Internetanbieter wechseln: Tipps & Kündigungsrecht

Marco Kratzenberg

Angesichts ständig neuer Angebote und fallender Preise möchten viele den Internetanbieter wechseln. Aber geht das so einfach? Wann greift ein eventuelles Sonderkündigungsrecht und wie findet man einen guten Anbieter? Unsere Tipps...

Die schlechte Nachricht gleich zu Anfang: Man kann nicht einfach mitten im laufenden Vertrag den Internetanbieter wechseln und einen neuen Vertrag abschließen. Auch das Sonderkündigungsrecht hilft hier in den wenigsten Fällen. Der ursprüngliche Anbieter muss sich schon wiederholter Vertragsverletzungen schuldig gemacht haben oder den Vertrag einseitig ändern wollen. Das trifft beispielsweise zu, wenn ein ISDN-Anschluss in einen IP-Anschluss geändert werden soll oder plötzlich die Preise erhöht werden.Ein Sonderkündigungsrecht habt ihr aber nicht bei einem Umzug, wenn der Anbieter am neuen Wohnort vergleichbare Leistungen anbietet. Kann er das allerdings nicht, dann kommt ihr meist aus dem Vertrag. Bevor ihr also einen Wechsel des Internetanbieters in Betracht zieht, sollte der aktuelle Vertrag eine nicht mehr allzu lange Laufzeit haben.

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Erst kündigen und dann den Internetanbieter wechseln?

Es ist technisch problematisch und finanziell wenig sinnvoll, während eines laufenden Vertrags zu einem anderen Internetanbieter zu wechseln. Denn in den meisten Fällen hängt daran auch ein Telefonvertrag und der alte Anbieter rückt während der Vertragslaufzeit die Telefonnummern nicht heraus. Außerdem scheitert es oft genug an freien Leitungen oder DSL-Ports. Davon abgesehen habt ihr nichts gewonnen, wenn ihr zwei Verträge gleichzeitig zahlen müsst!

Wenn ihr den Internetanbieter wechseln wollt, ist die richtige Reihenfolge wichtig:

  1. Kündigungsfrist des aktuellen Vertrags herausfinden und beachten. Erstverträge laufen in der Regel über zwei Jahre. Wird nicht vor Ablauf der Kündigungsfrist gekündigt, verlängern sie sich um ein Jahr. Bei der Telekom muss der Vertrag beispielsweise drei Monate vor Vertragsende gekündigt werden.
  2. Vorlaufzeit einplanen: Vom Moment eines Vertragsabschlusses bis zur Freischaltung von Telefon und Internet können viele Wochen vergehen. Die beiden Anbieter müssen untereinander Übernahmemodalitäten klären. In den meisten Fällen gehören die Leitungen der Telekom und die braucht auch Zeit für die Umschaltung.
  3. Neuen Anbieter kündigen lassen: Viele Experten und Foren-Nutzer empfehlen, dass man nach Möglichkeit den neuen Anbieter die Kündigung des alten Vertrags übernehmen lassen sollte. So könnt ihr den Internetanbieter wechseln und die beiden Anbieter klären untereinander das Übergangs-Prozedere. Allerdings müsst ihr einerseits die AGB des alten Anbieters daraufhin untersuchen, ob er eine persönliche Kündigung verlangt und andererseits benötigt der neue Anbieter eine rechtsgültige Vollmacht von euch.

Manchmal ist nicht einmal ein Anbieterwechsel notwendig. Wollt ihr beim selben Anbieter einen Vertragswechsel vornehmen, dann sperrt er sich in der Regel nicht gegen die Kündigungsfristen – zumindest dann, wenn er in irgendeiner Weise einen Vorteil dabei hat. Meist beginnt mit dem Wechsel nämlich wieder ein zweijähriger Erstvertrag. Das solltet ihr bedenken. Trotzdem findet man nicht selten heraus, dass sich im Laufe der letzten Jahre die Konditionen beim eigenen Anbieter deutlich geändert haben und dass man jetzt mehr fürs gleiche Geld oder sogar für weniger bekommt. Vor einem Anbieterwechsel guckt doch mal, ob nicht ein Vertragswechsel infrage kommt.

Tipp: Vorher recherchieren und Bewertungen lesen!

Ein Preiskampf wird immer irgendwelche Opfer haben. Damit ihr das nicht seid, solltet ihr euch vor dem Wechsel zu einem neuen Internetanbieter dessen Reputation ansehen. Wie wird er in Foren bewertet? Was sagt man über die Zuverlässigkeit und den Support? Gibt es häufig Störungen und wie geht er damit um? Derzeit sind einige Unternehmen wieder auf Werbetour und bieten euch einen 400-Mbit-Glasfaseranschluss zum Preis eures alten Telefonanschlusses an. Liest man dann aber die Kundenbewertungen, stellt sich heraus, dass es ständig Leitungsstörungen gibt und der Support unerreichbar oder unverschämt ist. Also: Erst recherchieren – dann wechseln!

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Internetanbieter wechseln: Technische Änderungen?

In den meisten Fällen wollen die Kunden einen Internetanbieter wechseln, um entweder günstigere Preise oder mehr Leistung zu bekommen. Und häufig vergessen sie dabei, dass damit auch technische Änderungen auf sie zukommen. Das fängt schon damit an, dass man oft den alten Router zurückgeben muss. Also muss ein neuer Router eingerichtet werden und alle wichtigen Einstellungen, WLAN-Passwörter und Telefonsperren sind weg.

Nehmt euch die Zeit, wirklich wichtige Einstellungen zu notieren und überlegt, welche Konsequenzen sich daraus eventuell für angeschlossene Geräte ergeben. Smart-TV oder der Kindle Fire TV Stick müssen neu verbunden werden. Webcams und Alarmanlagen benötigen neue Zugangsdaten. Im Grunde muss das ganze Netzwerk berücksichtigt werden.

Ihr solltet die angebotene Hardware des neuen Anbieters auch dahingehend untersuchen, ob sie euren Ansprüchen gerecht wird. Wenn der neuen Router keine Telefonbuchsen für analoge Geräte bietet oder zu wenig Steckplätze für Netzwerkkabel hat, dann müsst ihr euch selbst um den Anschluss kümmern. Wenn der neuen Router eine zu schwache Sendeleistung hat, müsst ihr eventuell noch ein dLAN einrichten, um die Schwäche des WLAN zu umgehen.

Falls ihr jedoch einen eigenen Router besitzt oder anschaffen wollt, dann vergewissert euch, dass er den neuen Anforderungen gewachsen ist. Beherrscht er die Anmeldeprotokolle? Kann er Ports freigeben, damit ihr von außen eine Webcam erreicht? Entspricht er den Vorgaben, um gegebenenfalls eine neue, höhere Verbindungsgeschwindigkeit nutzen zu können? Zwar ist der Routerzwang Vergangenheit, aber manchmal empfiehlt es sich trotzdem, auf die Angebote des Internetanbieters zurückzugreifen, zu dem ihr wechseln wollt.

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