Alternative zu GPS: Europäisches Navigationssystem Galileo gestartet

Stefan Bubeck
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Zukünftig sind wir bei der Standortbestimmung per Satellit nicht mehr vom GPS abhängig, das unter der Kontrolle des US-Militärs steht. Europas eigener Navigationsdienst ist ab heute verfügbar, zwei Android-Smartphones sind bereits entsprechend ausgerüstet.

Alternative zu GPS: Europäisches Navigationssystem Galileo gestartet

Die EU-Kommission schätzte 2014, dass rund sechs Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts von Satellitennavigationssystemen abhängig sind, das entspricht einer Summe von 800 Milliarden Euro. Kein Wunder also, dass bereits vor Jahren Pläne entstanden, ein eigenes und zivil kontrolliertes System aufzubauen. Denn die bestehenden Alternativen, nämlich Global Positioning System, kurz GPS (USA), GLONASS (Russische Föderation) und Beidou (China) sind allesamt militärische Systeme, die jederzeit eingeschränkt oder sogar abgeschaltet werden können.

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Satellitennavigationssystem Galileo ortet auf Zentimeter genau

Bei dem offenen Dienst von Galileo handelt es sich um einen kostenlosen Massenmarkt-Dienst für Ortung und Navigation, der in allen Galileo-kompatiblen Chipsätzen in Smartphones oder in Fahrzeugnavigationssystemen zum Einsatz kommen kann. Zu den ersten entsprechend ausgerüsteten Geräten zählen das BQ Aquaris X5 Plus und das Huawei Mate 9 – andere Hersteller dürften nachziehen. Ab 2018 soll auch jedes neue Fahrzeugmodell, das in Europa verkauft wird, mit Galileo ausgerüstet sein.

Die Genauigkeit der Positionsbestimmung von Galileo liegt bei 1 bis 2 Metern beim sogenannten offenen Dienst (Open Service). Beim kostenpflichtigen kommerziellen Dienst (Commercial Service) für geschäftliche Anwendungen liegt die Genauigkeit sogar unter einem Meter. Typische Anwendungsfelder sind die Tätigkeiten von Landwirtschaftsbetrieben und Logistikdienstleistern. Zum Vergleich: Die öffentliche Version des GPS liefert eine Genauigkeit von rund 10 Metern. In Zukunft werden Smartphones und Navigationssysteme die Signale mehrerer Dienste kombinieren, um so das beste Ergebnis zur Positionsbestimmung zu erhalten.

Der für die Energieunion zuständige Vizepräsident der Europäischen Kommission, Maroš Šefčovič erläutert: „Die Geolokalisierung ist ein zentraler Aspekt der sich vollziehenden digitalen Revolution, die mit neuen Diensten unseren Alltag verwandelt. Galileo wird die Genauigkeit der Geolokalisierung um das Zehnfache vergrößern und einer neuen Generation von darauf beruhenden Technologien, etwa autonomen Fahrzeugen, vernetzten Geräten oder intelligenten städtischen Diensten, den Weg bahnen.“

Folgende Galileo-Dienstleistungen sind ab dem 15. Dezember verfügbar:

  • Unterstützung für Rettungsmaßnahmen
  • Präzisere Navigation für Bürgerinnen und Bürger
  • Bessere Synchronisierung für kritische Infrastrukturen (Synchronisierung von Banken- und Finanztransaktionen sowie von Verteilungsnetzwerken für Telekommunikation und Energie)
  • Sichere Dienstleistungen für Behörden (Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe, Zollbeamte und die Polizei)

Galileo: Aufbau noch nicht abgeschlossen

Der Start von Galileo musste in den letzten Jahren mehrfach verschoben werden und ist von kleinen und großen Pannen gekennzeichnet. Das globale Satellitennavigationssystem Europas befindet sich trotz des Starts der genannten Dienste noch immer im Aufbau, es befinden sich aktuell 18 Satelliten in der Umlaufbahn. Bis 2020 sollen weitere Satelliten hinzugefügt werden, die Gesamtzahl wird dann 30 betragen. Sie umkreisen die Erde in rund 23.000 Kilometern Höhe.

Quellen: Golem, EU-Kommission

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