Wahrheit und Kreativität bestimmen Webvideopreis 2012

Bereits am Samstag Abend wurden die Gewinner des diesjährigen Webvideopreises gekürt, deren filmisch festgehaltenen Ergüsse besonders durch den Wunsch nach Wahrheit und die Lust auf Kreativität geprägt zu sein scheinen. Außer je einem Jury- und einem Publikumspreis in allen acht Kategorien gab es vor allen Dingen zwei Hauptgewinne für “die besten Webvideos 2012 überhaupt” zu verteilen, die Gronkh und der ORF abgesahnt haben.

Wahrheit und Kreativität bestimmen Webvideopreis 2012

Die Aufteilung in Jurypreis und Publikumspreis ist prinzipiell ja keine schlechte Idee, offenbart aber auch die Unterschiede in den Vorlieben der “Professionellen” und der “normalen Zuschauer”. Den Jurypreisen merkt man insgesamt mehr Ernsthaftigkeit an, in den entsprechenden Kategorien haben aber auch die Jurymitglieder einen guten Humorgeschmack bewiesen. Die Videos, die den Zuschauerpreis bekommen haben spiegeln zum Einen den Zeitgeist beziehungsweise die aktuelle Mode wieder (beispielsweise hat Gronkh auch in der Kategorie “Let´s Play” gewonnen) und sind insgesamt einfach ein bisschen alberner.

Ernsthaft gut
In der Kategorie FAQ/RTFM haben meiner Meinung nach aber die Zuschauer das bessere Video zum Sieger erkoren. In diesem erläutert Klaus Kauker, eventuell bekannt von Fernsehkritik.tv und seit etwa 10 Tagen auch in meiner YT-Aboliste, die Besonderheiten eines Lena-Songs für Baku. Das mag für viele nichts Besonderes sein, das in dieser Kategorie von der Jury erwählte Video von “explainity” über die amerikanischen Ratingagenturen beziehungsweise deren Anteil an der Finanzkrise stellt die Umstände jedoch zu verkürzt und teils unkorrekt dar, als dass es hätte besser sein können, als Klaus´ Video. Das Stichwort “fiat money” zu googlen führt da sicher eher zum Ziel, als den Ratingagenturen einfach die Schuld in die Schuhe zu schieben, aber das nur am Rande.

Die Jury hat aber auch noch andere, ernste Videos belohnt, was eben auch das Webvideo des Jahres zeigt, bei dem es sich um das mittlerweile wohl recht bekannte Protestvideo des ORF handelt. In der Kategorie FYI haben die erwählten Erwähler ein weiteres Video zum Thema Wirtschaft nach vorn gewählt. Die Story über eine ehemalige Lebensmittelspekulantin, der irgendwann ein Licht aufging, dass wegen ihr in Afrika die Kinder sterben, tut schon ein bisschen weh, gehört aber an diesen Platz! Allerdings äußere ich jetzt mal die Vermutung, dass der Film zumindest nicht aus 2012 stammen kann, denn ich kenne diesen schon länger.

The Winner is:

In den Kategorien IMHO und AAA waren sich Publikum und Jury offenbar einig und entschieden sich – erneut – für das ORF-Protestvideo sowie für einen sehr kreativen Film aus der Profi-Videoschmiede dENIZEN, das in tagelanger Kleinarbeit einen tollen Lichteffekt auf Video gebannt hatte. Zum Zurücklehnen und genießen:

Ist das lustig?
Nur schwer nachvollziehbar finde ich die Entscheidung für das GTA5 Real-life-Video, das das Publikum zum Video des Jahres erklärte. Dieses ist zwar “nicht schlecht”, aber mehr auch nicht. Am Ende wird beispielsweise ziemlich lange eine Kamerafahrt hinter einem Auto her gezeigt; eine langweilige Szene die bei den Wählern nur angekommen sein kann, weil die Gronkh-Stimme darauf spricht. Am wenigsten lustig fand ich allerdings beide Gewinner der Kategorie LOL, was paradox erscheinen mag. LOL-Videos sind aber meistens ziemlich albern, so wie die Gewinnerfilme dieser Kategorie eben auch, was ich nunmal eher nicht so mag.
Leider haben mir auch die Newbie-Videos nicht so gefallen, aber auch da möge sich ein jeder seine eigene Meinung bilden.

Die meisten Lacher haben bei mir der “Bollywood Moviestar“, der Minecraft Dance “Kohle Metal” und die beiden Jungs mit dem “Tischdeckentrick“, der nie klappt, ausgelöst. Allermindestens sehenswert ist aber auch der letzte, hier noch nicht genannte Gewinner: in der Kategorie FYI wählten die Zuschauer eine semiprofessionelle Doku über die Risiken und Nebenwirkungen von DSDS und anderen Klischee- und Menschen-verwurstenden Sendungen an die Spitze: Mad World.

Das politisch brisanteste Video, das Protestvideo des ORF, hat zwar den Hauptpreis gewonnen, geht in der umfassenden Auswahl aber schon fast wieder unter. Die Aktion war sicher beispiellos und – Journalismus- und Zivilcourage-Auszeichnungen werden vermutlich folgen – hoffentlich beispielgebend. Sinnvoll war sie allemal, denn der fragliche Posten wurde umbesetzt.
Soweit meine Meinung nach einem TV-losen Abend mit den Gewinnervideos, aber wie ist Deine Meinung? Welches Video fandest Du am besten, welches eher schlecht? Schreibt es uns in die Kommentare!

Gronkh

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