Hackergruppe blamiert türkische Polizei - bis auf die Knochen

Matthias Schleif
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Es ist ja wirklich selten, dass man auf Yahoo!, abgesehen von den Finance-Seiten, mal eine interessante Nachricht findet, doch mit der Geschichte rund um die Hackergruppe “Redhack”, die sich Zugang zu Polizeicomputern verschafft hat und Erstaunliches herausgefunden haben will, schießen sie ausnahmsweise mal den Vogel ab. Selbst wenn es sich bei der Story nur um eine Ente handeln sollte, erzählenswert ist sie allemal:

Hackergruppe blamiert türkische Polizei - bis auf die Knochen

Die ursprüngliche Begründung, nämlich dass die Redhacker eigentlich nur in die Polizeicomputer wollten, um Beweise dafür zu finden, dass die Bürger zu immer mehr Denunziationen angestiftet werden – wobei die Polizei dann von Informanten spricht – ist mittlerweile ein wenig ins Hintertreffen geraten, denn alle Beteiligten rätseln, wie eine Polizei so arbeiten kann.

“Nicht sonderlich schwierig” hätten es die Eindringlinge gehabt, gibt der Pressesprecher zerknirscht zu. Passwort-Varianten á la 123456 waren da schon fast die schwierigeren Hürden, rein gekommen seien die Angreifer letztlich überall. Sensible Daten konnten wohl ebenso eingesehen und kopiert werden, wie Dienstpläne und Mitarbeiter-Datenbanken; administrative Hürden Fehlanzeige.

Doch als wenn das nicht genügt hätte, die Behörde – beziehungsweise deren Bemühungen im Kampf gegen “Internet-Kriminalität” – aufs Übelste zur Schau zu stellen, offenbarte sich noch ein zusätzliches pikantes Detail. Der “weitaus überwiegende Teil” der installierten Software auf den infiltrierten Polizeicomputern, so berichteten es die Redhacker ohne Dementi der Polizei, sei “illegal kopierte” Ware. Nicht nur ihr Dilettantismus ist ihnen also um die Ohren geflogen, sondern auch noch ihre Arroganz. Das wäre aber vielleicht noch zu verschmerzen gewesen, wenn es nicht auch so übel an der Legitimität dessen kratzen würde, was die Gesetzeshüter so in Sachen “Urheberrechtsschutz” an schweren Geschützen auffahren; sicher ein Thema für einen weiteren, ganzen Artikel.

Am Ende haben die Jungs von Redhack aber nicht nur eine heiße Milieugeschichte geschrieben, sondern auch ihr eigentliches Ziel erfüllt. Man konnte anhand der Daten doch noch beweisen, dass es viel mehr Kontakte in die “Szene” und verdeckte Ermittler in Reihen der Polizei gibt, als diese bis dato zugegeben hatte. Wie YAHOO! mit Bezug auf Welt!Online schreibt, gingen/gehen die Verwicklungen und Verbindungen sogar so weit, dass die türkische Polizei auch endlich die Begründung gefunden hat, warum ausgerechnet der meist-geehrte Türke Atatürk unter der Hand gern mal als schwul bezeichnet wird. Die Information, wie kann es anders sein, kam von einem Informanten, ohne dass ihn jemand gefragt hätte: es sei “die Schuld der Künstler, die die ganzen Statuen geschaffen” hätten, echauffierte dieser sich laut einem Protokoll, “denn die Künstler würden dem legendären Führer einfach “prinzipiell zu wenig Fülle” in den Schritt meißeln. Nur, dass jetzt ausgerechnet die Schwulen die “Kleinsten” haben sollen, das leuchtet mir irgendwie nicht ein.

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