Völlig verrückt? Franzosen heizen Sozialwohnungen mit PC-Prozessoren

Johann Philipp

Neuer Trend: Wärme aus dem Computer nutzen. Das französische Unternehmen Qarnot baut in 1.500 Sozialwohnungen und Büros Server mit AMD Ryzen-Prozessoren ein und verwendet die Abwärme als Heizung. Was kann der Heizkörper 2.0?

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Die Prozessor-Heizung des französischen Unternehmens Qarnot

Nein, es ist kein Aprilscherz. Das französische Unternehmen plant wirklich, Computer in Wohnzimmer zu installieren und die Abwärme als Heizung zu verwenden. Mittlerweile gibt es die Q.rads genannten Heizkörper in der dritten Generation mit neuen Features. Es stellt sich nur die Frage: Was sind die Vorteile? Zugegeben, im ersten Moment scheint die Idee ziemlich abgefahren, doch sowohl die Bewohner als auch der Betreiber profitieren davon.

Rechenleistung wird vermietet

Die Rechenleistung der Server wird von Qarnot genutzt, um beispielsweise Dienste wie die Berechnung von 3D-Grafiken anzubieten. Wenn die Server arbeiten, produzieren sie Wärme, die in die Wohnung geleitet wird. Vor einer unbewohnbaren Sauna müssen sich die Bewohner aber keine Sorgen machen: Die Raumtemperatur lässt sich in der zugehörigen App einstellen. Sobald der Wert erreicht ist, wird die Leistung der Prozessoren heruntergefahren und damit produzieren sie auch keine Abwärme mehr. Mit der Idee sind die Franzosen aber nicht alleine, auch in Deutschland gibt es mit „Cloud & Heat“ ein ähnliches Projekt.

WLAN, drahtloses Laden und Luftsensor

Die Prozessor-Heizung bringt 500 Watt Wärmeleistung und bietet weitere Funktionen. Als Quelle dienen dabei drei AMD Ryzen Pro-Prozessoren. Die Nutzer profitieren nicht nur von einem warmen Zuhause, sondern auch von mehreren Sensoren: Der Heizkörper ist gleichzeitig ein WLAN-Router, überwacht den CO2-Gehalt in der Luft und lädt das passende Smartphone drahtlos auf. Das Beste am gesamten System: Qarnot übernimmt die Stromkosten für den Server, sodass man quasi eine kostenlose Heizung bekommt. Voraussetzung für den Einsatz ist nur ein Strom- und Internetanschluss. Bereits jetzt sollen laut eigenen Angaben mehr als 100 Haushalte mit den Q.rads ausgestattet sind.

Das Geschäftsmodell der Franzosen sieht vor, die Rechenkapazitäten der einzelnen Server zu vermieten. Beim Einsatz in 1,500 Wohnungen kommt da eine beachtliche Leistung zusammen. So wird ein Wohnhaus mit mehreren Geräten zum dezentralen Datenzentrum.

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Was passiert im Sommer?

Die Idee ist im Winter sicherlich praktisch, aber im Sommer muss man damit rechnen, dass die Bewohner ihre Heizungen abschalten und somit auch die Leistung der Server massiv sinken wird. Daher arbeitet das Unternehmen bereits an neuen Systemen, bei denen die Abwärme zur Warmwasser-Produktion genutzt wird.

Das System ist vorerst nur für öffentliche und private Institutionen und noch nicht für Privatpersonen verfügbar.

Quelle: Qarnot

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