Elektromobilität gefloppt: Ist der kostenlose Nahverkehr die Lösung?

Johann Philipp
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Kostenlos Bus und Bahn fahren. Was für eine Revolution. Die Bundesregierung denkt darüber nach, um weniger Autos und damit bessere Luft in den Städten zu erreichen. Ist das die Lösung für die Mobilität von Morgen?

Elektromobilität gefloppt: Ist der kostenlose Nahverkehr die Lösung?
Bildquelle: Pixabay CC0

Bahnfahren zum Nulltarif. Was nach einer Traumvorstellung für viele Pendler klingt, könnte nach den Vorstellungen der Bundesregierung Realität werden. Wegen der hohen Schadstoffbelastung in Städten steht Deutschland bei der EU massiv unter Druck – es drohen Klagen und hohe Strafzahlungen. Daher jetzt die Überlegung den öffentlichen Nahverkehr kostenlos anzubieten, um damit den Autoverkehr zu reduzieren.

Länder und Kommunen sollen vom Bund bei einem möglichen kostenlosen ÖPNV finanziell gefördert werden. Doch ist das überhaupt sinnvoll und wie viel würde es kosten?

Pro kostenloser Nahverkehr: Weniger Autos, bessere Luft?

Der größte Vorteil von einem kostenlosen Nahverkehr sind auf den ersten Blick die geringeren Kosten für die Nutzer – nämlich gar keine. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn die Verkehrsbetriebe sind häufig im Besitz der Kommunen und werden von ihnen subventioniert. Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen sowie die Löhne der Angestellten werden aber hauptsächlich über die Ticketverkäufe finanziert. Wenn diese Einnahmen wegfallen, muss Ersatz her. Am Ende wird dafür wohl der Bund aufkommen, und damit der Steuerzahler.

Die Idee setzt voraus, dass bei einem kostenlosen Nahverkehr mehr Menschen ihr Auto stehen lassen und damit die Luft vor allem in den Großstädten besser wird. Nur leider sind die meisten Busse so alt, dass ihre Diesel-Abgase genau das Gegenteil bewirken würden.

Oliver Krischer von den Grünen meint: „Ein kostenloser ÖPNV sei interessant, löse aber nicht das akute Problem schmutziger Luft. Um wirklich etwas gegen dreckige Luft zu tun, brauchen wir die blaue Plakette und Verpflichtung zur Nachrüstung von manipulierten Fahrzeugen auf Kosten der Hersteller.“

Contra: Mehr Fahrgäste – mehr Kosten

Zur Debatte zeigen sich interessanterweise vor allem negative Kommentare: Wenn der Nahverkehr kostenlos wird, würden die Fahrgastzahlen drastisch steigen. Darauf sind die Verkehrsbetriebe nicht ohne lange Vorlaufzeit eingestellt. Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling meint gegenüber Spiegel Online: „Kurzfristig lässt sich so etwas nicht umsetzen“.

Vor allem die Kosten sind ein großes Problem: In Berlin rechnet die BVG mit rund einer Milliarde Euro, die gebraucht werden, um kostenlos mit Bus und Bahn zu fahren. In Hamburg rechnete der Verkehrsverbund vor, dass durch Fahrscheinverkäufe jährlich 830 Millionen Euro eingenommen werden. Diese Summe müsste bei einem Gratis-Angebot zusätzlich vom Steuerzahler aufgebracht werden. „Das ist in etwa eine Elphi pro Jahr“, sagt ein Sprecher. Mit der „Elphi“ ist das 800 Millionen Euro teure Konzerthaus am Hafen gemeint.

Ein weiterer Punkt ist, dass nur Bewohner der Großstädte von dem Angebot wirklich profitieren. Auf dem Dorf, wo ein alter Bus einmal in der Stunde fährt, bringt auch ein kostenloser Nahverkehr nichts.

Was ist mit der Elektromobilität?

Wie steht es denn um die Elektromobilität? Lokal emissionsfrei fahren würde doch genau dem Ziel der Bundesregierung zur besseren Luft entsprechen.

Trotz Umweltprämie sind die Zulassungszahlen ernüchternd. Im gesamten letzten Jahr wurden 25.000 Elektroautos zugelassen, allein BMW erreicht diese Zahl in einem Monat mit anderen Antrieben. Elektroautos sind häufig zu teuer, haben zu wenig Reichweite und sind bisher nur für zahlungskräftige Kunden als Zweit- oder Drittwagen interessant.

Die Revolution im Nahverkehr ist überfällig. Er braucht mehr Geld, mehr Fahrzeuge und besserer Infrastruktur. Ob ein kostenloses Angebot aber diese Probleme wirklich lösen kann? Was meint ihr? Macht mit in unserer Umfrage:

Quelle: sueddeutsche, Spiegel Online, FAZ

Weitere Themen: DB Navigator, Tesla

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