Der Jailbreak ist tot und das ist gut so [Kommentar]

Ben Miller
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Der Jailbreak ist tot. Schuld daran ist nicht Apple, sondern die Jailbreak-Gemeinde selbst.

Der Jailbreak ist tot und das ist gut so [Kommentar]

Ich hatte gestern einen Artikel zum Thema Jailbreak geschrieben und nach kurzer Zeit wieder offline genommen. Es war bei Weitem nicht mein bester Artikel. Er war wirr und ohne wirkliche Aussage. Grund dafür war, dass ich schon seit längerer Zeit dem Thema Jailbreak sehr kritisch gegenüberstehe. Ich bin hin und hergerissen, obwohl oder gerade weil ich mich mit diesem Thema schon seit 2008 intensiv beschäftige. Ich hatte damals mein eigenes Blog gestartet, weil ich anderen iPhone-Nutzern zeigen wollte, wie ein iPhone-Jailbreak funktioniert und was er alles ermöglicht.

Doch die Jailbreak-Community ist heute einfach nicht mehr das, was sie einmal war. Sie ist nicht das, was sie sein sollte. Sie hat sich in den letzten Jahren stark verändert – zum Schlechteren, wie ich leider anmerken muss.

Über die Jahre habe ich einige Jailbreak-Nutzer flüchtig kennengelernt, meist, wenn sie mich persönlich angeschrieben haben, um Hilfestellung für einen Jailbreak oder Infos zu einer Funktion zu bekommen. Ich bin immer noch erstaunt, wie breitgefächert die Jailbreak-Nutzerschaft ist. Von Jung bis Alt ist alles dabei. Und ich bin ebenso erstaunt und enttäuscht, aus welchen Gründen die Meisten ihre Geräte jailbreaken.

Es geht schon lange nicht mehr um das Entfesseln von schlummerndem Potenzial in Apples mobilem Betriebssystem, sondern schlicht und ergreifend um gecrackte Apps. Für die große Mehrheit zumindest. Und diese Mehrheit ist gierig, ungeduldig und undankbar. Nicht mir gegenüber, mich kümmert das nicht, sondern den App- und Jailbreak-Entwicklern gegenüber. Das ist auch einer der Gründe, warum das iPhone Dev Team vor einiger Zeit die Jailbreak-Entwicklung an den Nagel gehängt hat.

iOS 10: Inspirationsquelle Jailbreak? (12 Beispiele) GIGA Bilderstrecke iOS 10: Inspirationsquelle Jailbreak? (12 Beispiele)

Faule Ausreden

„Man wolle Apps vor dem Kauf testen“, ist nur eine faule Ausrede. Man kann sich auch nicht durch die Supermarkt-Regale probieren und dann das, was einem schmeckt, in den Korb packen. Diese Ausrede kommt genau von solchen Usern, die von vornherein gar kein Geld ausgeben wollen, obwohl es in den meisten Fällen um Cent- oder maximal einstellige Euro-Beträge geht.

Wenn es von einer App keine „Lite“-Version gibt, aber man keine Katze im Sack kaufen will, kauft man die App halt nicht. So einfach ist das. Wenn man konstruktiv sein will, könnte man den jeweiligen Entwickler auch kontaktieren und das Problem erläutern. Und wenn man dann doch eine App kauft, sie aber nicht funktioniert, dann kann man vom Rückgaberecht für digitale Güter Gebrauch machen. Das weiß man aber natürlich nur, wenn sich schon mal mit dem Gedanken befasst hat, Geld gegen digitale Waren einzutauschen.

Aber da ist ja schon das nächste Problem. Es gibt wenig überraschend Nutzer, die dieses Rückgabesystem missbrauchen und sich dann lauthals aufregen, dass Apple ihre Rechte beschneide.

ohcomeon

Diese App-Schmarotzer sind übrigens nicht nur jüngeren Semesters. Darunter gibt es beispielsweise auch gestandene Unternehmer, die mit ihrem deutschen Luxus-Geländewagen durch die Großstadt pendeln, aber keine 2 Euro für eine App ausgeben wollen. Jep, habe ich auch kennengelernt.

Apps haben für viele User leider keinen Wert mehr. Dass auch hinter einem fingernagelgroßen Icon viel Arbeit stecken kann, ist den meisten Usern entweder nicht bewusst, oder es ist ihnen egal.

Ich will zu diesem Werteverfall nicht beitragen. Ich will keinen Jailbreak unterstützen und promoten, der nur entwickelt wurde, um gecrackte Apps auf gejailbreakte Geräte zu verteilen. Denn genau das ist die Motivation hinter TaiG, PP und Pangu. Diese Jailbreaks und die chinesischen Entwickler-Teams dahinter werden von dubiosen Typen finanziert, die ein Geschäft aus gecrackten App-Store-Applikationen machen.

Ich finde es sehr schade, dass die vielen Jailbreak-Tweaks und -Modifikationen, die ich unter anderem hier auf GIGA Apple vorgestellt habe, keine Zukunft haben werden, weil Apple mit iOS 9 einfach gezwungen wird mit aller Macht gegen den Jailbreak vorzugehen. Viele der Entwickler hinter diesen Tweaks habe ich in den vergangenen Jahren auf den WWDCs und der JailbreakCon persönlich kennengelernt. Diese „wahre Jailbreak-Gemeinde“ bleibt in Apples Kampf gegen gecrackte Apps als Kollateralschaden auf der Strecke.

Don't kill the jailbreak, don't use cracked apps

Die Jailbreak-Nutzerschaft hat den Tod des Jailbreaks selbst zu verschulden. Bereits 2009 habe ich damals noch auf benm.at versucht, die Jailbreak-Gemeinde davon zu überzeugen, dass gecrackte Apps den Tod des Jailbreaks bedeuten. Ohne Erfolg. Jetzt ist es so weit. Ich brauche keinen Jailbreak mehr. Ich kann auf ihn verzichten, wenn er aus solch dubiosen Quellen kommt. Deshalb gehen mir TaiG, PP, Pangu und Co. auch am Allerwertesten vorbei und das sollten sie auch euch.

Weitere Themen: TaiG, Pangu8, OpenJailbreak, WWJC, evasi0n, Muscle Nerd