Another Lost Phone: Laura's Story im Test

Michael Hoh

Another Lost Phone erzählt die aufwühlende Geschichte um das Verschwinden von Laura. Wir haben den Nachfolger von A Normal Lost der Entwickler Accidental Queens genauer unter die Lupe genommen.

Another Lost Phone: Laura's Story im Test

Es ist genau 14 Uhr, als du das Smartphone von der Straße aufhebst und das Display aktivierst. Der Player spielt noch immer leise Musik. „12 neue Nachrichten von Ben“ meldet ein Pop-up Fenster, gesendet in großer Sorge um Laura, deren Handy du allem Anschein nach in Händen hältst. Du…

Moment mal. Das hier fühlt sich doch verdammt nach einem Déjà-vu an. Hast du das so oder so ähnlich nicht schon einmal erlebt? Fast, denn mit Another Lost Phone: Laura’s Story liefert das Entwickler-Team Accidental Queens nun den Nachfolger zu A Normal Lost Phone. Das Spiel funktioniert dabei nach dem selben Spielprinzip: Du begibst dich auf Spurensuche, gehst Indizien nach, um letztendlich das verlorene Handy seiner Besitzerin zurückgeben zu können. Doch anstatt die schwierige Identitätssuche eines Trans-Teenagers zu thematisieren, haben sich Accidental Games diesmal dem komplexen Thema der psychischen und physischen Gewalt angenommen.

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A Normal Lost Phone
Entwickler: Accidental Queens
Preis: 2,99 €

Die Fassade bröckelt

Beim Scrollen durch Lauras Nachrichten und E-Mails entsteht zunächst der Eindruck, sie führe ein recht unauffälliges, geradezu idyllisches Leben. Ihre Teenagerjahre hat sie bereits hinter sich gelassen, sie hat Freunde und Kollegen, mit denen sie regelmäßig etwas trinken geht, sie tauscht Rezepte aus, trifft Familie, macht Sport und obendrein ist sie auch noch frisch verliebt. Die Jobsuche macht ihr zwar zu schaffen, aber auch das bekommt sie schnell in den Griff. Es könnte kaum besser laufen. Doch Laura geht es trotzdem nicht gut. Irgendwann traut sie sich nicht mehr ins Büro, sie will lieber von ihrer Wohnung aus arbeiten. Was könnten die Ursachen sein? Mobbing? Ein paar seltsame Mails von Kollegen gab es da ja schon. Und was hat es mit ihren Arztterminen auf sich? Warum will sie ihre Freunde nicht mehr treffen? Und was für eine Rolle spielt dabei ihr Freund? Ist ihre Beziehung vielleicht doch nicht so rosig, wie gedacht? Und mit jedem weiteren Vortasten, um dem Verschwinden Lauras auf die Spur zu kommen, bröckelt die idyllische Fassade ein wenig mehr.

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A Normal Lost Phone: Unser Test zum Vorgänger

Komplexes Thema auf den Punkt

Mit Another Lost Phone schaffen es Accidental Queens ein weiteres Mal, ernste gesellschaftliche Themen erzähltechnisch zu verdichten und spielerisch auf den Punkt zu bringen. Ausgeklügelter Rätselspaß und eine umfangreiche Handlung spielen jedoch, wie bereits beim Vorgänger, eher eine zweitrangige Rolle. In der Tat, nach maximal zwei Stunden sind alle Informationen kombiniert und die Passwörter geknackt. Auch wenn sich die Spieldauer beider Games nicht groß unterscheidet, fällt es diesmal leider schwerer, sich mit den Charakteren zu identifizieren. Wird einem erst einmal bewusst, was mit Laura eigentlich los ist, rollen auch schon die Credits. Ich hätte mir gewünscht, mehr über Lauras Leben und ihre Motivationen zu erfahren. Das liebevoll animierte Phone User Interface ist jedoch intuitiv und wurde, im Vergleich zum Vorgänger, sogar optimiert, das Rad aber auch nicht neu erfunden. Nach zahlreichen Games wie Orwell, Sara is Missing oder Mr. Robot, die mit ähnlichen Mitteln Realität und Fiktion verwischen, wird dies auch zunehmend schwieriger.

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Another Lost Phone: Laura's Story

Fazit zu Another Lost Phone

Und doch: Another Lost Phone ist ein wichtiges, kleines Puzzlegame, das die Reihe nach A Normal Lost Phone wunderbar ergänzt. Das Spiel konfrontiert den „Finder“ oder die „Finderin“ von Lauras Handy auf einfühlsame Weise mit psychischer und physischer Gewalt, ohne dabei Ursachenforschung zu betreiben, sondern vielmehr für das überaus vielschichtige Thema zu sensibilisieren. Solltest du also ein Fan unkonventionell erzählter Geschichten sein, der auch mal der Story zuliebe auf übermäßigen Rätselspaß verzichten kann, dann bist du bei diesem Spiel absolut an der richtigen Adresse.

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Wird dir gefallen, wenn du kleinen Indie-Games mit aussagekräftiger Story, die sich auch einmal ernsten Themen widmen, etwas abgewinnen kannst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du einen großen Bogen um Text-Adventures machst, nicht auf kniffligen Rätselspaß verzichten kannst, eher eskapistische Spiele bevorzugst

Wertung

7.5/10
Getestet von Michael

Another Lost Phone ist ein wundervolles Mysteryspiel, das zwar nicht durch seine kniffeligen Puzzle, dafür durch realistische Dialoge und charmante grafische Umsetzung besticht. Mit der sensiblen Behandlung gesellschaftlicher Problematiken kann es besonders punkten.

Weitere Themen: LastFight, The Bunker

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