Inner Chains im Test: Was zur Hölle?

Marvin Fuhrmann

Was zur Hölle spiele ich hier? Diese Frage bestimmte meine gesamte Reise durch den Horror-FPS-Shooter Inner Chains. Warum diese Frage nicht nur ein blödes Wortspiel ist, sondern eine echte Berechtigung hat, verrate ich dir in meinem Test.

Keine Zeit für den ganzen Test? Unten findest du eine Zusammenfassung zu Inner Chains!

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Inner Chains - Release-Trailer

Inner Chains ist das erste Projekt eines kleinen Studios aus Warschau. Das Team von “Telepaths Tree” besteht aus ehemaligen Mitgliedern von People Can Fly, Techland und CD Project Red. Also den Entwicklern, die an Titeln wie Bulletstorm, Dying Light und The Witcher mitgewirkt haben. Vielversprechende Talente also, die mit Inner Chains einen FPS-Horror-Shooter abliefern wollen, der die Abgründe einer fast untergegangenen Zivilisation zeigt. Im Test zeigt sich jedoch, dass sich das Team mit Inner Chains vielleicht zu viel vorgenommen hat.

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Ein Hauch von Dark Souls und Doom

Nach dem Start von Inner Chains habe ich mich gleich ein bisschen daheim gefühlt. Die Story wird von einer mysteriösen Stimme nähergebracht, die von Sündern, Opfern und Ketten redet. In bester Dark-Souls-Manier weiß wohl niemand auf Anhieb, was hier Phase ist. Doch das macht ja auch den Reiz dieser Erzählungen aus, die ich bei der Souls-Reihe und ihren Ablegern liebe. In den ersten Minuten beweist Inner Chains, dass sein Setting und die Story durchaus Potenzial haben. Düstere Gemäuer, merkwürdige Kultanhänger und eine überraschende Wendung machen Lust auf mehr und sorgen für grandiose WTF-Momente.

Dark Souls und Studio Ghibli kombiniert

Was Inner Chains absolut richtig macht, ist das Art Design. Hier haben sich die Entwickler voll ausgelebt. Grafik-Fetischisten kommen hier auf ihre Kosten, wenn Funken die Dunkelheit erhellen und die schaurigen Level des Horror-Shooters in Hochglanz erstrahlen. Übrigens: „Horror“ bezieht sich einzig und allein auf das Setting. Wirkliche Erschrecker oder Spannung gibt es leider nicht. Und hier beginnen die Probleme. So interessant die Geschichte von Inner Chains losgetreten wird, so schnell verfällt sie in Belanglosigkeit. Insgesamt wirkt alles nur noch verwirrender, je weiter ich ins Spiel vordringe. Das Ende tut dazu sein Übriges und lässt mich mit mehr Fragezeichen im Kopf zurück, als es mir lieb ist.

Doch kann Inner Chains auf der Seite des Gameplays wenigstens noch Lorbeeren einfahren? Auf den ersten Blick mag der Shooter wie Doom anmuten. Dunkle Kreaturen der Hölle in die Abgründe zurückballern, aus denen sie gekrochen sind? Count me in! Doch Inner Chains stellt sich mit den eigenen Mechaniken selbst ein Bein. So kann fast jede Waffe unnötigerweise Überhitzen, was schon nach kurzer Zeit extrem nervt und die Kämpfe mit öden Wartezeiten füllt. Habe ich dann endlich – nach etwa der Hälfte des Spiels – eine Waffe, die permanent feuert, kommt auch so etwas wie Spaß auf. Doch da ist es schon fast zu spät.

Inner Chains
Entwickler: Telepaths Tree
Preis: 19,99 €

Coole Idee: Gehen die Munitionsreserven zur Neige, wird stattdessen Leben bei jedem Schuss abgezogen. Aber auch dies ist redundant, wenn an jeder Ecke Lebens- und Munitionsstationen stehen. In etwas mehr als drei Stunden jagt dich Inner Chains von einem Schlauch-Level in das nächste. Ein Gefühl von Erkundung kommt nur durch alte Schrifttafeln auf, die langsam durch das Erlernen einzelner Buchstaben aufgedeckt werden. Jedoch hat dies bei mir nicht gereicht, um mir ein Grinsen zu entlocken. Nach spätestens 15 Minuten hat mich Inner Chains nicht mehr überraschen können. Langeweile kam auf und zog sich dann auch bis zum Ende durch.

Wenn du nun über die Schwächen von Inner Chain hinweg schauen kannst, weil dir das Setting allein von den Screenshots Gänsehaut verleiht, sei noch ein letzter Hinweis ausgesprochen. Aktuell gibt es noch einige Bugs im Spiel, die vor allem gegen Ende für Sound-Probleme bei manchen Spielern sorgen. Zudem kostet Inner Chains im aktuellen Steam Summer Sale immer noch stolze 12,99 Euro für die knappe Spielzeit.

Inner_Chains_Test_Wertung

Fazit zu Inner Chains

Zu Beginn von Inner Chains habe ich mich gefragt, was zur Hölle mich hier erwartet. Innerhalb weniger Minuten hat sich dies in die Frage gewandelt, warum zur Hölle ein Spiel so langweilig sein muss. Die Entwickler hätten sich für die eigentlichen Spielmechaniken mehr Zeit nehmen müssen, damit diese auch Spaß bereiten. Aktuell fühlt sich Inner Chains eher wie eine Tech-Demo an, die am besten im Bereich der Early-Access-Spiele aufgehoben wäre. Für einen vollständigen Release, der auch noch normalerweise 20 Euro kostet, hätte ich mir mehr erwartet.

Inner Chains wird dir gefallen, wenn du auf Grafik und abgedrehte Horror-Settings stehst.

Inner Chains wird dir nicht gefallen, wenn du auf der Suche nach einem spaßigen Shooter oder einer guten Story bist.

Wertung

5/10
Getestet von Marvin

Inner Chains ist kein Totalausfall. Aber wirklich gut ist es eben auch nicht. Die eigentlichen Spielmechaniken sind dem Spielspaß gegenüber eher hinderlich. Allein das Setting und die wenigen WTF-Momente retten Inner Chains vor einer schlechteren Wertung. Ein typischer Fall von Grafikblender, der wenig Tiefgang bietet.

Weitere Themen: LastFight, The Bunker

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