Wo kommt denn dieses Foto her? Neu gekaufte USB-Sticks können alte Daten enthalten

Stefan Bubeck
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Ein Mann in Schweden entdeckt auf einem fabrikneuen USB-Stick das Foto eines chilenischen Führerscheins. Wie kam die fremde Datei da hin? Forensiker geben uns darauf eine Antwort.

Wo kommt denn dieses Foto her? Neu gekaufte USB-Sticks können alte Daten enthalten

Wer sich ein wenig mit Datentechnik auskennt, weiß: Nur weil man eine Datei softwareseitig löscht („In den Papierkorb legen“) ist sie physikalisch noch lange nicht entfernt – die Bits auf dem Datenträger bleiben erhalten. Scheinbar gelöschte Dateien lassen sich in vielen Fällen mit sehr wenig Aufwand rekonstruieren, sodass Vergangenes plötzlich wieder da ist. Damit muss man rechnen, etwa wenn man sein altes Smartphone oder Notebook weiterverkauft. Aber bei einem nagelneuen USB-Stick würde man erwarten, dass dieser absolut leer ist – außer ...

USB-Sticks: Alte Speicherchips aus Smartphones

... der Stick ist gar nicht komplett nagelneu. Als schwedische Sicherheitsforscher des Forensik-Dienstleisters MSAB den fraglichen Datenträger untersuchten, stellten sie fest, dass der im Inneren verbaute Speicherchip offenbar aus einem alten Smartphone stammt. Diese Entdeckung wurde auch von der nationalen Polizeiagentur Japans bestätigt. Die Expertin Aya Fukami präsentierte ihre Ergebnisse dazu Ende März auf der Sicherheitskonferenz DFRWS 2017. „Werden diese Chips analysiert und alte Daten wieder sichtbar gemacht, zeigt sich, dass vor dem Wiederverwenden der Chips Daten nicht gelöscht worden sind. Die Chance ist groß, auf diese Weise Daten vom Vorbesitzer des Chips zu sehen,“ so die Expertin.

Manche Hersteller von USB-Sticks kaufen also die Speicherbausteine ausgemusterter Smartphones auf und recyclen diese. Die noch absolut funktionstüchtige Hardware wird einfach in „neuen“ Speichersticks integriert und erhält so ein „zweites Leben“.

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Alte Daten auf neuen USB-Sticks: Besitzer könnten unschuldig ins Visier von Ermittlern geraten

Wenn sich der scheinbar neue USB-Stick an sein altes Leben „erinnert“ und wie im geschilderten Fall ein altes Foto zeigt, kann das absolut harmlos sein – oder doch eine sehr ernste Angelegenheit. Professor Holger Morgenstern von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen weist darauf hin, dass Daten auf einem USB-Stick nicht unbedingt dem aktuellen Besitzer zugeordnet werden können.

Im Rahmen polizeilicher Ermittlungen könnte so ein schwerwiegender, aber ungerechtfertigter Verdacht entstehen – etwa wenn kinderpornografisches Material auf einem Stick gefunden wird, das in Wahrheit gar nicht vom aktuellen Besitzer stammt. Staatsanwälte, Polizeibeamte und digitale Forensiker müssten das bei ihren Ermittlungen berücksichtigen, so Morgenstern gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

Quellen: Heise, BR

Weitere Themen: MiniTool Drive Wipe, USB 3.1 Typ C

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