Review - Pure

Leserbeitrag
8

Wenn ein Offroad-Rennspiel angekündigt wird, dann schaut man als neugieriger Spieler zunächst einmal auf den Namen des Publishers. Im Fall von Pure heisst dieser Disney Interactive und genau das liess es vielen Rennspiel-Fans eiskalt den Rücken runter laufen. Und das, obwohl die ersten Bilder ein zumindest in grafischer Hinsicht sehr gutes Spiel erwarten liessen.

Erste Ernüchterung für alle Dreckfans und Schlammschlacht-Liebhaber: Pure beschränkt sich in seinem Fuhrpark ausschliesslich auf die vierrädrigen ATVs beziehungsweise Quads. Weder Motocross-Maschinen noch Buggys stehen zur Auswahl, obwohl zumindest auch die zweirädrigen Dreckschleudern auf den Kursen von Pure gut was hergemacht hätten.

Dafür aber ist die Auswahl an Quad-Variationen erstaunlich gross. Sehr gross sogar. Um nicht zu sagen, unendlich gross. Wie kommt’s? Nun, Pure bietet euch die Möglichkeit, zu Spielbeginn euer eigenes Quad zusammenzubauen. Dafür steht euch ein irrsinnig umfangreiches Arsenal an grösstenteils offiziell lizenzierten Einzelteilen zur Verfügung, die ihr im übersichtlichen und simplen Baumenü nach und nach auf euren Rahmen schraubt. Viele Bauteile sind dabei nur von optischer Relevanz, besonders bei Motor, Bereifung, Ritzelsatz und ähnlich existentiellen Teilen lohnt es aber, in die rechte untere Bildschirmecke zu schauen, um zu sehen, welche Veränderungen welches Teil bewirkt. Die Fähigkeit für Tricks, die Bedienbarkeit des Quads, der maximale Boost, die maximale Geschwindigkeit, die Beschleunigung – all das kann von den Einzelteilen positiv oder negativ beeinflusst werden. Am Ende entsteht in eurer virtuellen Garage ein exklusives Quad, das es so kein zweites Mal gibt.

Um in der Pure-Welttournee, dem zentralen Spielmodus, Erfolg zu haben, benötigt ihr aber auf lange Sicht mindestens zwei Quads. Eins, das ihr auf Geschwindigkeit und Boost hochzüchtet, um in den spektakulären Rennen die Nase vorn zu haben und eins, um in den Trickwettbewerben möglichst ansehnliche Manöver in die Luft zaubern zu können. Zwar geht der Bau der Quads mit dem übersichtlichen Editor äusserst leicht von der Hand, wer sich aber von der gigantischen Zahl der Kombinationsmöglichkeiten überfordert fühlt, darf sich vom Computer auf Knopfdruck ein entsprechendes Quad zusammenbauen lassen, das innerhalb von wenigen Sekunden fix und fertig in eurer Garage steht. Keine Angst, ihr habt jederzeit die Möglichkeit, die Quads nachträglich umzubauen oder mit neuen Teilen oder Upgrades auszustatten. Ohnehin könnt ihr mit euren beiden Standard-Bikes vom Spielbeginn bestenfalls am Anfang der Welttournee Siege einfahren. Später fährt euch die nicht mal so dumme KI-Konkurrenz ohne Leistungsupgrades schnell davon.

So, nun aber Schluss mit der trockenen Theorie. Pure fackelt nicht lange und wirft euch in der Welttournee gleich in die ersten Renn-Events. Unterteilt ist die Tournee in verschiedene Einzelevents, jeder dieser insgesamt zehn Events besteht aus drei bis sieben Wettbewerben. Diese Wettbewerbe können entweder klassische Wettrennen auf den spektakulären Naturkursen rund um den Globus, kurze Sprints auf vergleichsweise kleinen Rundkursen oder trickreiche Freestyle-Events auf den mit zusätzlichen Rampen präparierten Wettrennen-Strecken sein.In jedem Wettbewerb tretet ihr gegen 15 KI-Gegner an, die sich gleichzeitig mit euch auf der Strecke tummeln. Je höher eure Platzierung am Ende ist, desto mehr Punkte erhaltet ihr. Und mit steigender Punktezahl und damit steigender Position in der Weltrangliste schaltet ihr nach und nach die weiteren neun Events frei. So komm ihr nach Neuseeland, Kalifornien, Thailand, Italien und weitere landschaftlich reizvolle Plätze, die allesamt eines gemeinsam haben: spektakuläre Offroad-Kurse für eure Quads.

Sobald ihr mit eurem fahrbaren Untersatz auf der ersten Strecke landet, dürfte euch die Kinnlade runter klappen. Grafisch ist Pure sehr gut. Enorm detaillierte Quads, toll animierte Fahrer, sensationell gestaltete Landschaften und Kurse, zahlreiche Dreck-, Schlamm- und Staubeffekte und eine stellenweise grossartige Fernsicht verzaubern das Spielerauge. Während des Rennens verdrecken Quad und Fahrer, wobei man den Streckenbelag – Schlamm, Schotter, Erde – jederzeit am T-Shirt des Fahrers ablesen kann. Nur der Schattenwurf eures Fahrers wirkt ein wenig unsauber und hart, was aber während der Rennen kaum auffällt. Die insgesamt sieben verschiedenen Örtlichkeiten im Spiel lassen landschaftlich fast keine Wünsche offen. Ihr rast durch einen erloschenen Vulkankrater, über zerklüftete Felshänge in Italien, durch den dicht bewachsenen thailändischen Dschungel oder aber über Sanddünen und karge Klippen in der Wüste Kaliforniens.

Fazit: Das Gameplay von Pure ist irrsinnig schnell, die Steuerung herrlich intuitiv und die sensationelle Optik sucht ihresgleichen. Ja, man kann nur mit Quads fahren. Ja, es hätten etwas mehr Strecken sein können und ja, ein Splitscreen-Modus wäre schön gewesen. Aber das alles sind Faktoren, die man bei Pure in Kauf nehmen kann, wenn der Rest sich so rund spielt wie hier!

Weitere Themen: Gronkh

Neue Artikel von GIGA GAMES

GIGA Marktplatz