Das Start-Up What3words erkennt jeden Punkt auf der Erde anhand von drei Wörtern. Mit dieser Technik will der Autobauer Daimler die Navigation revolutionieren. Brauchen wir in Zukunft keine Adressen mehr?

what3words beschreibt jeden Ort der Welt mit nur drei Worten
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Update vom 12.01.2018, 11:15 Uhr:
Der Autokonzern Daimler gibt bekannt, dass er sich mit 10 Prozent am Start-Up beteiligt. Außerdem wird Mercedes-Benz als erster Automobilhersteller das neue Adresssystem in seine Fahrzeuge integrieren. In der A-Klasse, die im Frühjahr 2018 vorgestellt wird, kann der Fahrer sein Ziel dann mithilfe der Dreiwortadressen suchen und eingeben. Per Text- oder Spracheingabe kann dann beispielsweise nach „dabei.werk.richter“ gesucht werden. Das Ziel wäre in diesem Fall das Brandenburger Tor in Berlin. Der Vorteil liegt auf der Hand: Drei-Wörter-Adressen sind zuverlässiger und viel schneller einzugeben, als komplizierte Straßennahmen und Postleitzahlen. Nach der Deutschen Bahn und Intel ist Daimler das dritte große Unternehmen, das sich am Start-Up beteiligt.

Originalartikel vom 28.11.2016:

„seifen.futter.holz“ – das beschreibt eine bestimmte Ecke vor der Haustür der GIGA-Redaktion in Berlin. Diese drei Worte sind die eindeutigen Koordinaten einer 3×3 Meter großen Fläche. Ein GPS würde die selbe Stelle mit den Zahlen „52.528663, 13.409508“ benennen – nicht besonders einprägsam.

Um zu verstehen, wozu die Welt ein weiteres globales Adresssystem braucht, muss man im wahrsten Sinne des Wortes abseits der abgetreten Pfade denken. Natürlich stellt sich in einer deutschen Großstadt eher selten das Problem, eine bestimmte Location zu finden. Jedes Haus ist mit einer bestimmten Straße und Hausnummer eindeutig verortet, wir müssen uns über Logistikprobleme nur sehr selten Gedanken machen.

In vielen Teilen der Welt sieht das anders aus, Milliarden Menschen leben in Gegenden mit mangelhaftem oder ganz fehlendem Adresssystem – viele davon in Millionenstädten. Aber auch hierzulande geht eine Lieferung gelegentlich schief oder ein Standort lässt sich nur umständlich beschreiben. Ein einfaches und mündlich kommunizierbares System will nun Abhilfe schaffen.

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What3words: Globales Raster mit 57 Billionen Quadraten

Chris Sheldrick ist einer der Gründer des in London ansässigen Start-Ups what3words. Als ehemaliger Eventmanager lernte er während seiner zehnjährigen Tätigkeit in dieser Branche ein Problem kennen: Rund um die Welt gab es Schwierigkeiten mit Lieferanten, weil diese Eingänge zu Veranstaltungsorten nicht fanden oder Bands nicht zu ihrem Hotel kamen. Der klassische Weg über Adressen und GPS-Koordinaten schlug immer wieder fehl.

Gerade letztere sind etabliert und eindeutig – leider reicht hier ein Zahlendreher und der Lieferbote landet mit seiner Fracht am falschen Ort. Das What3words-Team bietet eine pragmatische Lösung: Sie haben die Erdoberfläche in 57 Billionen Quadrate unterteilt, jeweils mit einer Fläche von 3 mal 3 Metern. Jedes dieser Quadrate bekommt einen eindeutigen Namen, der aus drei Wörtern besteht.

Einige Beispiele, mit Link zum Anklicken:

  • „freudig.peilen.apfelstrudel“ – Eine Flussbiegung in den Tiefen des Amazonas.
  • „kalten.gemeinsamer.hufeisen“ – die Freiheitsstatue in New York City.
  • „bemerken.lawine.betreiber“ – der Anstoßpunkt auf dem Spielfeld der Allianz Arena in München.
  • „quadratmeter.festsetzung.bestreben“ – Eine versteckte Bucht bei Gokarna, Indien.

Damit es keine Verwechslungen gibt, werden ähnlich klingende Kombinationen an Positionen mit weitem Abstand vergeben. So liegen „table.chair.lamp“ und „table.chair.lamps“ auf unterschiedlichen Kontinenten. Dieses Beispiel ist anders als die oben genannten auf Englisch. Derzeit wird der Dienst in 9 Sprachen angeboten: Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Suaheli, Russisch, Deutsch, Türkisch und Schwedisch. Je nach Sprache wird ein Ort also anders beschrieben, innerhalb der Sprache jedoch eindeutig. Ein Standort lässt sich per App teilen und in das konventionelle System aus Breitengrad und Längengrad umwandeln und umgekehrt.

Eine bessere Welt durch eindeutige Adressen

Das Start-Up gibt an, dass etwa 75 % der Welt 135 Länder) unter uneinheitlichen, komplizierten oder ungenügenden Adresssystemen leidet, das wären rund vier Milliarden betroffene Menschen. Das betreffe Slums und Flüchtlingslager, aber auch Schulen und Wasserversorgungssysteme. Ohne eindeutige Adressen sei die Auslieferung von Gütern, die Wartung von Anlagen und auch das Ausüben von Bürgerrechten erschwert, letzten Endes bremse es die „Entwicklung von Nationen“.

Für Einzelpersonen soll der Dienst auf der Webseite und per App dauerhaft kostenlos bleiben, Unternehmen müssen für die kommerzielle Nutzung zahlen. Zu den Referenzen gehören bereits die mongolische Staatspost und ein Zustelldienst in Rio de Janeiro. Gute Beispiele, die das Potential aufzeigen – was in den Weiten der Steppe und im Gewirr der Favelas funktioniert, könnte überall auf der Welt eingesetzt werden.

what3words
Entwickler:
Preis: Kostenlos

what3words
Entwickler: what3words
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Quellen: what3words, Berliner Morgenpost

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