Alles oder Nichts

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Das Design aktueller Fernseher leidet vor allem unter seinem Nichtvorhandensein: Eine große Fläche fürs Bild und eine kleine für den Standfuß, die Rückseite hässlich wie die Nacht – mehr bietet die Mehrzahl der Hersteller nicht. Sony meint jedoch, das wäre alles schon zu viel.

Wer heute ein TV-Gerät mit besonderem Design sucht, ist verflucht. Entweder er verkauft sein Auto oder verzichtet auf seinen Jahresurlaub und investiert in Bang & Olufsen oder Loewe oder aber er begibt sich in einen Massenmarkt mit nur wenigen Unterschieden bei der Gestaltung. Immerhin, Sony war die letzten Jahre nicht untätig, sich zumindest vom Design her optisch vom Rest abzuheben, was durchaus auch gelungen ist. Ausgerechnet das scheint den japanischen Großkonzern jetzt aber schon wieder zu stören, denn er will im Prinzip überhaupt kein Design mehr.

Künftige Fernseher sollen einfach wie eine Leinwand aufgerollt werden können, wobei dank OLED-Technologie die Leinwand selbst der Bildschirm und kein externer Projektor mehr nötig wäre. So wunderbar dies nach Science Fiction klingt, so blöd wird das im Endeffekt aber in bare Münze umzusetzen sein. Schon jetzt scheint des Preisverfalls wegen niemand mehr Bildschirme herstellen zu wollen, der Markt besteht aus fortwährendem Outsourcing. Irgendwann dürfte nur noch ein Unternehmen übrig bleiben, das die im Prinzip wichtigste Schnittstelle zum Menschen herstellt – zweifelsfrei ein chinesischer Monopolist, der konsequent die Preise erhöht. Was genau wäre denn dann noch die Rolle von Sony? Eine Goldkante an der Leinwand?

Ein Vorhaben wie das von Sony erinnert stark an Innovationsexzesse aus den Sechzigern wie die Herstellung immer kleinerer Taschenradios, deren quäkenden Klang kein Mensch ertragen konnte. Jahrzehntelang führte das zu einer Branchen-Pandemie, in deren Folge viel zu kleine und dadurch schlecht zu bedienende und klanglich katastrophale Radios einen Markt überschwemmten, der im Prinzip genau das Gegenteil wollte.

Weniger ist mehr sollte daher in allen Bereichen gelten und auch die Reduzierung der Technologie auf eine angemessene Größe beinhalten. Wenn jedoch gestalterische Minimalisten mit technologischen Extremisten zusammentreffen, entsteht nicht zwangsläufig Gutes. Vielleicht sind aufrollbare Bildschirme technisch möglich, doch sind sie auch sinnvoll und vom Kunden gewollt? Nur weil im Design der Grundsatz gilt, dass weniger mehr ist, heißt das noch lange nicht, dass überhaupt nichts fortan alles bedeutet und währenddessen ein Maximum an Technologie ausschließlich segensreich ist.

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