Der Fall Pofalla: Ein großartiger Troll, oder? Nicht? Doch?

Jens Herforth
17

Im Internet machte in den letzten Stunden vor allem ein Thema die Runde: Ronald Pofalla (Ex-Kanzleramtsminister) soll in den Vorstand der deutschen Bahn. FAZ, Spiegel Online, Radio, ja selbst die Tagesschau hatte die Meldung gebracht und bezog sich immer wieder auf “gut unterrichtete Kreise in Berlin”, eigene Quellen oder gar keine Angabe. Plötzlich stand etwas ganz anderes im Raum: Hat der Postillon die Meldung nur erfunden?

Der Fall Pofalla: Ein großartiger Troll, oder? Nicht? Doch?

Für die Leser, die den Postillon nicht kennen, man liest dort so Meldungen wie “Köln richtet erste Seniorenklappe ein” oder “Edward Snowden nicht reicht und kriminell genug um…” oder auch “98 Prozent aller Hacker tragen keine Skimasken am Rechner”. Die Satire-Seite glänzt mit grandios schlimmen Ideen, die von einigen Lesern immer wieder für bare Münze gehalten werden. Auf der Facebook Seite vom Postillon werden immer wieder Kommentare von Lesern gepostet, die anscheinend nicht realisiert haben, dass der Postillon keine wahren Themen behandelt.

Der Pofalla-Hoax

Jetzt kommt es dicke: Während alle Welt von der doch sehr komischen Meldung “Pofalla geht zur Deutschen Bahn” erfährt, erstellt der Postillon einen Artikel mit eben diesem Inhalt am 02.01.2014 und datiert diesen auf Mittwoch, den 01.01.2014, zurück, um als erster, also als Quelle dieser Meldung zu gelten.

Die Verwirrung ist komplett, als man erneut auf der Facebook Seite die Reaktionen der Internetgemeinde spiegelt. Plötzlich sieht es so aus, als wären die Qualitätsjournalisten auf den Postillon reingefallen und hätten die Meldung nicht geprüft, noch immer glaube viele, dass der Postillon auf die Idee kam.

So macht ihr euer Internet wieder flott

Wie kann sowas passieren?

Das ist eigentlich ganz einfach: Viele “Qualitätsjournalisten” der etablierten Medien geben keine genauen Quellen an. Natürlich gibt es immer mal wieder Ausnahmen, doch die bestätigen oft eher die Regel. Als Quelle steht oft nur “Name der eigenen Redaktion” oder “Internet” oder sonstiges da. So ist es natürlich schwer nachzuvollziehen woher die Meldung kommt.

Außerdem ist die Aussage, dass ein Ex-Kanzleramtsminister in den Vorstand der deutschen Bahn wechselt, nun ja, schon fast viel zu gute Satire um es nicht auszunutzen.

Besten Dank an Lars von AllAboutSamsung der mich auch erst auf den Wink gebracht hatte, denn die Kommentare des Artikel sind gegen 23:30 Uhr im Höchstfall fünf Stunden alt gewesen und auch über diverse WayBack Lösungen aus dem Internet habe ich keine ältere Version der Postillon-Pofalla Meldung gefunden. Chapeau!

Was lernen wir daraus?

Während viele, und da schließe ich mich mit ein, direkt auf die unqualifizierten Qualitätsmedien herumhackten, lachte sich der Chefredakteur Stefan Sichermann ganz bestimmt ins Fäustchen und nutzte die Gunst der Stunde um die Internet-Landschaft an der Nase herum zu führen. Vielleicht sollten wir nicht sofort alles immer hinnehmen, selbst eine Satireseite kann mal die Wahrheit schreiben.

TL;DR

Die DPA hat die Pofalla Meldung zuerst am Donnerstag gebracht, der Postillon hat sie danach aufgesetzt und auf Mittwoch zurück datiert. Plötzlich glaubten alle, dass die Meldung ein Hoax sei, da der Postillon sie ja “anscheinend” schon vorher brachte.

Artikelbild via Shutterstock
bearbeitet von Jens Herforth

Umfrage wird geladen
Umfrage: Seid ihr mit eurer verfügbaren Bandbreite zufrieden?
Welche Bandbreite steht dir zur Verfügung?
Hat dir "Der Fall Pofalla: Ein großartiger Troll, oder? Nicht? Doch?" von Jens Herforth gefallen? Schreib es uns in die Kommentare oder teile den Artikel. Wir freuen uns auf deine Meinung - und natürlich darfst du uns gerne auf Facebook, Twitter oder Google+ folgen.

Neue Artikel von GIGA ANDROID