Amazon eröffnet digitale Bibliothek

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In den USA können Premium-Kunden von Amazon nun Ebooks ausleihen. Der kostenlose Lesespaß hat natürlich seine Einschränkungen, den Verlagen ist das Modell dennoch nicht geheuer.

Im Gegensatz zur klassischen Bibliothek gibt es in Amazons Digitalbücherei keine Rückgabefrist: Wer sich ein Ebook ausleiht, kann sich so viel Zeit nehmen, wie er möchte. Allerdings darf der Kunde nur ein Buch pro Monat kostenlos ausleihen. Möchte er nach einem Monat einen neuen Titel herunterladen, wir der alte gelöscht. Um den (bislang ausschließlich in den USA) verfügbaren Service nutzen zu können, muss man bei Amazon Premium-Kunde sein. Dieser ist nicht ganz billig: Pro Monat kostet dieser 79 Dollar, dafür bietet er im Gegensatz zu Deutschland (29 Euro) neben einer schnellen Lieferung auch Zugriff auf ein großes Videoarchiv. Und nun eben auch zu diversen Ebooks. Eine weitere Einschränkung ist, dass sich die Ebooks nicht über die Kindle-Apps für diverse Geräte lesen lassen, sondern nur über den Ebook-Reader Kindle. Auf diese Weise sollen die Verkäufe des Gerätes angekurbelt werden, welches in Zeiten der Tablets seine Existenzberechtigung sucht.

Die Auswahl an Ebooks ist noch recht eingeschränkt. Etwa 5000 Titel zumeist unbekannterer Schriftsteller befinden sich in der Ausleihe. Amazon verweist darauf, dass sich unter den Titeln mindestens 100 derzeitige oder ehemalige New York Times-Bestseller befinden. Die ganz großen Hits sind jedoch nicht darunter, und das hat Gründe.

Die führenden Verlage stehen dem Modell skeptisch gegenüber und haben ihre Titel noch nicht für Amazons Bibliothek freigegeben. Man befürchtet, dass die kostenlose Ausleihe den eigenen Verkäufen schadet. Bibliotheken sind Verlage traditionell nicht wohlgesonnen, dass sie nun auch auf die digitale Welt übergreifen, sehen sie mit Sorge.

Anlässlich Amazons früherer Ankündigung, mit dem Kindle in lokalen Bibliotheken Bücher ausleihen zu können, haben wir uns vor einigen Monaten bereits kurz mit der Situation von Ebooks in deutschen Bibliotheken befasst. Auch hier kommen Modelle nur mit großen Einschränkungen in Frage. So können nur so viele Ebooks gleichzeitig ausgeliehen werden, wie eine Bibliothek an Lizenzen vorrätig hält (also im Zweifel nur einmal pro Titel). Desweiteren löschen die strengen DRM-Maßnahmen Titel nach Ende der Ausleihfrist automatisch vom E-Reader.

Bild: Sebastian Sachse


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