Apple iPad 2 im Test: Die neue Referenz auf dem Tablet-Markt

Shu On Kwok
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Behutsam hat Apple die zweite Auflage des iPads überarbeitet. Es ist schneller, schlanker und ein paar Gramm leichter. Zusätzlich verpasst man dem Tablet auch noch zwei Kameras, eine vorne und eine hinten. Das überarbeitete Design birgt aber auch ein paar Tücken. Mehr dazu erfahrt ihr in unserem Testbericht: Eine Woche mit dem iPad 2.

Der zweite Teil muss nicht immer besser sein als der erste Teil, das wissen wir seitdem wir Filme wie Speed und Speed 2 oder Tron und Tron 2 kennen. Es gibt aber auch Dinge im persönlichen Leben, wo das Zweite besser ist als die Nummer eins. Mir persönlich schmeckt die zweite Tasse Kaffee am Morgen besser als die erste. Die erste Tasse befriedigt nur die Notwendigkeit nach Koffein. Die zweite Tasse genieße ich mehr.

iPad 2 Hardware: Schlanker, schneller und in Weiß

Aber nun wieder zurück zum iPad 2. Optisch und in der Hand überzeugt das iPad 2. Es ist schmaler, ein wenig leichter und die Kanten am Displayrand sind verschwunden. Über die weiße Farbe unseres Testgeräts lässt sich natürlich streiten, aber diese Farbe wird sicherlich das weibliche Geschlecht mehr ansprechen als schwarz.

Das überarbeitete Gehäuse hat aber auch seine Nachteile. Der Dockconnector liegt nun in der Rundung, ebenso wie der 3,5 mm Klinkenanschluss. Im Betrieb ist das nicht von Nachteil, aber man muss nur etwas achtlos das iPad 2 beseite legen und schwupps sind die Stecker verbogen oder ganz kaputt. Wenn man diese Gefahr im Hinterkopf behält, dann sollte aber eigentlich nichts passieren.

Im Inneren des iPad 2 werkelt nun ein Dual-Core Prozessor. Apple selbst nennt diesen A5. Auch der Arbeitsspeicher wurde gegenüber dem Vorgänger auf 512 MB vergrößert, während die Speicherausstattung immer noch bei 16, 32 oder 64 GB liegt, je nachdem welche Variante man wählt und wie dick die eigene Brieftasche ist. Bei der drahtlosen Kommunikation setzt Apple auf Altbewährtes und unterstützt bei den WiFi-only-Ausführungen die Standards 802.11 a/b/g/n. Bei der 3G-Variante wird noch zusätzlich UMTS/HSDPA/HSUPA (850, 900, 1900, 2100 MHz) und GSM/EDGE (850, 900, 1800, 1900 MHz) unterstützt. Zusätzlich gibt es noch Bluetooth 2.1 + EDR.

Neu beim iPad 2 sind die Kameras, eine in der Front zentral über dem Display, die andere auf der Rückseite seitlich unterhalb des Ein- und Ausschalters. Apple schweigt sich über die Auflösungen aus und gibt nur an, dass die rückwärtige Kamera 720p Videos aufzeichnen kann und die Frontkamera VGA Qualität erreicht. Wenn wir von diesen Informationen ausgehen, dann kommt man für die Frontkamera auf 0,3 Megapixel und für die rückwärtige Kamera auf ein knappes Megapixel. Für Videochats vollkommen ausreichend, aber für Gelegentliches fotografieren und Videodrehs nur ausreichend.

Was hat Apple noch äußerlich verändert? Der Lautsprecher ist jetzt etwas besser platziert und wird nicht mehr so einfach durch die Hände verdeckt. Das kann man aber auch als Folge dem neuen Gehäuse zurechnen. Das Mikrofon ist vom 3,5 mm Klinkenanschluss weggerückt und sitzt nun mittig im oberen Gehäuserahmen. Hinter dem linken Gehäuserahmen versteckt sich nun auch ein Magnet, der für das Scharnier des Soft Covers gedacht ist. Mit diesem Magneten wird das SoftCover am iPad 2 festgehalten. Zu dem SoftCover aber später mehr.

Anschalten und loslegen

Wer schon mal ein iPad bedient hatte, der wird sich auch beim iPad 2 sofort zu Hause fühlen. Der subjektive Eindruck: alles wirkt einen Tick flüssiger und schneller. Alten iPad 1 Nutzern fallen sofort drei Apps auf, die es auf dem Vorgänger nicht gab: FaceTime, Kamera und Photo Booth. Diese Apps brauchen die Kameras und sind somit auch nur für das iPad 2 erhältlich.

Der Leistungsvorsprung des A5 Prozessors und des doppelten Arbeitsspeichers macht sich sofort bemerkbar, wenn man aufwändige Spiele wie Real Racing 2 HD oder Infinity Blade startet. Die Ladezeiten sind kürzer und auch in den Spielen selber bemerkt ein geübtes Auge, dass z.B. die Kanten jetzt feiner wirken und die Spiele an sich flüssiger laufen. Man muss dazu aber auch sagen, dass erst bei Hardwarefordernden Spielen das iPad 2 seine Vorteile ausspielt. Wer nur Hangman spielt wird kaum von der Leistung des iPad 2s profitieren.

Real Racing 2 HD im Vergleich:

Um das Bild vom iPad 2 zu sehen, einfach die Maus über das Bild bewegen.

Ansonsten gibt es aktuell noch kaum iPad 2-only Apps. Das würde auch zu viel Aufwand für die Entwickler bedeuten und den iPad-Markt spalten. Dazu ist das iPad 1 auch zu verbreitet. In naher und auch ferner Zukunft wird es kaum Anwendungen geben, die nur auf dem iPad 2 laufen werden, es sei denn diese Anwendung setzt explizit die Kameras des iPad 2 voraus. Persönlich glaube ich eher, dass es aufgebohrte iPhone Apps wie Augmented Reality Apps für das iPad geben wird.

Falls jemand sich Benchmark Ergebnisse interessiert, unsere Kollegen von Macnews.de haben das iPad 2 auch getestet und diesem mit ein paar Testprogrammen zum schwitzen gebracht.

Zubehör: SoftCover und Digital AV Kabel

Apple hat immer bei einem Produktlaunch ein paar Accessoires im Köcher, um die Käufer eines Apple Produktes gleich noch ein paar Euro mehr aus den Taschen zu ziehen. Das Smartcover ist vom Anbringen her sehr smart. Ein Magnet hält das Scharnier am iPad 2 fest und es fungiert auch als Aufweck-Instrument. Klappt man das Cover auf, weckt man das iPad automatisch aus dem Schlaf. Man hat ein bisschen das Gefühl, als ob man ein Buch aufklappt. Ein sehr schöner Effekt!

Es gibt aber auch negatives zum Softcover zu sagen. Es schützt sicher das Display, was für den heimischen Einsatz reicht, aber für den wirklichen mobilen Einsatz ist das Cover ungeeignet. Zum einen bleibt die Rückseite ungeschützt und zum anderen verdreckt unser himmelblaues SmartCover schon nach einer Woche. Und das sekundäre Feature vom SmartCover, dass es das Display auch säubert, ist ebenfalls nicht gegeben. Durch die Rippenstruktur sammelt sich gerade in den Falzen der Dreck.

Das Digital AV Kabel hat auch seine Licht- und Schattenseiten. Die eigentliche Funktion, das Bildsignal vom iPad 2 per HDMI an einen großen LCD Fernseher zu übermitteln ist super. Auch dass Apple daran gedacht hat, dass man das Ladekabel in den Adapter stecken kann um das iPad 2 zu laden, ist super. Aber das Kabel ist nicht angepasst für das iPad 2 Gehäuse. Auch hier steckt der Stecker nur halbherzig im Dockconnector und läuft Gefahr bei Unachtsamkeit verbogen zu werden.

Momentan ist es nur möglich den Inhalt des iPad 2 auf einem externen Bildschirm zu spiegeln, es sei denn, es wird ein Video gestartet. Egal ob ein Video aus der Video App oder aber auch embedded Videos aus Safari heraus, jedes Video wird, wenn es als Vollbild abgespielt wird, an den externen Bildschirm übergeben. Das iPad ist dann nur noch die „Fernbedienung“. Ehrlich gesagt ist das nicht die eleganteste Lösung, denn wer sitzt auf der Couch mit seinem iPad und spannt zwischen Fernseher und Couch ein HDMI Kabel? Eine kabellose Variante wäre hier zukunftsweisender. Wer weiß, was da schon bei Apple in den Schubladen liegt.

iPad 2 vs. iPad 1 vs. Android vs. HP webOS vs. Blackberry PlayBook

Was soll man sich denn nun holen, wenn man sich für einen Tablet-PC interessiert? Ein iPad 1oder iPad 2? Oder ein Tablet mit Googles Android? Oder vielleicht ein HP TouchPad mit webOS? Oder vielleicht sogar das Blackberry PlayBook? Die Frage zu beantworten ist nicht so leicht.

Fangen wir einfach mal mit der Frage an: iPad 1 oder iPad 2? Wer schon ein iPad 1 hat, der kann das iPad 2 überspringen. Die zwei Kameras rechtfertigen keinen Umstieg. Sicher, die Leistung von der zweiten Generation ist besser, aber ob es iPad 2-only Apps geben wird bleibt zu bezweifeln, denn dafür sind einfach zu viele iPads der ersten Generation noch im Umlauf. Ein iPad 2 empfiehlt sich somit für all diejenigen, die noch kein iPad besitzen, aber schon immer mit dem Gedanken gespielt haben sich den Tablet-PC von Apple zu kaufen.

Schnäppchen-Jäger könnten sich noch günstig ein iPad 1 bei zahlreichen Elektronikketten und Online Shops erwerben, oder sich günstig ein gebrauchtes iPad 1 holen.

Die Armada an Android 3.0 powered Tablets sind technisch absolut auf Augenhöhe mit Apples iPad 2. Vom Betriebssystem muss aber noch etwas Feinarbeit geleistet werden, bis alles rund läuft. Einen ganz großen Vorteil bietet ein Android Tablet: Als potentieller Käufer hat man die große Auswahl an unterschiedlichen Marken, Displaygrößen und Ausstattungsvarianten.

HP und Blackberry sind von der Vielfalt her ähnlich wie Apples iPad. Aber beide Hersteller heben als besonderes Feature die Verbindung zwischen Ihren Smartphones und den Tablets hervor. BlackBerrys PlayBook wird bei einigen Anwendungen als eine Art externer Bildschirm verwendet, wenn der Nutzer auch ein BlackBerry Smartphone besitzt. Das steigert etwas die Sicherheit, denn wenn das PlayBook mal verloren geht, dann sind auf diesem keine geheimen Emails auf dem Tablet abgelegt.

HPs TouchPad mit webOS soll, wenn es fertig ist, auch Anrufe und SMS, die eigentlich für das eigene webOS Smartphone gedacht ist, entgegennehmen können. Zusätzlich können TouchPads und Smartphones mit webOS URLs mit dem URL-Sharing-Tool Touch-to-share teilen.

Fazit:

Das iPad 2 ist definitiv schneller, leichter und es gibt es nun auch in Weiß! Ach ja, und es hat auch noch zwei Kameras, die für Videochats reichen. Apple hat für das iPad, egal ob aus der ersten Generation oder der zweiten, ein perfektes Ökosystem für den Heimnutzer geschaffen. Nirgends ist es einfacher sich Musik, Videos, Apps und zahlreiche Zeitungen zu beziehen als bei Apples iOS Ökosystem.

Die Konkurrenz, egal ob mit BlackBerry, Google oder HP Betriebssystem sind noch nicht auf dem Markt und brauchen noch ein paar Wochen. Bis dahin haben die meisten Unschlüssigen sich schon ein iPad gekauft.

Würde ich mich selber für ein iPad 2 entscheiden? Nein. Der Grund dafür ist ganz einfach, ich bin ein Smartphone- & Laptop-Mensch. Diese Kombination ist für mich persönlich die optimale Lösung. Schnelle Kommunikation erledigt man mit dem Smartphone und ausführliche Arbeiten am Laptop. Ein Tablet würde bei mir nur verstauben.

PROs und CONs zum iPad 2

PRO

  • sehr gute Verarbeitung
  • Schneller Dual-Core Prozessor
  • Im kompletten iTunes Ökosystem noch unschlagbar
  • sehr gutes Display
  • sehr große Auswahl an Apps

CONTRA

  • Anschlüsse durch die Gehäusewölbung halb freiliegend
  • Zubehör Softcover hinterlässt Schmutzstreifen
  • SIM-Kartenslot bei der 3G-Version hackelig

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