Diese Kinderpuppe ist eine „verbotene Sendeanlage“, die zerstört werden muss

Stefan Bubeck
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Die Tage von „My friend Cayla“ sind gezählt: Das „smarte Spielzeug“ ist von der Bundesnetzagentur verboten worden, es handelt sich um ein unerlaubtes Spionagegerät. Der Besitz ist strafbar, die Eltern müssen das Spielzeug vernichten. Kein Wunder – bei den Features und dieser Umsetzung.

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Werbespot: My Friend Cayla

Stefan Hessel, ein studentischer Mitarbeiter der Universität des Saarlandes (Rechtsinformatik) hat sich die smarte Puppe „My friend Cayla“ genauer angeschaut und ein umfassendes Gutachten erstellt. Sein Ergebnis: „Bei ‘My friend Cayla’ handelt es sich um eine getarnte Sendeanlage, die auch zum heimlichen Abhören von Gesprächen geeignet ist.“ Die Bundesnetzagentur hat nun die Aussagen des Gutachtens bestätigt. Ab jetzt heißt es: Verkäufern und Besitzern drohen bis zu zwei Jahre Haft laut § 148 TKG.

My Friend Cayla: Das Mikro ist an, die Signalleuchte bleibt aus

Cayla „weiß Millionen Dinge und hat Millionen Dinge zu erzählen“, so die Aussage des Werbespots des Herstellers Vivid. „Was gibt 25 mal 4?“ fragen die Kinder und Cayla antwortet: „Es ist 100.“ Was das Spielzeug so schlau macht, erinnert an sprachgesteuerte Geräte wie Amazon Echo: Die Puppe ist per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden, die dazugehörige App bezieht ihre Informationen aus dem Internet.

Leider ist Caylas Verbindung völlig ungesichert, Dritte könnten mit wenig Aufwand die Äußerungen der Kinder abhören und aufzeichnen und sogar mit ihnen sprechen. „Jedes bluetoothfähige Gerät in Reichweite von etwa zehn Metern kann eine Verbindung zu ihr aufbauen und Lautsprecher und Mikrofon nutzen. In einem Versuch hatte ich auch über mehrere Wände hindurch auf die Puppe Zugriff. Es fehlt an eingebauten Sicherungen“, erklärt Stefan Hessel.

Ein anderer Kritikpunkt ist, dass die Technik ihre Funktion versteckt. Der Lautsprecher ist durch ein Kleid verdeckt, die Halskette hat eine Mikro-Aktivitätsleuchte, die im Zusammenspiel mit manchen Androidgeräten nicht immer leuchtet, wenn das Mikro eingeschaltet ist – obwohl sie das eigentlich sollte. Dazu kommt, dass man die Leuchte in der App dauerhaft deaktivieren kann. Man kann also auf das Mikro zugreifen, ohne das dies dem Benutzer – also den spielenden Kindern – bewusst ist. Hessel dazu: „ Außerdem hat das Leuchten nur für eingeweihte Personen eine Warnfunktion. Nur weil eine Kette an einer Puppe leuchtet, rechnet man nicht mit einem eingeschalteten Mikrofon.“

“My friend Cayla” wird vom amerikanischen Unternehmen Genesis hergestellt und seit 2014 von der Vivid Deutschland GmbH vertrieben. Genesis war bereits letztes Jahr im Visier von Verbraucherschützern, sowohl in den USA als auch in Europa.

Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung war am Donnerstagabend bei Vivid niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Verbotene Sendeanlagen aus der Sicht des Gesetzgebers

„Nach § 90 Telekommunikationsgesetz (TKG) ist es verboten, Sendeanlagen (...) zu besitzen, herzustellen, zu vertreiben, einzuführen (...), die ihrer Form nach einen anderen Gegenstand vortäuschen oder die mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs verkleidet sind und (...) aufgrund ihrer Funktionsweise in besonderer Weise geeignet und dazu bestimmt sind, das nicht öffentlich gesprochene Wort eines anderen von diesem unbemerkt abzuhören oder das Bild eines anderen von diesem unbemerkt aufzunehmen.“ Den ungekürzten Text „Miss­brauch von Sen­de­an­la­gen“ findet ihr auf der Seite der Bundesnetzagentur, ebenso wie den Vordruck für den Vernichtungsnachweis.

Quellen: Saarbrücker Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Vivid / Youtube

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