Luftverschmutzung in Neu-Delhi sprengt die Skala

Stefan Bubeck

In Indiens Hauptstadt atmen die Menschen die schlechteste Luft der Welt. Sie erreichte letzte Woche einen Wert von 999 auf dem Air Quality Index (AQI) – dessen Skala geht eigentlich nur bis 500. Was ist da los?

Luftverschmutzung in Neu-Delhi sprengt die Skala

Smog ist ein weltweites Problem, zahlreiche Megacities leiden unter verdreckter Luft und geraten so immer wieder in die Schlagzeilen. Die Probleme betreffen vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer. In Deutschland ist die Feinstaubproblematik bekannt, mit der beispielsweise Stuttgart immer wieder zu kämpfen hat. Aber im Vergleich zu Indiens Moloch ist alles andere frische Luft, wie die Messungen aus der letzten Woche leider einmal wieder belegen.

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Leben in Neu Delhi: Wie zwei Packungen Zigaretten am Tag

Weltweit messen Städte ihre Luftqualität und ordnen sie mittels Air Quality Index (AQI) ein. Werte von 0 bis 50 sind gut und entsprechen weitestgehend sauberer Luft – alles was darüber liegt, kann schon negative Folgen für die Gesundheit haben. Messwerten von 401-500 bedeuten „massive Verschmutzung“ und können auch bei kerngesunden Menschen zu ernsthaften Atemproblemen führen.

Über diesem in der Skala dunkelrot markierten Alarmzustand sind keine weiteren Stufen vorgesehen. Letzte Woche wurden in Neu-Delhi Werte bis 999 gemessen, das liegt 16-fach über dem, was die indische Regierung als sicher einordnet – diese Luft ist pures Gift. Experten verbildlichen das Einatmen so hoher Konzentrationen an sogenannten PM 2.5 Partikeln mit dem Konsum von zwei Schachteln Zigaretten täglich.

Wenn alle Faktoren zusammenkommen

Neu-Delhi hat schon seit vielen Jahren ein Smog-Problem. Da sind zum einen der Verkehr und die Industrieabgase. Zum anderen heizen große Teile der Bevölkerung – vor allem die Ärmsten der Armen – mit allem Möglichem, um nicht zu frieren. Holz, Kohle, aber auch Autoreifen und Plastik werden verbrannt. An bestimmten Zeitpunkten legen sich die vielen Auslöser aufeinander und es wird wieder ein trauriger Rekord gebrochen.

So auch diesmal: Nach der Erntezeit brennen Landwirte ihre Felder ab, ein weiterer Faktor könnten die Feuerwerke im Rahmen des hinduistischen Diwali-Fests sein, das dieses Jahr Ende Oktober begann.


Quellen: Popular Science, New York Times

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