Android 3.0 Honeycomb: Was Googles neues Tablet-Betriebssystem kann

Android 3.0 Honeycomb
Gestern fand unter weltweiter Beachtung Googles Vorstellung der nächsten Generation des Betriebssystems Android statt. Mit Android 3.0 Honeycomb will der Suchmaschinenkonzern nun auch den Tablet-Markt erobern. Der Chefredakteur von androidnews.de, Frank Ritter, hat uns erklärt, was sich bei Android ändert – und was der neue Market kann.

LB: Hallo Frank.
FR: Hallo Holger.

LB: Wie hast Du denn den gestrigen Abend verbracht, während Google die Präsentation als Livestream über YouTube ausgestrahlt hat?
FR: Mein Kollege Daniel und ich haben das Event am Rechner per YouTube-Livestream im Büro verfolgt und dazu live gebloggt.

LB: Das Hauptproblem bei Tablets sind ja die größeren Displays. Was hat Google am Homescreen geändert, damit Android 3.0 darauf genauso gut aussieht wie auf den Smartphone-Displays?
FR: Ich würde die größeren Displays nicht als Problem ansehen. :) Da der Platz auf dem Tablet-Display größer ist, ist dort auch mehr Platz für Informationen. Android ist beliebt für seine Widgets, selbstverständlich wird das System auch in Honeycomb übernommen und erweitert. Auf dem großen Screen finden nun erheblich mehr Widgets Platz, die Informationen darstellen können, ohne dass die entsprechende App geöffnet werden muss. Ein Beispiel ist das Google Mail-Widget: Mit diesem hat man auf dem Homescreen stets den Überblick über den Posteingang, ohne dass man dafür die Google Mail-App starten müsste. So genannte gestapelte Widgets lassen sich sogar „durchscrollen“, etwa die auf dem Tablet gespeicherten eBooks.

Außerdem ist in Honeycomb die Benachrichtigungsleiste überarbeitet worden – sie ist größer, ans untere Ende des Screens gewandert und stellt Information grafisch ansprechender dar – als Popup-Notification, vergleichbar mit Growl auf dem Mac. Die Hardware-Buttons für die Standardfunktionen „Zurück“, „Menü“ und „Home“ sind schließlich ebenfalls in der Benachrichtigungsleiste gelandet.

Frank Ritter
LB: Laut Untersuchungen werden viele iPads vor allem für grafisch anspruchsvolle Games verwendet. Kann Android da zukünftig mithalten?

FR: Technisch auf jeden Fall, seit Android 2.3 „Gingerbread“ hat sich auf Seiten der Programmierschnittstellen viel getan, Spieleentwickler haben jetzt einige mächtige Tools in der Hand, wenn sie unter Android entwickeln bzw. ein Spiel für Android portieren. Die Frage ist, ob die Hardware der verschiedenen Tablets mithalten kann. Aber auch da bin ich zuversichtlich, nicht zuletzt Nvidias Tegra 2-Chipsatz wird in immer mehr Geräten verbaut und steht bereits jetzt für hohes Leistungspotential in 3D-Anwendungen bei geringem Stromverbrauch.
Auch wenn die Fragmentierungsproblematik in der Diskussion häufig dramatisiert wird: Für Entwickler stellt es natürlich einen Mehraufwand dar, für verschiedene Geräte parallel zu entwickeln. Die sagen sich: Wenn ich für das iPad entwickle, erreiche ich mit geringem Aufwand X Millionen potentielle Kunden, für Android muss ich deutlich mehr Kompatibilitätstests auf verschiedenen Geräten durchführen. Es wird sich aber auch für die Skeptiker herauskristallisieren, dass die Android-Geräte untereinander gar nicht so unähnlich sind und mit Android-Spielen noch ein riesiger Markt zu erschließen ist. Meiner Prognose nach werden sich die Tegra-Chips von Nvidia als Standard herauskristallisieren und auf dieser Hardware wird auch fast alles laufen.

LB: Google hat den Android Market zum Beziehen von Apps nun endlich auch auf „normalen“ Rechnern verfügbar gemacht. Was bringt das für die User und wie bekomme ich eine App vom Webmarket auf mein Smartphone oder Tablet?

FR: Zunächst muss man festhalten, wie es vorher war: Für Desktop-Browser hat Google bis gestern keine zufriedenstellende Möglichkeit geliefert, Apps zu durchstöbern und schnell auf's Handy zu bringen. Im Web-Market wurde nur eine Handvoll Apps angeteasert, es gab nicht einmal eine Suchfunktion, was gerade für Google absolut peinlich war.
Der neue Market ist endlich ein Portal, das den Namen verdient. Im neuen Market kann man Apps nun endlich schnell und komfortabel installieren. Man loggt sich mit seinem Google-Konto ein, klickt auf „Installieren“ oder „Kaufen“ und sofort landet die App auf dem Handy. Alternativ kann man auch den QR-Code auf einer App-Beschreibungsseite mit einem Barcode-Reader abfotografieren und so installieren oder wie gehabt auf dem Gerät selbst im Market danach suchen. In unserem Artikel gibt es alle Infos zum neuen Market.

LB: Die Apps können jetzt auch eine In-App-Purchase-Funktion haben. Was genau ist damit gemeint?
FR: Jetzt können direkt aus Apps heraus Erweiterungen bestellt werden, etwa Bonuslevels in Spielen. Denkbar ist auch, dass aus einer App-Demo heraus direkt die Vollversion freigeschaltet werden kann.

LB: Kann ich mir Android 3.0 auch auf einem Smartphone installieren oder ist Honeycomb nur für Tablets gedacht?
FR: Die 3er-Versionem werden offenbar Tablets vorbehalten sein, für den Smartphone-Zweig wird gerüchteweise schon Android 2.4 „Ice Cream“ entwickelt.

LB: Letzte Frage. Freust Du Dich auf die Video-Chat-Funktion?
FR: Auf jeden Fall, den Videochat nutze ich schon seit Jahren über die Desktopversion von Google Mail. Mal schauen, wie Skype dagegen halten wird.

LB: Vielen Dank für das Gespräch.
FR: Gerne. Wiedersehen.

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