz von Fernsehen und Internet. Wir haben ihn gefragt:

1. Bedeutet die Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 HD das Ende des terrestrischen Fernsehens?

Emmer: Die terrestrische Verbreitung ist ohnehin stark rückläufig: Nur noch etwa 15 % der Haushalte nutzen heute DVB-T, den Rest des Marktes teilen sich Kabel und Satellit. Die Umstellung auf DVB-T2 HD, das ja zugleich das Ende des privat-kommerziellen Free-TV einläutet, wird sicherlich für weitere Nutzergruppen ein Anlass sein, ihren TV-Empfang neu zu organisieren. Gerade für Jüngere dürften internet- bzw. App-basierte Empfangsformen (und evtl. auch eine stärkere Abkehr von den zukünftig weitgehend kostenpflichtigen privaten Sendern) wohl interessanter werden.

2. Wird der TV-Konsum durch die Umstellung insgesamt abnehmen oder verlagert er sich nur auf andere Übertragungswege?

Emmer: Sieht man einmal davon ab, dass heute nicht mehr so einfach zu definieren ist, was „TV-Konsum“ eigentlich noch bedeutet (TV-Inhalte lassen sich heute ja auch on-demand nutzen, umgekehrt gibt es YouTube-Kanäle, die beinahe wie ein TV-Programm aussehen), kann man feststellen, dass die klassische TV-Nutzung bisher durch die Digitalisierung und die Konkurrenz durch das Internet relativ wenig beeinflusst worden ist. Zwar verändern sich die Nutzungsmuster – also wann, mit wem, wo, über welche Geräte und Verbreitungskanäle man sieht; insgesamt bleiben die Nutzungsumfänge und auch die Bindung der Nutzer an das Medium Fernsehen aber relativ stark. Das dürfte sich auch durch die DVB-T2-HD-Umstellung nicht wesentlich ändern.

3. Angesichts der Konkurrenz von Netflix, Amazon Video etc.: Wird in fünf Jahren lineares Fernsehen, über welchen Übertragungsweg auch immer, noch populär sein?

Emmer: Die Linearität des Fernsehens ist nach wie vor eine seiner großen Stärken: Unsere aktuelle Forschung zeigt, dass die VoD-Nutzung in der Praxis oft mit einem „Screening“ des laufenden Fernsehprogramms kombiniert wird: Man prüft, was im Fernsehen läuft, und wenn man nichts findet, geht man zu einer VoD-Plattform. Deren Werbe-Claims wie „Sei dein eigener Programmchef!“ werden von vielen Nutzern angesichts der unüberschaubaren Angebotsfülle und unzureichender Auswahlhilfen bisher oft eher als Drohung denn als Lockung empfunden.

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