Binaurale Beats: Gehirnbeeinflussung durch Schallwellen?

Thomas Kolkmann

Was ist dran an den binauralen Beats, welche durch bestimmten Frequenzen unser Gehirn beeinflussen sollen – uns konzentrierter, kreativer oder entspannter machen sollen? In diesem Ratgeber wollen wir euch erläutern, was binaurale Beats ausmachen, wie sie funktionieren, wofür sie eingesetzt werden und euch einen kleinen Einblick in die Hintergrundgeschichte dazu geben.

Video | Der Kopfhörer-Guide

15.584
Kopfhörer-Guide im Video

Die 9 teuersten Handys der Welt

Binaurale Beats – Die Entdeckungsgeschichte

Auch wenn der Name etwas anderes vermuten lässt, wurden die binauralen Beats bereits 1839 von dem deutschen Physiker Heinrich Willhelm Dove entdeckt. Er dokumentierte als erster Wissenschaftler, dass das menschliche Gehör Schläge wahrnimmt, wenn man den Ohren getrennt jeweils zwei leicht unterschiedliche Töne zu hören gibt. Wie er bereits im 19. Jahrhundert ganz richtig vermutete, entstehen diese Schläge in dem Teil des Hirns entstehen müssen, welches für das binaurale bzw. stereophone Hören zuständig ist.

Der Biophysiker George Oster trug 1973 die bisher veröffentlichten Forschungsergebnisse zusammen und stellte darauf aufbauend, seine eigenen Ergebnisse vor. So konnte Oster herausfinden, dass die Trägerfrequenz unterhalb von 1500 Hz liegen muss und der Unterschied zwischen den beiden Frequenzen nicht größer als 30 Hz sein darf. Wenn die beiden Frequenzen eine größere Differenz haben, nimmt sie das menschliche Gehör als zwei unterschiedliche Töne wahr. Binaurale Beats können dabei aber nur Menschen wahrnehmen, die Stereo hören können, also zwei funktionierende Ohren haben. Trotzdem funktionieren binaurale Beats auch, wenn sie sich in Frequenzenbereichen befinden, die normalerweise nicht mehr vom menschlichen Gehör wahrgenommen werden, ebenso ist die Lautstärke unerheblich.

Binaurale Beats – Einsatzgebiet

Acoustics_BinauralBeats
Oster sah vor allem zwei Bereiche, in denen die binauralen Beats hilfreich seien können:

  • Medizinischer Bereich: Ursprünglich vor allem als Diagnoseinstrument, um mögliche Beeinträchtigungen des Hörsinns zu ermitteln. Jedoch fand Oster ebenso heraus, dass sie auch für Erkrankungen die nichts mit dem Hören zu tun haben, eingesetzt werden können.
  • Forschung: Die binauralen Beats sind ein wichtiges Instrument, um das räumliche Hören zu untersuchen und die neuronalen Vorgänge des Hörens zu analysieren.

Je nachdem welcher Frequenzbereich genutzt wird, sollen binaurale Beats darüber hinaus dafür genutzt werden, die Hirnwellen durch Entrainment (Synchonisation) zu beeinflussen. So sollen verschiedene Bewusstseinszustände erreicht werden, indem binaurale Beats in dem jeweiligen Frequenzbereich abgespielt werden. Messbare Ergebnisse hat die Wissenschaft bisher jedoch nur wenige erbracht, die die Funktion genau unterstreichen.

Binaurale Beats – Brainwave Entrainment

Binaurale Beats sollen durch Brainwave Entrainment unser Gehirn beeinflussen und somit Konzentration, Entspannung oder gar den Schlafzustand hervorrufen. Je nachdem, welches Frequenzband genutzt wird, sollen die unterschiedlichen Zustände erreicht werden. In der Theorie sollen sich dabei die Hirnwellen, an den binauralen Beat der von außen einwirkt durch Entrainment (Synchonisation) angeglichen werden. Ein vereinfachtes Beispiel für Entrainment zeigt dabei folgendes Video, bei dem sich die verschieden angestoßenen Metronome auf einer freischwebenden Platte nach kurzer Zeit in den selben Takt versetzen:

In der folgenden Tabelle haben wir euch die verschiedenen Frequenzbänder und ihre zugesprochene Zustandsveränderung zusammengefasst:

Frequenzband Frequenz Zustandsveränderung
Gamma über 38 Hz starke Konzentration, Kreativität
Beta 12 – 38 Hz Konzentration
Alpha 8 – 12 Hz Entspannung, Hypnose
Theta 3 – 8 Hz tiefe Entspannung, leichter Schlaf
Delta 0,2 – 8 Hz tiefer Schlaf, komatöser Zustand

Bildquelle: Skyhead E

Umfrage wird geladen
Umfrage: Was haltet ihr von Online-Shopping?
Kauft ihr lieber im Netz ein oder geht ihr eher in den Laden?

Online-Shopping oder doch lieber ganz klassisch durch die Stadt bummeln, sich die Sachen anschauen und im Geschäft einkaufen? Was ist euer Favorit, wenn ihr euch neue Sachen holt? Teilt uns eure Meinung in unserer Umfrage zum Thema mit!

Weitere Themen: Netzkultur, Forschung und Wissenschaft

Neue Artikel von GIGA SOFTWARE