Deutsche Bank: Selbstfahrende Autos setzen sich erst 2040 durch und kostenlose Autos wahrscheinlich gar nicht

Stefan Bubeck

Laut den Autoherstellern fahren die ersten Autos schon in weniger als zehn Jahren selbstständig durch unsere Straßen. Eine Studie der Deutschen Bank bringt nun Ernüchterung: Es könnte noch Jahrzehnte dauern, bis der Durchbruch der Roboterautos gelingt. Kostenlose „Null-Euro-Autos“ seien allerdings unwahrscheinlich.

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Familie Hain testet einen selbstfahrenden Volvo

Weniger Staus, weniger Unfälle, niedrigere Kosten für Fahrdienste – die Vorteile, die selbstfahrende Autos mit sich bringen, sind vielseitig und werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu deren Erfolg führen. Die Roboterautos kommen, das ist sicher.

Der deutsche Premiumhersteller Daimler kooperiert mit dem Zulieferer Bosch und stellt die ersten Früchte dieser Arbeit in kurzer Zeit in Aussicht: In nur vier Jahren könnte es losgehen, dann wird ein „serienreifes Systems für fahrerlose Autos im öffentlichen urbanen Straßenverkehr“ auf den Markt kommen. Aber: Die ersten Roboter-Autos und -Taxis werden den Markt nicht auf einen Schlag erobern, sondern einige Jahrzehnte dafür brauchen, um sich durchzusetzen.

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Studie der Deutschen Bank: Weg zum „digitalen Auto“ eher Evolution als Revolution

Das „digitale“ Auto wird den PKW-Bestand „weitgehend durchdringen“ – allerdings nicht vor dem Jahr 2040. Die Erklärung der Studie „Das digitale Auto“ der Abteilung Deutsche Bank Research ist verblüffend einfach: Es liegt an den langen Entwicklungszeiten in der Branche und der Langlebigkeit des Produkts.

Wir geben den Experten aus Frankfurt recht: Ein Auto hat eine vergleichsweise lange Lebensdauer, zumindest wenn man typische Konsumgüter aus der IT-Branche zum Vergleich heranzieht. So manch einer wechselt jedes Jahr sein Smartphone, auch Laptops können nach fünf, spätestens zehn Jahren nicht mehr mit der technischen Entwicklung mithalten und werden dann ersetzt. Ein Auto rollt in Deutschland im Durchschnitt 18 Jahre lang durch die Stadt und übers Land, bevor es am Ende entsorgt wird.

„Null-Euro-Autos“: Kostenloses Auto gegen Daten ist eher unwahrscheinlich

Interessant ist auch ein Abschnitt, in dem die Autoren Eric Heymann und Janina Meister auf das „Null-Euro-Auto“ eingehen. Dabei handelt es sich um ein Konzept, bei dem die individuellen Nutzungsdaten des Autos und seiner Insassen (Bewegungsdaten, Onlinekäufe während der Fahrt etc.) den Kaufpreis des Neuwagens überschreiten könnten. Anders formuliert: Wenn wir über die Lebensdauer eines Autos hinweg alle spannenden Daten herausrücken, dann könnte uns der Autohersteller das Fahrzeug schenken. Er bekommt wertvolle Infos, die sich vielfältig zur Generierung weiterer Umsätze nutzen lassen und wir bekommen im Gegenzug ein nagelneues Roboterauto.

Diese Vision des kostenlosen Autofahrens sei aber „aus heutiger Sicht unwahrscheinlich“, denn zum einen steht ein Auto die meiste Zeit ungenutzt herum (97 Prozent der verfügbaren Zeit) und zum anderen sind heute und auch in Zukunft viele Fahrten im Alltag „standardisiert“: Fahrten zwischen Wohnort und Arbeitsstätte, fünf Mal die Woche – der Wert dieser Daten dürfte nicht hoch genug sein. Ein weiterer Hinweis: Ein „Null-Euro-Smartphone“ oder der „Null-Euro-PC“ existieren auch nicht, kostenlos sind allenfalls digitale Services (Social Media, Kommunikationskanäle, Apps), die durch Nutzungsdaten und Werbung finanziert werden. Ganz ausschließen wollen Heymann und Meister den Traum vom kostenlosen Auto aber nicht: Die künftigen Potenziale lassen sich „nur schwer einschätzen“, es bleibe in jedem Fall spannend.

Quelle: DB Research, Statista

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