Switcher Stories: Die mit Dinosauriern und Fanboys (Sven)

Flavio Trillo
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Die meisten Mac-User haben mit Windows angefangen. Dann kam irgendwann der Moment, in dem sie sich sagten: „Es reicht! Ich will nicht mehr!“ So oder so ähnlich ging es auch uns und deshalb erzählen wir euch hier unsere ganz persönlichen „Switcher Stories“.

Switcher Stories: Die mit Dinosauriern und Fanboys (Sven)

Im dritten Teil unserer Mini-Serie bereitet Kollege Sven die Historie seines Wechsels vom Windows-PC zum Mac auf. Eine Wir wollen aber auch hören, welcher Moment bei euch den Ausschlag gegeben hat. Wann und warum habt ihr PCs abgeschworen? Schreibt es in die Kommentare!

Switcher-Story #3: Svens Auszug aus dem Bauernstaat

Als Kind der DDR waren Computer für mich und meine Altersgenossen in den achtziger Jahren exotische Ware – quasi die „Banane der Unterhaltungselektronik“. Zwar rühmte sich der sozialistische Arbeiter- und Bauernstaat mit einer eigenen Halbleiterindustrie, in der Praxis jedoch waren die Rechenknechte in erster Linie für Industrie und Verwaltung bestimmt. So gab es damals nur ein kurzes Intermezzo mit einem Robotron KC 87, an das ich mich noch erinnern kann. Die Bedienung rudimentär, gespeichert wurde auf einem Kassettenrecorder.

Später, nachdem David Hasselhoff erfolgreich die Mauer zum Einsturz brachte, wurden diese Erfahrungen im Informatikunterricht vertieft. Gearbeitet wurde an PCs mit bernsteinfarbenen Monitoren und MS DOS – keine Verbesserung in der Bedienung zum Zonen-Heimcomputer KC 87. Man stelle sich vor: Es galt noch immer abstrakte Textbefehle einzugeben.

Das Interesse an Computern war geweckt, stieß in der Realität jedoch auf DIR, MD CUNO und COPY C:TEXTEKAP1.TXT A – was ein Spaß. Nicht wirklich. Die Lösung? Man munkelte, es gab so etwas wie Rechenmaschinen mit grafischer Benutzeroberfläche – Atari, Amiga und Apple. Besonders der relativ günstige Amiga 500 entwickelte sich unter den Mitschülern zum echten Renner. Leider durfte ich mein Sparbuch dafür nicht auf den Kopf hauen. Papa – handwerklich ein Meister, technisch jedoch unbedarft – wusste es unterbewusst besser und meinte salopp: Kauf dir später etwas Richtiges, kein Spielcomputer!

Der Preisvergleich in diversen Flyern der damaligen Zeit (Stichpunkt: ESCOM) zeigte mir den Mac als mögliche, „richtige“ Alternative auf. Sah anders aus und brillierte mit einer einfachen Bedienung – so die Beschreibung. Nach meinem Abitur und in Vorbereitung auf mein Studium sprang ich ins kalte Wasser und kaufte mir meinen ersten Mac. Ein Risiko, denn andere Mac-Nutzer kannte ich damals noch nicht. Als „Sicherungsnetz“ hinsichtlich erweiterter Kompatibilität entschied ich mich für den Performa 630 DOS Compatible. Neben einem 68K-Prozessor werkelte gleichfalls ein 486er von Intel auf einer speziellen Tochterkarte im Mac – beide teilten sich die Festplatte und den Rest der Technik. In der Praxis besaß man so zwei Rechner mit zwei Betriebssystemen in einem Gehäuse, umgeschaltet wurde per Tastenbefehl. Am Ende verstaubte jedoch die PC-Karte, denn Mac OS mit seiner kinderleichten Bedienung hatte mich endgültig in den Bann gezogen.

Seitdem blieb ich dem Mac treu, aus Interesse wurde schließlich Leidenschaft. Doch es bedurfte Charakterstärke. Im Studentenwohnheim war ich tatsächlich der einzige Mac-Nutzer. Von jedem ungläubig staunenden Kommilitonen erhielt ich ungefragt Beileidsbekundungen. Immerhin „war Apple ja tot“. So und nicht anders wird man zum echten Fanboy. Gestärkt durch den Hohn der Außenwelt. Heutzutage auf der Erfolgswelle Apples mitschwimmen ist dagegen nur noch opportun, nicht mutig.

Es hat sich ausgezahlt: Am Ende sollte der Mac meine gesamte berufliche Karriere bestimmen. Das Jura-Studium hing ich an den Nagel. Wechselte in die New Economy und wurde dank meines Apple-Enthusiasmus der erste Produktmanager bei (1999). Auch meine heutige Tätigkeit bei GIGA Apple (ehemals macnews.de) ist ohne meine damalige Entscheidung für den Mac nicht vorstellbar – faszinierend.

In Teil 4 unser Switcher-Stories beichten Android-Redakteure, wie ihre Windows-Rechner sie zur Weißglut — und letztlich zu Apple brachten. In Teil 2 lest ihr von Juliens Werdegang und seinen großen Plänen für den kleinen Mac.

Weitere Themen: OS X Yosemite