Acers Dementi: Netbooks sind doch In – Ein Kommentar

Holger Blessenohl

Das war ein kurzer Abschied vom Netbook, den Acer vor zwei Tagen verkündet hat. Die US-amerikanische Computerworld hatte als Beleg den taiwanesischen Acer-Manager Lu Bing-hsian entsprechend zitiert. Gestern hat das Unternehmen seinem eigenen Sales Manager klar widersprochen. Außerdem hat es ein paar winzige Infosplitter mehr zu den kommenden Acer-Tablets preis gegeben.

So ganz überraschend kommt das Dementi nicht. Überraschend war vielmehr die Ankündigung zuvor, sich aus dem Netbook-Segment zurück zu ziehen. Im Moment sind die Konsumenten zwar heißer auf die Tablets, das dürfte aber daran liegen, dass es die Netbooks bereits einige Jahre am Markt gibt. Dadurch ist bereits eine gewisse Marktsättigung eingetreten. Tablets hingegen müssen praktisch alle, die ein anderes als Apples iPad haben wollen, noch kaufen. Acer hat im Dementi klar gemacht, dass das Unternehmen die neuen Tablets neben Note- und Netbooks bauen will.

Was die kommenden Acer-Tablets angeht, hat das Unternehmen bei der Gelegenheit offiziell bestätigt, dass es drei Modelle geben wird. Zwei Tablets werden ein 10,1“ großes Display bekommen, eins mit Windows 7 und eins mit Android. Als drittes wird es ein weiteres Android-Tablet mit 7“ Display geben.

Die Diskussion Netbook oder Tablet scheint mir ohnehin derzeit eine falsche Alternative vorzuspiegeln. Sicher, für viele Konsumente wird es schon um die Frage gehen, ob sie sich ein Netbook oder ein Tablet kaufen, schließlich werden einem die besseren Netbooks auch nicht mehr für 200 € nachgeschmissen. Aber wenn wir uns die Einsatzgebiete der Mobilrechner ansehen, erkennen wir schnell, dass es sich um völlig verschiedene Geräte handelt.

Ein Tablet verwende ich in erster Linie, um hoch auflösende Games zu spielen, Videos zu sehen oder als E-Book-Reader. Das alles sind Dinge, die ich mit einem Netbook niemals machen würde. Umgekehrt nutze ich Netbooks in erster Linie als Laptop-Ersatz, wenn ich mir unsicher bin, ob ich ein Laptop brauche. Ein Netbook findet überall noch Platz und ich kann unterwegs zur Not damit arbeiten. Mit einem Tablet möchte ich jedenfalls keinen Text redigieren oder eine Excel-Tabelle bearbeiten müssen. Die einzige ernsthafte Schnittmenge von Netbooks und Tablets scheint mir das Surfen im Internet zu sein. Selbst meine Mails schreibe ich lieber auf der QWERTZ-Tastatur eines Netbooks.

Bei so verschiedenen Einsatzgebieten kann man kaum von einer Alternative sprechen. Ein Netbook mag eine Alternative zu den größeren Notebooks darstellen, zu den Tablets steht es aber in keiner direkten Konkurrenzsituation, außer was den Geldbeutel der Kunden angeht. Von daher ist es nur folgerichtig, dass Acer zukünftig alle drei Geräteklassen des mobilen Computing mit Modellen bedienen wird.

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