Stephen's Sausage Roll: Dieses Indie-Spiel ist Dark Souls als Puzzle-Game

Sebastian Moitzheim

Stephen’s Sausage Roll wird von Kritikern und Entwicklern als das “Dark Souls der Puzzle-Games” bezeichnet. Was damit gemeint ist und warum Stephen’s Sausage Roll eins der bisher besten Spiele des Jahres ist, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Stephen's Sausage Roll: Dieses Indie-Spiel ist Dark Souls als Puzzle-Game

Ich weiß nicht, wie ihr euer Wochenende verbracht habt, aber ich habe die meiste Zeit über Würstchen nachgedacht. Ich habe fette, wenn wir ehrlich sind ziemlich unappetitlich aussehende, virtuelle Würstchen angestarrt und darüber nachgedacht, wie man sie am besten grillen könnte. Es war das anstrengendste Wochenende des Jahres für mich und ich bereue keine Sekunde.

Nein, ich hatte keinen Rückfall von meiner vegetarischen Lebensweise. Ich habe einfach sehr viel Zeit mit dem Puzzle-Game Stephen's Sausage Roll verbracht. Nicht genug Zeit, um das Spiel durchzuspielen, aber genug, um in den Chor der Entwickler und Kritiker, die das Spiel bereits gespielt haben, einzustimmen. Stephen's Sausage Roll, so der Tenor, ist das “Dark Souls der Puzzle-Games“. Das bedeutet: Es ist extrem schwer, aber auch eine Lektion in brillantem Gamedesign.

Marketing so minimalistisch wie das Gameplay

Es ist gut möglich, dass ihr auf Steam schon auf das Spiel gestoßen seid, und es wäre nachvollziehbar, hättet ihr schnell weitergescrollt: Stephen's Sausage Roll ist hässlich, die Steambeschreibung knapp (“A simple 3d puzzle game.“) und der Trailer nichtssagend. Und dann kostet das ganze auch noch fast 30€, für ein Indie-Game durchaus eine Hausnummer.

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Stephen's Sausage Roll - Trailer

Und auch das eigentliche Spiel ist wenig einladend: Ihr findet euch auf einer Insel wieder, ohne ein Intro oder ein Tutorial, das über eine Erklärung der Tastenbelegung hinausgeht. Ihr seid eine klobige Figur, die eine riesige Gabel vor sich her trägt. Schnell wird euch die unintuitive Tank-Steuerung auffallen, und früher oder später werdet ihr eure Figur, wenn auch umständlich, so platzieren, dass sie eine der geisterhaften Silhoutten abdeckt. Dadurch betretet ihr ein Level, und obwohl es nicht explizit erklärt wird, ist leicht zu erkennen, was zu tun ist: Jedes Level enthält einen oder mehrere Grills und ein oder mehrere Würstchen. Ihr könnt selbst eins und eins zusammenzählen.

Stephen's Sausage Roll

Die Würstchen perfekt zu grillen ist schwerer, als es zunächst aussieht. Jede Wurst nimmt zwei der Kacheln ein, in die die Level unterteilt sind. Zusätzlich hat sie zwei Seiten. Die Würstchen haben also vier Sektionen, die alle genau einmal einen Grill berühren müssen. Bei zwei Berührungen verbrennen sie und das Level ist verloren. Alle Level sind außerdem von Wasser umgeben – Fallen die Würstchen dort hinein, führt das ebenfalls zu einem gescheiterten Versuch. Auch die Spielfigur nimmt zwei Kacheln ein, und der Radius der Gabel beim Drehen erschwert das Manövrieren im Level zusätzlich: Eine falsche Bewegung, schon ist ein Würstchen verbrannt oder im Meer gelandet.

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Das bessere The Witness

Ein naheliegenderer Vergleich für Stephen’s Sausage Roll ist The Witness – und nicht nur, weil dessen Entwickler Jonathan Blow Stephen's Sausage Roll als eines der besten Puzzle-Games aller Zeiten bezeichnet.

Wie bei The Witness geht es auch hier darum, durch Versuch und Irrtum Regeln zu erlernen und sie dann korrekt anzuwenden. Doch bei Stephen's Sausage Roll sind die Regeln weniger abstrakt und eleganter eingeführt. Sie treten in Form von zusätzlichen Level-Elementen statt Symbolen auf und bringen nicht nur neue Herausforderungen, sondern auch neue Möglichkeiten und Antworten auf die ein oder andere Frage, die man sich beim Spielen gestellt hat (“Warum trage ich eine riesige Gabel, kann aber die Würstchen nicht aufspießen?“). Obwohl Stephen’s Sausage Roll noch eine Spur schwieriger ist als The Witness, ist es daher dennoch weniger frustrierend.

Stephen's Sausage Roll

Blow ist nicht der einzige Entwickler, der das Spiel seines Kollegen feiert. Bennett Foddy, Macher von QWOP, bringt das Genie des Spiels auf den Punkt: “Man bekommt nie einen zusätzlichen Knopf oder eine zusätzliche Art von Wurst oder sowas“ – aber dennoch liefere jedes einzelne Level einen “Heureka!“-Moment. Obwohl die Aufgabe in jedem Level identisch ist, wiederholt sich Stephen's Sausage Roll so gut wie nie. Anders als bei The Witness gibt es nicht zehn Varianten desselben Puzzles, die nur ein und dieselbe Regel ausbuchstabieren. Jedes Puzzle in Stephen's Sausage Roll offenbart eine konkrete Problemstellung (“Wie kriege ich die eine Wurst an der anderen vorbei?“, “Wie grille ich alle Würstchen, ohne mir den Ausgang zu versperren?“), die einmalig im Spiel ist, wenn überhaupt, dann nur mit einem cleveren Twist noch einmal vorkommt.

Die Wurst ist mein Lebenssinn

Und genau deshalb ist der Dark-Souls-Vergleich letztlich auch passender als der mit The Witness. So schwer das Spiel ist (und um das nochmal zu unterstreichen: Stephen's Sausage Roll ist sauschwer): Es ist niemals schwierig um des Schwierigseins willen, und es gibt kein Füllmaterial. In Dark Souls ist jeder Gegner mit Bedacht platziert, jeder Kampf bietet eine spezifische Herausforderung und bereitet ein Stück weit auf den nächsten Gegner vor; die zunächst voneinander unabhängig scheinenden Gebiete der Spielwelt hängen doch auf sinnvolle Weise zusammen. Genauso hat hier jedes Level eine Funktion im Gesamtgefüge, und obwohl sich fast nichts wiederholt, lernt man doch von jedem Puzzle wertvolle Skills für das nächste.

Stephen's Sausage Roll

So genial Stephen's Sauge Roll ist, sollte man sich bewusst sein, worauf man sich einlässt: Man muss das Dark-Souls-Prinzip mögen, Spaß daran haben, durch Geduld und eine scharfe Beobachtungsgabe eine feindselige Welt nach und nach zuerst zu verstehen und sich dann unterlegen zu machen. Dann allerdings ist es faszinierend zu erleben, wie ein Spiel mit blockiger Grafik und absurder Prämisse einen ähnlichen Sog, eine ähnliche Immersion entwickeln kann wie die grafisch umwerfende Welt der Dark-Souls-Spiele. Die Prämisse und der Look mögen euch zunächst abschrecken, aber glaubt mir: Wenn ihr ein paar Levels hinter euch habt, macht plötzlich alles Sinn. Selbst die ungelenke Steuerung offenbart sich irgendwann als ein wichtiges Mittel gegen Frustration, denn wenn die tollpatschige Spielfigur wie in einem Cartoon beim Umdrehen alles einreißt, kann man nicht anders, als über die hohe Schwierigkeit zu lachen statt zu verzweifeln. Wer ein Bisschen Zeit mit Stephen’s Sausage Roll verbracht hat, für den ist Würstchen korrekt zu grillen plötzlich die wichtigste und anspruchsvollste Aufgabe der Welt – aber auch die befriedigendste.

Stephen's Sausage Roll
Entwickler: increpare games
Preis: 27,99 €

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