Forscher erschaffen Mischwesen aus Mensch und Schwein

Stefan Bubeck
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US-Forschern ist es erstmals gelungen, chimärische Embryonen zu erzeugen, die Zellen von Mensch und Schwein enthalten. Wir erklären, wozu das gut sein soll.

Forscher erschaffen Mischwesen aus Mensch und Schwein

Was haben die Sphinx und eine Meerjungfrau gemeinsam? Sie sind Mischwesen aus Mensch und Tier. Die Bezeichnung „Chimäre“ für solche Wesen gibt es nicht nur in der Mythologie, sondern auch im biologischen Teilgebiet der Genetik: Chimären enthalten die Erbgut-Bausteine verschiedener Lebewesen.

Menschliche Organe in Schweinen heranzüchten

Das Forscherteam um Juan Carlos Izpisua Belmonte vom Salk Institute (Kalifornien) beschäftigt sich nach eigener Beschreibung damit, „Träume Wirklichkeit werden zu lassen“. Die neueste Erfolgsmeldung ist nun die Erzeugung vom Mensch-Schwein-Chimären – da stellt sich unmittelbar die Frage, wie das eigentlich aussieht.

Viel gibt es nicht zu sehen, außer man hat ein Mikroskop: Die Biologen haben menschliche Stammzellen (Zellen, die sich vervielfältigen und differenzieren können) in den Embryo des Wirtstieres gespritzt. Dort wachsen sie weiter, das Mischwesen ist also eine Kombination der Zellen von Mensch und Schwein. Die Embryonen entwickeln sich im Körper einer Sau, allerdings nur vier Wochen zu Forschungszwecken – sie werden zerstört, noch bevor sie auf die Welt kommen.

 

Nützlich werden könnten die aus den Beobachtungen des Versuchs gewonnen Erkenntnisse eines Tages für die Heranzüchtung von Organen für Transplantationen. Mit passgenauen Spenderorganen könnte die Medizin der Zukunft eventuell Komplikationen wie Abstoßungsreaktionen nach der Transplantation verhindern. Vielversprechende Erfolge konnte das Forscherteam bereits in der Vergangenheit erzielen, als sie die Stammzellen einer Ratte in Mäuse-Embryonen verpflanzten. Hier war das Ergebnis eine Ratten-Bauchspeicheldrüse, die sogar einer zuckerkranken Ratte transplantiert werden konnte und dort Insulin bildete.

Die Forschung an den Mensch-Schwein-Mischwesen ist noch nicht auf dieser Stufe angelangt. Es verteilen sich nur wenige menschliche Zellen im Schweine-Embryo, eine gezielte Züchtung von Organen bleibt vorerst Zukunftsmusik. Heiner Niemann vom Institut für Nutztiergenetik (Mariensee) äußerte sich dazu gegenüber der Süddeutschen Zeitung: „Die Erschaffung von Mischwesen wird umso schwieriger, je weiter die Arten in der Evolution voneinander entfernt sind.“

Der Projektleiter Dr. Izpisua Belmonte ist zuversichtlich: „Natürlich ist es das ultimative Ziel der Chimären-Forschung herauszufinden, ob wir Stammzellentechnologie dazu nutzen können, um genetisch übereinstimmende menschliche Gewebe und Organe herzustellen. Wir sind sehr optimistisch, dass eine Fortführung dieser Arbeiten eines Tages zum Erfolg führen kann.“

Quellen: Süddeutsche Zeitung, SALK, Washington Post

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