Hamsterkäufe: Das steckt wirklich hinter der Warnung der Regierung

Selim Baykara
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Im Moment sorgen Pläne der Bundesregierung für einen Riesenwirbel in den sozialen Medien – und nicht nur dort. In einem Notfallpapier, das am Mittwoch verabschiedet werden soll, werden die Bürger dazu aufgefordert, Lebensmittel zu horten um für den Ernstfall vorbereitet zu sein. Was soll das Ganze? Droht jetzt der 3. Weltkrieg, steckt mehr dahinter oder handelt es sich hierbei nur um Panikmache? Wir klären auf.

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Das steckt hinter Hoaxes, Fakes und Betrug im Internet

Um es gleich vorwegzunehmen: Im Gegensatz zu den ständigen Falschmeldungen, die einem jeden Tag in den sozialen Medien und der Netzkultur begegnen, handelt es sich bei der Empfehlung zum Vorräte horten nicht um einen Hoax. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (F.A.S.) zitierte gestern in der Ausgabe vom 21.08.2016 aus einem Konzept der Bundesregierung zum Katastrophenschutz.

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Hamsterkäufe: Bürger sollen Nahrung und Wasser horten

In der “Konzeption zivile Verteidigung” werden Maßnahmen erarbeitet, um die Bevölkerung im Fall schwerer Katastrophen oder eines Angriffs auf Deutschland zu schützen. Dabei sollen die Bürger eine aktive Rolle übernehmen: “Die Bevölkerung wird angehalten, einen individuellen Vorrat an Lebensmitteln von zehn Tagen vorzuhalten”, heißt es in dem Papier, das vom Bundesinnenministerium erarbeitet wurde und am Mittwoch vom Kabinett verabschiedet werden soll.

Neben Nahrungsmitteln sollen die Bürger außerdem einen ausreichenden Vorrat an frischem Wasser horten und zwar “für einen Zeitraum von fünf Tagen je zwei Liter Wasser pro Person und Tag in nicht gesundheitsschädlicher Qualität”. Dies gelte solange bis die “Installation staatlicher Einzelmaßnahmen” erfolgt sei.

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Droht jetzt der dritte Weltkrieg?

Laut F.A.S. ist das Papier die erste Strategie zur zivilen Verteidigung seit 1989 also seit dem Ende des Kalten Krieges. Das Konzept war 2012 vom Haushaltsausschuss des Bundestags beauftragt worden und entstand dort parallel zum Weißbuch für die Sicherheitspolitik. Wenn man diesen Fakt dazunimmt, wirken die zugegebenermaßen dramatisch klingenden Warnungen schon gleich wesentlich weniger bedrohlich.

  • Die Konzeption zivile Verteidigung wurde schon vor längerer Zeit beschlossen – es besteht also kein akuter und aktueller Anlass, der Grund zur Sorge bieten würde.
  • In dem Text heißt es daher auch ausdrücklich, dass “ein Angriff auf das Territorium Deutschlands, der eine konventionelle Landesverteidigung erfordert, unwahrscheinlich sei”.
  • Dennoch verlange es die Sicherheit “sich trotzdem auf eine solche, für die Zukunft nicht grundsätzlich auszuschließende existenzbedrohende Entwicklung angemessen vorzubereiten”.
  • Im Klartext: Das Papier wurde nicht aufgrund einer aktuell drohenden Gefahr beschlossen, sondern um Sicherheit für den Notfall zu schaffen, der rein theoretisch eintreffen kann.

Im Moment wird die Warnung vor einem theoretischen Notfall im Netz dazu missbraucht, um besonders reißerische Überschriften (und damit auch Klicks) zu erzeugen. So liest man etwa von Meldungen wie “Katastrophenfall: Bundesregierung rät zu Hamsterkäufen”: Wer nur diese Überschrift liest, denkt dann sofort, dass eine schlimme Katastrophe eingetreten ist oder kurz bevorsteht. Das ist natürlich Unsinn, auch wenn bei der derzeitigen Weltlage niemand behaupten wird, dass es absolute Zukunftssicherheit gibt. Fraglich bleibt, ob die Initiative der Regierung dazu beiträgt, ein Gefühl der Sicherheit zu schaffen oder nur neue Ängste auslöst. Nach der Aufregung gestern wirft die Opposition der Regierung daher inzwischen auch Panikmache vor.

Hashtag #Hamsterkäufe: So reagiert das Netz auf die Warnung

Auch in der Netzkultur ist der Spott über die Warnung der Bundesregierung groß. Vor allem auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wurden unter dem Hashtag #Hamsterkäufe in den vergangenen 24 Stunden zahlreiche Tweets gepostet, die sich über die Vorsichtsmaßnahme lustig machen. Hier eine Auswahl der besten Tweets:

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