iPhone 3G: Mein erster Jailbreak

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Eine traurige Wahrheit: Als Nutzer eines iPhone 3G verschließen sich mir diverse Neuerungen der letzten Jahre. Der Oldtimer unter den Apple-Smartphones versteht sich maximal auf iOS 4.2.1. Und selbst von dieser Version nutzt das iPhone nur einen Bruchteil der Funktionen – eine verlorene Generation. Kurzum, mein alter Plastebomber sitzt gefangen im Update-Keller – Zeit für einen Ausbruch?

iPhone 3G: Mein erster Jailbreak

Vorgedanken zum Jailbreak: Soll ich es wagen?

Für Apple ist die Sachlage klar: Ein Jailbreak birgt nur Gefahren. Diverse Instabilitäten, Sicherheitslücken, verkürzte Batterielaufzeiten und Totalausfälle müssten zwangsläufig in Kauf genommen werden. Der Verlust der Werksgarantie bei unautorisierten Änderungen ist da nur konsequent. Doch illegal ist ein solches Unternehmen derzeit nicht, zumindest in den USA. Die Entscheidung der Library of Congress (LOC) aus dem Jahre 2010 ist da eindeutig in ihrer Aussage. In Deutschland gibt es dagegen noch keine derartige Rechtsgrundlage. Allerdings dürfte nach herrschender Ansicht ein Jailbreak, der ausschließlich zum privaten Gebrauch gedacht ist, ebenso unproblematisch sein und keine strafrechtliche Verfolgung nach sich ziehen.

Die juristische Sachlage hilft mir allerdings herzlich wenig bei meiner privaten Entscheidung. Soll ich es wagen, aus dem „Walled Garden“ Apples auszubrechen und die mit Freiheit getränkte Luft des Jailbreaks einatmen?

Letztlich übernimmt der Hersteller die Beantwortung dieser Frage für mich. Wie eingangs erwähnt, gehört mein iPhone 3G zum alten Eisen. Updates gibt es keine mehr. Für mein Gerät ist das Rennen zwischen Hase und Igel, Apple und der Jailbreak-Community, beendet. Letztere gewinnt durch freiwilligen Verzicht der Obstbauern. Desgleichen ist die Garantie schon längst erloschen.

In einem Moment der Furchtlosigkeit werfe ich alle technischen Bedenken über Bord. Es gibt kein Halten mehr. Ich wage den Schritt und verhelfe meinem iPhone zum Ausbruch, meine Entscheidung steht fest.

Ausbruchsplan: Ich schreite zur Tat

Ein Mysterium ist ein Jailbreak heutzutage sicherlich nicht mehr, Herrschaftswissen nicht notwendig. In wenigen, leicht nachvollziehbaren Schritten werde ich meinen Plan vollenden können. Vorab sei jedoch erwähnt, dass der Ausbruchshelfer Grundkenntnisse der englischen Sprache beherrschen sollte – Deutsch gehört nicht unbedingt zum Sprachschatz der Jailbreak-Szene.

Im ersten Schritt sei dem wagemutigen Anwender ein Backup seines iPhones nahegelegt. Empfohlen wird ferner im Anschluss eine Löschung (Wiederherstellung) des iPhones – hierfür die unten erwähnte Firmware nutzen. Ganz mutige Zeitgenossen wie unsereins überspringen diesen Ratschlag und bügeln den Jailbreak einfach über ihr bestehendes System. Übrigens: Es versteht sich von selbst, dass das iPhone 3G die letzte, aktuelle iOS-Version (4.2.1) benötigt.

Für den weiteren Fortgang braucht es dann das eigentliche Jailbreak-Tool. In meinem Fall redsn0w, ein untethered Jailbreak mit greenpois0n (nicht kabelgebunden) ist mit dem „alten Schinken“ leider nicht möglich. Meint, während des Jailbreak-Prozesses muss das iPhone zwangsweise per Dock-Connector-Kabel mit dem Rechner verbunden sein. Ferner benötigen wir noch die letzte Firmware (iOS 4.2.1) des iPhone 3G – zu finden bei uns im Download-Bereich.

Jetzt geht's los: redsn0w starten. Im ersten Fenster wählen wir den Standort der zuvor runtergeladenen Firmware – wir klicken im Anschluss auf „Next“. Nun bietet mir redsn0w jede Menge Optionen zur Installation an, unter anderem auch Cydia (den „Jailbreak App Store“) sowie die Möglichkeit, Multitasking auf dem 3G freizuschalten. Ich wähle natürlich nur die selbsterklärenden Check-Boxen an – wir klicken erneut auf „Next“.

Jetzt gilt es, das iPhone auszuschalten und in den DFU-Modus zu versetzten. Wuhaaa...klingt schon mal sehr geekig. Und in der Tat, beim ersten Anlauf gelingt mir dies nicht. Was ist zu tun? Kurz für einige Sekunden den Power-Button drücken danach ca. 10 Sekunden Home- und Power-Button gleichzeitig betätigen. Jetzt lassen wir den Power-Button und los und halten für weitere 10 Sekunden allein den Home-Button gedrückt. Hat man dieses Finger-Twister hinter sich gebracht, spielt redsn0w die Daten ein, der Jailbreak wir vorgenommen – voilà.

Wer zuvor die Daten seines iPhones gelöscht hat, kann nach diesem Prozess das Backup auf altbewährte Art und Weise einspielen.

Gruß aus der Freiheit: Erfahrungswerte

Es ist vollbracht, vor mir liegt nun ein befreites iPhone 3G. Auf den ersten Blick unterscheidet es sich nicht wirklich vom vorherigen Zustand. Halt: Der Blick auf die Details verrät die Operation. Rechts oben in der Statusbar findet sich nun eine prozentuale Anzeige meiner Batteriekapazität – Wahnsinn! Für all die Jungbunde ab iPhone 3GS eine Selbstverständlichkeit, für 3G-Nutzer eine kleine Revolution. Des Weiteren wich der schwarze Home-Screen einem Hintergrundbild. Unglaublich, ich darf jetzt auch meinen „Desktop“ verschönern. Der Doppelklick auf den Home-Button ermöglicht mir zudem Multitasking, die direkte iPod-Steuerung und die Sperrung der Ausrichtung. Wer braucht da noch ein iPhone 3GS?

Auf dem Home-Screen abgelegt wurde derweil Cydia – der App Store für Jailbreaker. Hier sollen mich noch weitere Apps und Tweats (Erweiterungen) erwarten, von denen ich bisher nicht zu träumen wagte – viele kostenfrei, einige gegen Bezahlung. Doch zuvor muss ich Cydia aktualisieren, doch wie? Einfach im unteren Menübereich auf „Änderungen“ gehen und schon bietet mir Cydia ein beziehungsweise mehrere Updates an. Danach lege ich los: probiere dieses, teste jenes.

Eine Auswahl an Paketen beziehungsweise Anwendungen, dich ich ab sofort nutze: Activator (erweiterte Gestensteuerung), SBSettings (Schnellzugriff auf Systemeinstellungen und Co), Five Icon Dock (wie der Name schon sagt: ab sofort finden fünf Apps Platz im Dock) und WinterBoard (alternative Themes, Lockscreens und vieles mehr).

Übrigens: Möchte man diese Pakete oder Apps wieder deinstallieren, muss man zunächst direkt über Cydia gehen („Verwalten“). Mit der Erweiterung CyDelete hingegen, löscht man diese direkt vom Home Screen wie eine normale App – sofern diese ein Icon hierauf abgelegt haben.

Der Ersteindruck ist positiv, doch wie zuverlässig arbeitet nun ein solch befreites iPhone? Eine verminderte Akkulaufzeit vermag ich nicht feststellen, auch sonst arbeitet alles recht zuverlässig. Probleme bereitet hingegen hin und wieder das Multitasking. Besonders viel Speicher hat das 3G ja nicht, insofern verständlich, dass Apple es offiziell nicht unterstützen mag. Im Resultat stürzt das Springboard (Home-Screen-Management) wohl vor allem deswegen gerne mal ab und startet auf Nachfrage neu.

Quintessenz: Freiheit obsiegt

Lohnt sich der Jailbreak? In meinem Fall definitiv. Das iPhone 3G erlebt noch mal einen zweiten Frühling und erhält hierdurch nützliche Zusatzfeatures. Freilich, die Zuverlässigkeit leidet ein wenig darunter und schneller wird es auch nicht. Tipp: Multitasking auf das nötigste beschränken und regelmäßig offene Apps beenden.

Nebenbei, mit whited00r existiert noch eine weitere Möglichkeit, den Funktionsumfang eines alten iPhone 3G um ein vielfaches zu erweiterten. Hierbei handelt es sich um eine eigene Firmware (mit iOS-5-Features) die ebenso einen Jailbreak und Cydia beinhaltet. Demnächst sicherlich auch einen Blick wert.

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Weitere Themen: iPhone 3G, WWJC, Muscle Nerd, evasi0n, OpenJailbreak


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