All2gethernow-Camp: Notizen vom zweiten Tag - Flattr, Audiolith, Techdirt

Peer Göbel
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a2n-opening
Hier unsere Notizen zum zweiten Tag des All2gethernow-Camps in der Kulturbrauerei Berlin. Mit: Peter Sunde von Flattr, Audiolith, Techdirt – und wie Musikmachen und davon leben können aussehen könnte. Gestern hatten wir ja schon den Bericht vom ersten A2n-Tag und den Livestream zusammengetragen, heute berichten wir vom zweiten und letzten Tag des Camps – ab morgen geht es mit der Konferenz im Rahmen der Popkomm weiter.

All2gethernow-Dienstag

Creative Commons darf auf einem Camp zur Zukunft von Musik natürlich nicht fehlen. Die ganz erfrischende morgendliche Diskussionsrunde drehte sich um die Verdienstmöglichkeiten, die CC-Künstler haben. Bei Zoe Leela, die ihr Album unter Commons-Lizenz zum Gratis-Download anbietet, ergaben sich durch die gewonnene Aufmerksamkeit z.B. Möglichkeiten für Werbe- und Filmeinsätze, und natürlich Konzerte, ansonsten drehte sich viel um CC im allgemeinen. Im übrigen schwirrte noch die Idee einer CC-Verwertungsgesellschaft durch den Raum, die bereits am Vortag diskutiert wurde.

Mike Masnick von TechDirt präsentierte seine Thesen für ein neues Business-Modell der Musikindustrie: Fan-Bindung und Kaufanreize. Seine Gleichung lautet – etwas kryptisch – CwF + RtB (Connect-with-Fans + Reason-to-Buy) = $$$. Die Idee: Musik ruhig kostenlos zum Download anbieten, um damit Fans zu gewinnen, und dann eine ganze Palette von Diensten/Produkten für jeden Geldbeutel anbieten, und diese Mittel verknappen. Seine Beispiele waren sowas wie ein Wochenende mit dem Künstler in Disneyland inklusive des alten Volvos (10.000 $), auf dem nächsten Album eine Passage singen (10.000$), ein Magazin herausbringen (wie Maria Carey eine Elle-Ausgabe, die Werbeeinnahmen gingen an sie), das Album exklusiv früher anbieten als für die allgemeine Öffentlichkeit, ein Theremin auf die Deluxe-Ausgabe montieren, sowie der Fanclub von Pearl Jam, der als erste an Konzerttickets kommt. Diese Arten, den Fans Kaufanreize zu geben, teilt Masnick in acht verschiedene Kategorien, etwa Authenticity, Access, Creation. Auch nochmal nachzulesen in seinem Artikel zur Midem auf Techdirt. Als der Workshop los ging, anhand von realen Beispielen einige CwF+RtB-Ideen zu entwickeln, stahl ich mich raus, um noch zur Case Study Labels-Reihe zu gehen.

Wo es gerade eben noch hieß, “was ist der Unique Selling Point?”, “how to monetize fans?”, sagt Torun von Egotronic gerade sinngemäß sowas wie: “Wir gehen mit den Fans saufen.” Und Lars Lewerenz, der Labelchef von Audiolith, sieht sich mit den Fans auf Augenhöhe und meint zur Verortung des Labels einfach: “Wir machen das, was wir lieben.” Danke. Die sehr unterhaltsame Runde dreht sich darum, wie das Hamburger Indie-Label so läuft, auf dem Bands wie Frittenbude, Saalschutz, Bratze oder eben Egotronic erscheinen. Die Labelarbeit umfasst auch Booking, Verlag und Webshop, wo dann die Künstler entscheiden können, was sie mit dem Label machen wollen und was lieber alleine. Gerüchteweise ist neben HP Baxter (Scooter) auch Lena Meyer-Landrut Audiolith-Fan.

Schließlich stellte Peter Sunde, Gründer von The Pirate Bay, erneut sein Flattr-Micropayment-System vor (Genaueres zu Flattr auch hier in unserem Interview). Er verriet, dass Flattr im Moment etwa 40.000 Nutzer hätte, die meisten davon in Deutschland; ein Klick mache im Durchschnitt 15 Cent aus. Nach nur 5 Monaten ist Flattr damit schon ein beeindruckender Aufstieg gelungen, und auch in der Präsentation überzeugte das Konzept. Sunde betonte noch einmal, dass ein Flattr-Account absichtlich jeden zu Konsumenten und Produzenten mache – weil so das Web funktioniere. Er unterstrich, dass Flattr auch als Empfehlungsdienst und Filter verstanden werden könnte, also ähnlich wie digg – indem man auf der Flattr-Seite die meistbelohnten Artikel ansehen könne.

Die Nützlichkeit für Musiker oder Labels musste man sich allerdings selbst zusammenreimen – Sunde blieb sehr bei der Anwendung im Web. Er stellte zwar auch vor, dass die Schnittstelle zu Flattr offen ist und Flattr auch irgendwie in Songs eingebunden werden könnte/soll, aber ohne weiter darauf einzugehen. Weitergedacht wäre das natürlich toll, wenn man einen Song auf dem iPod, auf lastfm, Youtube, Myspace, dem eigenen Rechner hört, und dann mit einem Klick die Musiker vergüten könnte. Dafür wäre es vonnöten, dass Flattr eine Kooperation mit einer der großen Seiten an Land zieht – und offenbar arbeitet das schwedische Team auch an einem Vergütungsmodell, bei dem der “Distributor” auch einen Teil vom Kuchen abbekommt. Bis dahin bleibt Musikern nur übrig, Leute auf ihre Website zu lotsen und dort den Flattr-Button zu installieren.

So weit meine Notizen vom All2gethernow-Camp. Es scheint weitgehend Einigkeit zu bestehen, dass Musiker mit Musik-Verkauf allein kein Geld mehr verdienen können. Die wohlgemeinten Ratschläge der Aufmerksamkeits-Ökonomie, das Geld eben mit Konzerten, Merchandise, über Spenden, Fan-Aktionen reinzuholen, wirken leider immer noch etwas schwach. Denn das führt den Antrieb für Musik ja doch etwas ad absurdum. Bands wollen im Kern ja keine Blogger sein, kein Buch schreiben, keine Geschäfte führen, Vorträge halten, sondern eben – Musik machen.

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