Abzocke mit teuren Handyanrufen: Bundesnetzagentur greift endlich durch

Selim Baykara

Das Telefon klingelt einmal, aber bevor ihr drangehen könnt, ist der Anrufer auch schon wieder weg. Bei dieser Masche handelt es sich um Telefonabzocke der schlimmsten Sorte. Geht es nach der Bundesnetzagentur könnte mit den sogenannten Ping-Anrufen aber bald Schluss sein.

Schaut euch hier an, mit welchen fiesen Tricks die Betrüger Nutzer im Internet abzocken:

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Abzocke am Telefon ist auch im Internet-Zeitalter noch gang und gäbe. In den letzten Jahren kann man sogar eine Zunahme von Betrugsversuchen beobachten: Vermutlich weil viele Nutzer bereitwillig ihre Daten im Netz preisgeben. Für Betrüger und windige Geschäftsleute ist es dadurch so einfach wie nie zuvor an Telefonnummern, E-Mail-Adressen oder die Anschrift zu gelangen.

Eine Masche, die man in der letzten Zeit vermehrt beobachten konnte: Unbekannte rufen an, hinterlassen die Nummer auf dem Display und legen gleich wieder auf. Allein im Oktober 2017 gab es über 30.000 Beschwerden von Verbrauchern. Die Bundesnetzagentur will diese sogenannten Ping- oder Lockanrufe daher ab Anfang nächstes Jahr erschweren.

Bundesnetzagentur stoppt Telefonabzocke

Um die teuren Rückrufe zu stoppen hat sich jetzt die Bundesnetzagentur eingeschaltet. Die Behörde will die Abzock-Masche ein für alle mal stoppen. Daher muss in Deutschland bis zum 15. Januar 2018 bei Verbindungen mit bestimmten internationalen Rufnummern eine kostenlose Bandansage laufen. Die Ansage soll über die anfallenden Kosten informieren und damit das „Geschäftsmodell mit der Abzocke unattraktiv machen“, so Jochen Homann, der Präsident der Bundesnetzagentur in der Pressemitteilung.

Die Mobilfunkbetreiber müssen die Verordnung bei diesen internationalen Nummern umsetzen:

  • Burundi (00257)
  • Tschad (00235)
  • Serbien (00381)
  • Seychellen (00248)
  • Tunesien (00216)
  • Elfenbeinküste (00225)
  • Guinea (00224)
  • Sudan (00249)
  • Marokko (00212)
  • Tansania (00255)
  • Benin (00229)
  • Mali (00223)
  • Uganda (00256)
  • Madagaskar (00261)
  • Albanien (00355)
  • Bosnien-Herzegowina (00387)
  • Somalia (00252)
  • Liberia (00231)
  • Malediven (00960)
  • Jemen (00967)
  • Mazedonien (00389)
  • Sierra Leone (00232)
  • Global Mobile Satellite System (00881)
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Ping-Anruf: Was ist das? Wie teuer ist das Telefonat?

Bei einem Ping-Anruf handelt es sich um einen Lockanruf. Ziel ist dabei nicht, dass ein Gespräch zustande kommt. Der einzige Zweck des Anrufs ist es, euch neugierig zu machen, sodass ihr schließlich zurückruft.

  • Die Anrufer klingeln in der Regel nur einmal bei euch durch und legen dann schnell auf.
  • Auf dem Display eures Handys seht ihr dann nur noch die fremde Nummer.
  • Viele Nutzer sind neugierig und rufen zurück, um zu erfahren, wer angerufen hat.

Genau das solltet ihr nicht machen!

Wenn ihr bei der angezeigten Telefonnummer anruft, werdet ihr mit einer extrem teuren Sonderrufnummer verbunden, die euch bis zu mehrere Euro pro Minute kosten kann. Der Trick besteht üblicherweise darin, dass ihr mit einer Warteschleife verbunden werdet und etwas Geduld haben sollt, bis man euch weiter verbindet.

Darauf könnt ihr natürlich lange warten – und wenn ihr irgendwann entnervt auflegt, seid ihr eine Menge Geld los. Das Geld für die Verbindungskosten geht dann an die Hintermänner. Diese Masche funktionierte in der Vergangenheit sehr gut, zuletzt etwa bei den zahlreichen Anrufen aus afrikanischen Ländern wie Burundi oder Tunesien. Für die Betrüger ist dabei natürlich nicht die individuelle Summe entscheidend, sondern die schiere Masse. Wenn man 100.000 Leute erreicht und jedem Opfer drei Euro durch eine Warteschleife abzockt, lohnt sich das durchaus. Das gilt vor allem, weil die Anrufe in der Regel vollautomatisch durchgeführt werden.

Woran erkennt man Ping- oder Lockanrufe?

Auch mit der Entscheidung der Bundesnetzagentur kann es aber weiterhin zu Ping-Anrufen kommen. Zumindest theoretisch, da die Betrüger auf Nummern ausweichen können, die noch nicht auf der Liste der Behörden stehen und bei denen keine Bandansage obligatorisch ist. Deshalb solltet ihr auch in Zukunft gut aufpassen. Mit den folgenden Tipps bekommt ihr einige Anhaltspunkte, die euch dabei helfen, einen möglichen Ping-Anruf zu identifizieren.

  • Wenn ihr wiederholt von einer unbekannten Nummer angerufen werdet und der Anrufer direkt wieder auflegt, ist das ein recht gutes Indiz für einen Ping-Anruf.
  • Ihr erkennt die Lockanrufe zudem an exotischen und ungewöhnlichen Vorwahlen wie der 00881.
  • Weit verbreitet ist für Lock-Anrufe auch die Vorwahl 0137.
  • Seid ebenfalls vorsichtig, wenn ihr von einer 0800 Nummer angeklingelt werdet – auch hierbei könnte es sich um einen Betrugsversuch handeln.
  • In einigen Fällen handelt es sich dabei allerdings tatsächlich nur um Call-Center, wie etwa bei dem Anruf von der Nummer 0800 3302202.

Hier könnt ihr Ping-Anrufe melden

Habt ihr einen Ping-Anruf zurückgerufen oder hängt ihr bereits in der Leitung solltet ihr so schnell wie möglich auflegen, um die Kosten niedrig zu halten. Wendet euch zudem auf jeden Fall an die Bundesnetzagentur. Hier könnt ihr den Fall schildern und eine förmliche Beschwerde einlegen. Dass ihr das Geld für den Anruf zurückbekommt ist aber unwahrscheinlich, da es heute recht leicht ist, den Ursprung eines Anrufs zu verschleiern. Allerdings wird die Nummer eventuell gesperrt, sodass zumindest andere Nutzer in Zukunft geschützt werden.

Um eine gründliche Bearbeitung zu ermöglichen, solltet ihr den Fall so umfassend wie möglich dokumentieren:

  • Notiert den Zeitpunkt des Anrufs und den genauen Gesprächsverlauf.
  • Gebt außerdem die Rufnummer an und macht wenn möglich einen Screenshot vom Display des Telefons.
  • Wenn ihr vermutet, dass ein Betrugsversuch hinter dem Anruf steckt, könnt ihr das auf einer eigens eingerichteten Seite der Bundesnetzagentur checken.

Um zu verhindern, dass Betrüger an eure Rufnummer kommen, solltet ihr zudem gut auf eure persönlichen Daten aufpassen und diese nicht einfach so im Netz oder anderweitig teilen oder weitergeben. Auf diese Weise schützt ihr euch nicht nur vor Ping-Anrufen sondern vor allen möglichen Betrugsversuchen.

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