Marina Weisband fordert Rücktritt der Berliner Piratenspitze

Matthias Schleif
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Der gewohnt derb polarisierende Michel Friedman hat gestern Abend in seiner Sendung die parlamentarische Geschäftsführerin der Piratenpartei, Marina Weisband, zu einer Aussage gedrängt, die wahrscheinlich noch für Ärger sorgen wird. Angesprochen auf eine mindestens zweideutige Aussage des Berliner Vorsitzenden sagte sie: “wenn er das so gesagt hat, fordere ich seinen Rücktritt”.

Marina Weisband fordert Rücktritt der Berliner Piratenspitze

Futter für den Boulevard
Ich hab ja nicht geschaut, aber so wie der Titel dieses Artikels dürfte in etwa auch die entsprechende Schlagzeile bei unseren Freunden mit den vier großen Buchstaben heute klingen. Doch das soll nicht unser Stil sein. Zwar hat sich Marina Weisband von der Piratenpartei tatsächlich zu dieser Rücktrittforderung drängen lassen, doch wie ist das entstanden?

Dass Michel Friedmann mit seinem “der Zyniker hat sowieso immer Recht”-Spielchen seine Gäste seit jeher zur Weißglut zu bringen versucht, weiß man ja eigentlich, bevor man die Einladung zu einer solchen Sendung annimmt. Die Psychologiestudentin Weisband schien verstanden zu haben, dass es dem Moderator nur darum geht, zu polarisieren und die Gesprächspartner gegeneinander aufzuhetzen. Aber am Ende ist sie trotzdem darauf reingefallen und hat sich wohl auch sichtlich darüber geärgert.

Friedmans Trick, bei dem ganzen Theater keinerlei eigene Meinung zu vertreten, geschweige denn durchblicken zu lassen, sondern sich auf das Aufdecken der kleinen Widersprüchlichkeiten der Anderen zu konzentrieren, hat sie dann wohl doch nicht durchschaut. Damit, aber auch mit Unwahrheiten und mit falsch gedeuteten Inhalten oder Aussagen, schafft der Michel mit dem verschmitzen Augenaufschlag es immer wieder, seine Gesprächspartner in die Ecke zu drängen, um sich dann diebisch zu freuen und noch schlitzigere Augen zu machen.
Der dauernde und falsche Vorwurf, Piraten wollten alles kostenlos runterladen, kopieren und “busfahren”, soll da mal als Beispiel reichen. Wer mehr davon braucht, möge sich die Sendung einfach bei N24 in der Mediathek ansehen.

Schlecht vorbereitet?
Und nun hat er es eben auch mit Frau Weisband geschafft! Mit der Aussage des Berliner Vorsitzenden konfrontiert, die “NSDAP sei die letzte Partei gewesen, die mit der gezielten Politik gegen eine Gruppe von Menschen Erfolg gehabt” hätte, trieb der Moderator mit der unrühmlichen Vergangenheit die Geschäftsführerin der Piraten so weit in die Ecke, dass sie sich zu einer Rücktrittsforderung hat hinreißen lassen. Dass die vermeintliche Aussage auch völlig aus dem Zusammenhang gerissen sein kann, was ich ehrlich gesagt nicht weiß, bei Friedman aber für sehr wahrscheinlich halte, kam ihr leider nicht in den Sinn. Ein einfacher, mit Komma getrennter Nebensatz nähme dem Ganzen doch bereits die Schärfe, wie zum Beispiel: “.., und mit denen möchten wir weder verwechselt noch in einen Topf geworfen werden!”

Doch auf diese Idee ist die gute Marina nicht gekommen. Genauso wenig, wie ihr eingefallen ist, dass man “Verbalstraftäter” bereits heute per IP-Adresse belangen kann, dass eine Flatrate auch eine Form von Bezahlung ist und nichts mit Diebstahl zu tun hat, oder dass gerade er, Friedman, wissen müsste, wofür Anonymität gut ist.

Er selber hatte doch seinerzeit Schlagzeilen gemacht, weil er “ukrainische Nymphen” und Koks am Telefon bestellt hatte. Das mag zwar illegal sein, deswegen wird aber natürlich noch nicht jede Vereinbarung mit leichten Mädchen zu einem illegalen Unterfangen. Dass so etwas trotzdem anonym bleiben soll, hätte der Friedman bestimmt besser verstanden, als das mit den zu schützenden Suizid-gefährdeten.
Aber eine zweite Chance, gegen Friedman anzutreten, wird es für die Piratin wohl so schnell nicht geben. Vielleicht ist das auch besser so, denn offensichtlich muss sie ja noch ein wenig üben. Auch wenn ich zugebe, dass die Friedman-Sendung zu den härtesten Prüfungen gehört, die man diesbezüglich so durchmachen kann: ihren eigenen Anspruch, nicht vornehmlich aufgrund ihres Äußeren beurteilt zu werden, konnte sie – zumindest diesmal – nicht mit guten Inhalten untermauern. Schade!

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