So geschickt umgeht Volvo das drohende Diesel-Verbot

Johann Philipp
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Volvo verabschiedet sich vom Verbrennungsmotor. Der schwedische Konzern will schon ab 2019 auf Elektro und Hybrid setzten. Ist das die richtige Entscheidung?

So geschickt umgeht Volvo das drohende Diesel-Verbot
Update vom 05.07.2017, 14:30 Uhr: Die Chefetage von Volvo hat eine grundlegende Kehrtwende angekündigt: Der schwedische Autobauer will sich in den kommenden Jahren Schritt für Schritt vom Verbrennungsmotor verabschieden und nur noch Modelle mit reinem Elektroantrieb und Hybrid-Versionen anbieten. Ab 2019 werde jedes neue Volvo-Modell einen Elektromotor haben, kündigte der Konzern an diesem Mittwoch an. Volvo-Chef Hakan Samuelsson spricht vom Ende des ausschließlich vom Verbrennungsmotor angetriebenen Autos. Zwischen 2019 und 2021 will Volvo fünf reine E-Autos auf die Straße bringen. Das Unternehmen begründet den Schritt mit wachsenden Kundenwünschen nach Elektroautos.

Originalartikel vom 18.05.2017: Volvo will ab 2023 seine Fahrzeuge nur noch mit Benzinmotoren, Hybridtechnik, oder Elektroantrieb ausstatten. Der schwedische Automobilhersteller ist damit der Erste, der sich vom Diesel verabschiedet. Dabei hat der Konzern erst vor vier Jahren einen neuentwickelten Dieselmotor vorgestellt und mehrere Millionen Euro in ein neues Motorenwerk gesteckt. Bis 2023 soll der aktuelle Dieselmotor noch weiterentwickelt werden. Danach ist Schluss.

Grenzwerte der EU setzten Diesel unter Druck

Für Volvo selbst und auch für viele andere Hersteller ist der Diesel aktuell noch sehr wichtig. Mehr als die Hälfte der verkauften Autos großer deutscher Marken haben einen Dieselmotor. Die Vorteile liegen auf der Hand: Er verbraucht weniger und stößt weniger CO2 aus, als ein Benziner und die Mehrkosten amortisieren sich nach ein paar Tausend Kilometern im Jahr. Doch die Entwicklung der Grenzwerte der EU für CO2 und Stickoxide würde für die Unternehmen immer teurer werden, argumentiert der Volvo-Firmenchef. Da kommt uns doch der Diesel-Skandal von VW in den Kopf. Bei der jungen Generation ist die Elektromobilität dagegen schon längst angekommen:

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Abschied vom Diesel in zwei Etappen

Ab 2020 gelten neue Richtlinien in der EU: Die gesamte Modellpalette eines Herstellers darf im Durchschnitt nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Die EU spricht vom Flottenverbrauch. Dieser Wert ist ein Grund dafür, dass viele Autokonzerne Elektroautos und kleinere Motoren entwickeln: Damit können sie ihren Flottenverbrauch verringern und gleichzeitig trotzdem SUV-Dickschiffe verkaufen, die weit über allen Grenzwerten liegen, aber ordentlich Rendite bringen.

Viele Käufer trauen dem Diesel nicht mehr

Der Diesel-Marktanteil in Deutschland liegt aktuell bei 41,3 Prozent. Die Neuzulassungen von Dieselmotoren gingen im ersten Quartal 2017 um gut 8 Prozent zurück. Für Vielfahrer mit Dienstwagen ist der Diesel immer noch die erste Wahl. Doch nach den Meldungen von Fahrverboten für Dieselautos in deutschen Städten steigt die Unsicherheit bei den Käufern. Der Diesel-Skandal von VW tat sein Übriges. Doch das alles scheint Geely, den Eigentürmer von Volvo, wenig zu interessieren: Geely ist ein Autokonzern aus China sieht das Problem global: In den USA und China sind Dieselautos sehr viel unbeliebter als hier. Eine weitere Investition ist die Diesel-Technik würde sich nicht mehr lohnen.

Infografik: Anteil der Diesel-Autos sinkt | Statista

Was plant Volvo jetzt?

Volvo will auf E-Motoren setzen. Dabei geht es sowohl um die elektrische Unterstützung von Benzinmotoren, als auch um sogenannte Plug-in-Hybride, die neben einem Tank eine vollwertige Batterie haben. Ein erstes rein elektrisches Auto will Volvo aber erst im Jahr 2019 auf den Markt bringen. Einen Wagen nach Vorbild des Tesla Model S – eine hochpreisige Luxus-Limousine für zahlungswillige Kunden. Quelle: F.A.Z., Statista

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