Aer - Memories of Old im Test: Fliegende Meditation

Michael Sonntag

Der Himmel gehört dir. Erlebe mit Aer: The Memories of Old absolute Freiheit!

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AER Gameplay Trailer PAX East 2016

Aer: The Memories of Old entstammt der Schmiede des schwedischen Entwicklerstudios Forgotten Keys. Mit dem deutschen Publisher Daedalic Entertainment brachten sie einen digitalen Titel heraus, der sich mit seinem Stil deutlich von Spielen wie RiME, Journey und Zelda: Wind Waker inspirieren ließ. Die Atmosphäre von Aer ist genauso einnehmend wie speziell. Ob das Spiel als gut oder schlecht empfunden wird, hängt stark mit dem Bedürfnis zusammen, welches Spieler an den Titel herantragen. Betrachten wir ihn als das, was er ist.

Erleuchte die Vergangenheit – Rette die Zukunft

Sie ist zerstört, die Welt, wie wir sie einst kannten. Zerrissen von der großen Trennung. Die letzten Bruchstücke, sie schweben als Inseln hoch oben im Himmel, zwischen den Wolken. Doch die Bedrohung lebt noch und will ihr Werk vollenden. Um ihr verstreutes Zuhause zu retten, wird Priesterin Auk auf eine Pilgerreise geschickt. Drei Siegel müssen aus drei Tempeln geborgen werden, damit die Leere endgültig vertrieben werden kann.

Doch Auk ist nicht allein. Sie hat ihren Meister, ihre Freunde und die Göttin Kara. Ihre Patronin gibt ihr das Laternenlicht, mit dem sie die Vergangenheit erleuchten kann, um mit dem Wissen der Ahnen die Zukunft der Nachfahren zu retten. Schemenhaft erscheinen sie, die Alten, die Verstorbenen. Füllen den stillen Raum, erzählen ihre Geschichten. Doch so vieles bleibt unbekannt und vergessen.

Auks Reise führt quer durch den Himmel, weshalb sie mit der Fähigkeit gesegnet ist, sich in einen Adler verwandeln zu können. Auf dass sie mit dem Fuß über den Rand tritt und sich die Freiheit der Lüfte begibt. Seichtes Gleiten oder rasanter Sturzflug, das steuerst du intuitiv und leicht.

Keine Insel ist zu weit oder zu hoch. Binnen Sekunden erreichst du kleine Punkte in der Ferne, die sich als wunderschöne Landzungen mit Bergen, Wasserfällen und Dörfern entpuppen. Wenn du majestätisch umherfliegst, kannst du deine Menschenform dabei beinahe vergessen.

Die Welt selbst ist mit dem Low Poly-Stil sehr einfach und eckig gehalten. Gesichter, Bäume, Häuser, Ruinen und Tiere – das alles erahnt der Spieler aus den Polygonen und doch bleiben sie fremdartig. Ähnlich wie die gesamte Welt, die mit ihrer Musik zum Vergessen einlädt, bis sie Heimweh nach Realismus und Gesellschaft weckt.

Finde Frieden, wenn du danach suchst

Gäbe es die Mission nicht, würde ich stundenlang fliegen und anschließend auf einem Fleck landen, um genauso lange zu meditieren. Aber nur, wenn mir danach ist und ich nicht lieber in einem anderen Spiel Regimes stürzen, Monster töten oder Häuser errichten will. Aer bietet dir all das nicht, aber etwas, das dir nur wenige Spiele bieten können: Seelenfrieden, wenn du ihn willst.

Erreicht Auk die Tempel, versperren ihr Rätsel und Geschicklichkeitsaufgaben den Weg. Einmal müssen Schalter gedrückt, ein anderes Mal muss Licht zu einer Linse geführt werden. Es wird nichts erklärt, die Aufgabenstellung ergibt sich oft durch das Betrachten der Umgebung und Benutzen von Objekten.

Das Fliegen funktioniert hier nicht, wird aber auch niemals gebraucht. Auk springt hoch und weit, auch wenn es etwas gewöhnungsbedürftig ist, weil es leicht verzögert geschieht. Im Innern eines jeden Tempel erwartet Auk ein Siegel der Götter. Während es dir überlassen ist, in welcher Reihenfolge du die Tempel absolvierst, gelangst du am Ende mit allen drei Siegeln zu einem letzten Turm.

Auk kann weder durch einen Sturz sterben, noch kann sie auf Gegner treffen. Die Welt ist mysteriös und manchmal unheilvoll, bleibt aber größtenteils harmonisch. Das Erkunden dieser und die eigenen Gedanken dabei stehen im Vordergrund des Spiels. Nichts kann dich großartig aus der Trance der Atmosphäre reißen, sobald du einmal drin bist.

Zusammenfassung und Fazit:

aermemoriesofold

Das Indie-Spiel lädt zur Entspannung und zum Meditieren ein. Es bietet für sein Genre einen unvergleichlichen Flugmodus und eine Welt zum Erkunden ein. Für die Spieldauer von 4 Stunden erfüllt Aer seine Prämissen, könnte aber nicht länger ausfallen. Der Polygon-Stil ist gewöhnungsbedürftig, aber unverbraucht. Die Rätsel sind nett, die Musik sehr einnehmend. Wenn du weißt, worauf du dich einlässt und dem zustimmst, bist du in der Welt von Aer nicht nur richtig, sondern ganz zu Hause.

Wird gefallen, wenn du Journey und Rime mochtest, etwas zum Abschalten suchst und dich gerne in schönen Welten verlierst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du allergisch gegenüber Meditation bist, Action brauchst und nach einer Herausforderung suchst.

Wertung

7.5/10
Getestet von Michael

Perfekter Titel zum Ausklingen des Tages. Vor allem der Flugmodus hat es mir sehr angetan. Wenn mir der Sinn nach Seelenfrieden stehen sollte, weiß ich schon, was ich spielen werde.

Weitere Themen: LastFight, The Bunker

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