Heute im Kino, in 14 Tagen bei iTunes: Filmstudios schwenken um

Florian Matthey
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Wird es Kinofilme bald schon zwei Wochen nach dem Kinostart bei iTunes und anderen Portalen geben? Apple und einige Filmstudios versuchen, entsprechende Deals zu erreichen – notfalls gegen den Willen der Kinobetreiber.

Heute im Kino, in 14 Tagen bei iTunes: Filmstudios schwenken um

Wie wäre es, für den jüngsten Blockbuster-Film nicht ins Kino gehen zu müssen, sondern ihn schon nach einigen Tagen im Wohnzimmer sehen zu können? Einige Filmstudios, Apple und der US-Kabelfernsehenbetreiber Comcast meinen offenbar, dass sich so Umsätze mit Filmen steigern ließen. Schon Ende letzten Jahres machte die Meldung die Runde, dass Apple Filme kurz nach dem Kinostart verleihen oder verkaufen möchte.

Wenig überraschend gibt es aber eine Interessengruppe, die sich gegen eine entsprechende Neuerung der Verträge wehrt: die Kinobetreiber. Bisher erscheinen Filme erst einige Monate nach dem Kinostart in Download- und Streaming-Portalen oder auf DVD und Blu-ray. Diese Exklusivität lassen sich die Kinobetreiber vertraglich garantieren. Allerdings sind gerade mit DVDs und Blu-rays die Umsätze in der jüngeren Vergangenheit immer weiter gesunken – was bereits dazu geführt hat, dass der Zeitraum der Kino-Exklusivität entsprechend geschrumpft ist.

Laut Bloomberg spielen einige Filmstudios jetzt mit dem Gedanken, endgültig umzuschwenken und einfach direkt Verträge mit Apple, Comcast und Co. zu schließen, ohne sich Vorher den Segen der Kinobetreiber einzuholen. Die Rede ist von Preisen zwischen 30 und 50 US-Dollar für jeden Film – abhängig davon, ob die Veröffentlichung erst sechs oder schon zwei Wochen nach Kinostart erfolgen würde. Einige der größten Filmstudios, darunter Warner Bros. und Universal Pictures, seien dazu bereit, die Kinobetreiber außen vor zu lassen.

Warner Brothers steht beispielsweise mit Justice League in den Startlöchern, der Film soll in Deutschland im November in den Kinos anlaufen:

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JUSTICE LEAGUE - Trailer #3 (2017)

Allerdings bestünde dann die Gefahr, dass die Kinobetreiber ihrerseits einige Filmstudios boykottieren – so dass fürs Kino konzipierte Filme dann vielleicht gar nicht mehr im Kino zu sehen wären. Außerdem sind sich die Filmstudios in ihren Vorstellungen nicht einig – um kartellrechtlichen Konsequenzen zu umgehen, verhandeln sie nicht gemeinsam.

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Bedienung des Apple TV mit Siri Remote

Vor allem ein Studio hat offenbar kein Interesse daran, sich mit Kinobetreibern anzulegen: Walt Disney. Die in den letzten Jahren immer größer und mächtiger gewordene Filmschmiede meint, dass die eigenen Filme immer noch am besten auf der Kinoleinwand wirken. Hinzu kommt, dass Disney auch in Sachen Filmvertrieb übers Internet eigene Sachen machen will – und kürzlich sogar verkündet hat, sich von Netflix verabschieden zu wollen, um selbst einen Disney-Streamingdienst zu starten.

Wie immer bei Verhandlungen zwischen Rechteinhabern und Portal-Betreibern stellt sich die Frage, ob sich Neuerungen in den USA auch auf andere Länder auswirken werden. Ein Detail der Bloomberg-Informationen ist hier besonders interessant: Offenbar spielen die Studios auch mit dem Gedanken, frühere Veröffentlichungen zuerst in Ländern außerhalb der USA zu testen. Mit etwas Glück werden wir also vor den amerikanischen Kunden von dieser Neuerung profitieren.

Quelle: Bloomberg via Mac Rumors