Tower 57 im Test: Kämpfe als Mafiosi mit Flammenwerfer gegen Dinos

Michael Sonntag

Tower 57 ist nur deshalb in 18-Bit-Optik zu haben, weil seine Schlachten in hoher Auflösung jede Grafikkarte schrotten würden.

221
Tower 57 - Gameplay Trailer

Tower 57 heißt das Spiel, das der deutsche Entwickler Pixelwerk mit 51.000 Euro über Kickstarter finanzieren konnte. In diesem dieselpunkigen Top-Down-Shooter schießt du dich bis zur Spitze eines mysteriösen Turms durch. Der Titel setzt dabei an die Traditionen bewährter Amiga-Klassiker wie Alien Breed oder The Chaos Engine an. Dennoch ist der Shooter noch verbesserungswürdig.

Wähle zwischen Abgedreht und Durchgeknallt

Da die Menschheit aufgrund einer Katastrophe zurückgezogen in ihren Turmstädten lebt, ist es fatal, wenn die Rohstoffproduktion plötzlich aussetzt. Um den Vorfall aufzuklären und das Überleben der Spezies zu sichern, musst du für diese verrückte Mission ein genauso verrücktes Team zusammenstellen.

Am Anfang von Tower 57 kann der Spieler drei aus sechs verschiedenen Charakteren auswählen. Darunter befinden sich bekannte wie auch abgewandelte Arche-Typen dieses Genres: Der Mafiosi, die Wissenschaftlerin, die Polizistin, der Bettler, der Diplomat und die Spionin. Jeder Charakter verfügt neben einer Grundwaffe über eine spezielle Primärwaffe, sei es ein Flammenwerfer, ein Thompson-Maschinengewehr oder eine doppelläufige Schrotflinte. Zur Unterstützung gibt es noch ein individuelles Sekundärwerkzeug, das im Falle der Mine ebenfalls als Waffe eingesetzt oder im Falle des Zeitverlangsamers als nützliches Gadget im Kampf verwendet werden kann.

Wenn wir schon bei verrückten Waffen sind:

Die 10 lustigsten Waffen in Videospielen

Mit im Gepäck sind die coolen Sprüche, die jede Figur auf Lager hat. Keine Ahnung, ob es ein Geheimnis oder in der Beschreibung einfach vergessen worden ist, jedenfalls hat jede Figur eine exklusive Interaktionsmöglichkeit mit ihrer Umwelt. So kann der Bettler hier und da Geld von einem NPC geschenkt bekommen, während der Mafiosi höchstwahrscheinlich aufgrund seines guten Rufes in sämtlichen Geschäften Rabatt erhält. Hier setzt der Wiederspielwert schon an, da du jeden Charakter unbedingt einmal gespielt haben möchtest.

360 Grad-Pixelschlachten

Einen Haupteil des Spiels bist du damit beschäftigt, das jeweilige Level zu erkunden und dir Gefechte mit Gegnerhorden zu liefern. Mit vielen Geschossen, Explosionen und splitternden Umgebungselementen wird das ganz unterhaltsam und bombastisch für seinen sparsamen Stil präsentiert. Der Charakter wird dabei über die Tastatur und Maus oder mit dem Gamepad gesteuert.

Hin und wieder kann es dadurch aber auch unübersichtlich werden, gerade wenn das Spiel selbst auf der leichten Schwierigkeitsstufe immer noch fordernd ist. Um überhaupt reinzukommen und ein Gefühl für das zu entwickeln, was einen im Kampf alles erwarten kann, braucht der Spieler schon drei bis vier Anläufe für das erste Level. Selber speichern ist nur selten möglich und das Spiel speichert von allein nur bei Beendigung eines Levels oder kurz vor Endgegnern.

Ähnlich wie in Tower 57 gibt es auch bei Fallout 4 viele Anspielungen auf die Popkultur. Kennst du sie schon alle?

Fallout 4: Easter Eggs - die besten Referenzen zu Filmen, Serien und Spielen

Die Teammitglieder können über Kleiderschränke gewechselt oder wie drei Leben betrachtet werden. Sobald der erste stirbt, erscheint der zweite automatisch und kann zudem die Waffen des Gefallenen mitnehmen. Nachdem auch der dritte gestorben ist, beginnt das Level erneut. Über gelbe magische Kugeln ist es zwar möglich, bei einer Wahrsagerin, tote Mitglieder wiederzubeleben, aber die Sache hat mehrere Haken. Erstens sind sie nicht käuflich erwerblich, zweitens findet der Spieler sie nur in geheimen Levelabschnitten und drittens kommen sie nicht so oft vor, wie sie vielleicht gebraucht werden. In meinem Fall verlor ich schon relativ früh meine beiden Kollegen und musste dann meine schießwütige Polizistin allein in den Kampf schicken. So hatte ich für den größten Teil des Spiels nur ein einziges Leben.

So ergibt das Erkunden der Level durchaus Sinn, unabhängig davon, dass es ohnehin mehrere Strecken zum Endboss-Raum gibt. Die geheimen Wege sind oft noch fordernder als die gewöhnlichen. Überlebst du aber eines dieser Himmelfahrtskommandos, kannst du Geld, Medi-Kit, Munition, seltene Waffen und Kugeln finden. Im Gegensatz zur erwähnten gelben versorgt die blaue deinen Charakter direkt mit einer Spezial-Attacke, die er gewöhnlich nur über das Kämpfen aufladen kann. Oft ist die Superpower die letzte Rettung, da du dann erleichtert dabei zusehen kannst, wie ein heranfahrendes Auto, eine Armee aus Robotern oder ein Meteoritenschlag das ganze Schlachtfeld säubert.

Falls du nach Indie-Titeln für die Switch suchen solltest, kannst du hier nach einem passenden Ausschau halten:

Nintendo Switch: 24 kommende Indie-Titel

Die Gegner bieten eine abwechslungsreiche und gefährliche Mischung: Von schleimigen Poppels-Käfern bis hin zu hypnotisierenden Tentakelmonstern ist hier alles vertreten. Jeder Feind hat ein anderes Angriffsmuster, kann aufnehmbare Waffen fallen lassen und manches Ungeheuer kann dem Charakter sogar Extremitäten abtrennen.

Um sich von diesem Schaden zu erholen und um nicht das ganze Level durchhumpeln zu müssen, kann der Charakter bei einem Cyborg-Händler nützliche Prothesen erwerben. Dieses kleine RPG-Element bietet über das Spiel praktische Effekte wie mehr Kampfschaden, schnelleres Lauftempo und Selbstheilung. Nachtteilig ist dabei jedoch, dass die Verbesserungen für jeden Charakter einzeln gekauft werden müssen. Geld fliegt hier zwar genauso viel durch die Gegend wie Splitter, aber ich weiß nicht, was lohnenswerter ist: Mehrere leicht verbesserte Figuren oder eine ultimative Cyborg-Polizistin?

Die Levelgestaltung weiß ganz genau, wann die Herausforderung gesteigert werden muss, um dem Spieler das Gefühl zu rauben, er habe den Dreh jetzt raus. Das macht Spaß und ist ordentlich schweißtreibend. Die kurze Spielzeit von 2 bis 3 Stunden bilden aber einen Faktor, der den Spielspaß auf sämtlichen Ebenen leicht herunterdrückt. Es gibt zu viele Waffen für zu wenig Gefecht. Es sind zwar genügend Vorraussetzungen für einen erneuten Spielanlauf vorhanden, doch muss jeder Spieler selbst entscheiden, ob das Spiel genügend Inhalt für vier Anläufe oder nur für zwei bietet. Die Spielzeit wird zwar noch einmal angehoben, wenn der Spieler sich beim nächsten Mal nach allen Alternativ-Routen und Geheimverstecken Ausschau hält, aber das Spiel bleibt dasselbe.

Kannst du nicht genug von Indie-Titeln bekommen?

Indie Arena Booth: Diese Geheimtipps solltest du unbedingt im Blick behalten

Die Schwierigkeit gab mir irgendwann vor, dass ich für mein Überleben besser nur zwei bestimmte Waffen benutzen sollte. Ich gebe aber zu, dass es schon mein Interesse weckt, ob nicht eine andere noch nicht gefundene Waffe die Schlacht anders gestaltet hätte. Im Singleplayer bekommt der Spieler drei witzige Stunden geboten, während der Mehrspielermodus den Kampf noch unübersichtlicher und viel zu leicht macht.

Lebendiger als es die Form zulässt

Die Spielwelt von Tower 57 ist bunt und überraschend lebendig. Zwischen den Leveln erhält der Spieler die Möglichkeit in einem Stadtviertel namens Amors Den zu speichern, Gegenstände zu kaufen und die Gegend zu erkunden. Hier tummeln sich dutzende von Passanten und Sicherheitskräften. Der Verkehr ist rasant, womit der vorhandene Zebrastreifen nicht so viel Schutz bietet, wie er gesetzlich eigentlich sollte. Neonreklamen, Ampeln und stimmige Stadtmusik erwecken den glaubwürdigen Eindruck einer schnelllebigen Metropole. Es gibt viele Geschäfte, NPCs mit Dialogen und sogar ein paar Minispiele. Von den etwas lebendigeren Orten ist das Stadtviertel definitiv das Herzstück. Jeder Laden hat sogar seine eigene Melodie, die beginnt, wenn du ihn betrittst. Manchmal läuft sie wegen eines Bugs auch weiter, weshalb der Spieler entschieden shoppen gehen und nicht mehrere Läden hintereinander betreten sollte.

Auch wenn die Spielwelt räumlich sowie zeitlich begrenzt ist, bietet sie dennoch eine Fülle an Details. Auf dem Weg zur Turmspitze werden Kanalisationen, Labore, Fabriken und luxuriöse Suiten passiert. Jedes Level hat seinen eigenen Stil, seine Musik und Besonderheiten. An einer bestimmten Stelle kannst du sogar die Fotos der Entwickler und auch die Namen aller Kickstarter-Unterstützer finden. Darüber hinaus ist es ein großes Kompliment für dieses kleine Spiel, dass ich vorher eine größere Spoilerwarnung aussprechen müsste, ginge ich jetzt näher auf die Geschichte ein. So viel sei gesagt: Sie ist überraschend und interessant.

Zusammenfassung und Fazit

tower57review

Der Ansatz von Tower 57 bietet viel Potenzial, welches hier noch nicht genügend ausgeschöpft wurde. Das Ganze könnte in einer etwas längeren Fortsetzung mit noch mehr Inhalten und einer neuen Geschichte direkt zu einem langjährigen Klassiker werden. Das Dieselpunk-Szenario bietet genügend Stoff und auch der Pixel-Look ist charmant. Die fordernden Kämpfe sind neben der Spielwelt das Highlight dieses Indie-Titels.

Wird dir gefallen, wenn du Retrospiele magst, dir gerne große Materialschlachten lieferst und ausgefallene Welten erkunden möchtest.

Wird dir nicht gefallen, wenn du Spiele mit mehr als drei Stunden Spielzeit suchst und von guter Grafik nie genug haben kannst.

Wertung

7.5/10
Getestet von Michael

Spaßiger Top-Down-Shooter in einer detailverliebten 18 Bit Dieselpunk-Welt. Das kurze Abenteuer setzt auf Wiederspielwert durch knackige Kämpfe und große Level.

Weitere Themen: LastFight, The Bunker

Neue Artikel von GIGA GAMES