Base lutea Test: Eine Woche mit dem Billig-Smartphone

Base lutea
Der Handy-Markt ist mit den Smartphones gewaltig in Bewegung gekommen. Während die Verkäufe von klassischen Handys eher stagnieren, explodieren die Absätze von Smartphones regelrecht. Daran hat nicht zuletzt das immer beliebter werdende Handy-Betriebssystem Android von Google einen großen Anteil. Neben den steigenden Smartphone-Absätzen gibt es allerdings noch einen zweiten globalen Trend bei Mobilfunkgeräten: Auch Billig-Handys sind deutlich auf dem Vormarsch. Der E-Plus-Ableger Base hat es mit dem Base lutea geschafft, beide Trends in ein einziges Gerät zu gießen. Aber kann das Billig-Phone auch den Praxistest bestehen? Ich habe mein im Vergleich immer noch hochwertiges G1 für eine Woche beiseite gelegt und eine Woche mit dem Base lutea telefoniert und gesurft. Freundlicherweise hat mir Base für den Testzeitraum gleich noch eine SIM-Karte für Base beigelegt, sodass ich gleichzeitig die Empfangsqualität testen konnte, allerdings nur in Berlin.

Base lutea im Test – oder doch das ZTE Blade?

Das Base lutea wird vom chinesischen Handyproduzenten ZTE hergestellt. ZTE gehört mit 30.000 Beschäftigten weltweit eigentlich zu den größten Handy-Herstellern der Welt, ist in Deutschland aber nahezu unbekannt, da die meisten Handys in der Dritten Welt verkauft werden. In Deutschland gibt es einige ZTE-Phones als Vertragshandys mit anderem Branding. Ansonsten liefert ZTE Deutschland E-Plus gerade die Hardware für den HSDPA-Ausbau des E-Plus-Netzes. Einen kleinen Erfolg konnte ZTE in Europa mit dem ZTE Blade erreichen, das vom britischen Mobilfunk-Anbieter Orange für 99,- britische Pfund (derzeit ca. 118 €) angeboten wird. Das Base lutea entspricht weitgehend diesem Blade, allerdings wurde – wohl um den Preis noch weiter senken zu können – statt des OLED-Displays nur ein normales LC-Display verbaut. Dafür gibt es in der deutschen Ausgabe eine 5-MP-Kamera statt der 3,2-MP-Kamera des Blade (dazu später mehr). Auch das Design wurde leicht verändert.

Base lutea: Handy mit Vertrag

Base lutea Seitenansicht
Das Base lutea gibt es nur in Deutschland und nur in Verbindung mit einem Base-Vertrag für 14,- € monatlich bei einer zweijährigen Laufzeit. Im Tarif ist die ohnehin notwendige Daten-Flatrate bereits enthalten, die normalerweise runde 10 € kostet. Damit ergibt sich für das Android-Smartphone nur noch ein Aufschlag von 4 € monatlich. Das ist nach 24 Monaten ein Gesamtpreis von schlappen 96,- €. Billiger geht es im Smartphone-Bereich wirklich nicht. Allzu viel erwarten kann man für den Preis eigentlich nicht. Das Base lutea überrascht dennoch mit einigen Features, die man bei einem Smartphone, das so heiß auf der Kante gestrickt wurde, nicht unbedingt erwartet. So hat E-Plus glücklicherweise nicht den GPS-Empfänger eingespart und es gibt sogar Stereo-Bluetooth. Das 3,5 Zoll große Display hat eine Auflösung von 800 x 480 Pixeln, das ist kein schlechter Wert.

Design und Funktionstasten

Ausgeliefert wird das Base lutea in einer schicken weißen Box. Wenn man die aufmacht, liegt das lutea schwarz glänzend in der weißen Einkerbung des Kartons. Gleich beim Herausnehmen fallen zwei Dinge unmittelbar auf. Trotz des 3,5 Zoll großen Displays wirkt das lutea angenehm klein. Das liegt daran, dass der Touchscreen fast die gesamte Frontfläche einnimmt. Für die drei Android-Tasten Home, Menü und Zurück bleibt nur ein sehr schmaler Streifen übrig. Das T-Mobile G1 ist trotz des mit 3,2 Zoll kleineren Displays größer als das lutea, von aktuellen Smartphones mit 4 Zoll Display mal gar nicht zu reden. 130 Gramm soll das lutea auf die Waage bringen, ich habe das Gefühl, es sei noch leichter. Woran das liegt, merkt man, sobald man die hintere Abdeckung abnimmt, um die SIM-Karte einzustecken. Das Gehäuse besteht nur aus billigem Plastik, was sich beim Gewicht natürlich positiv bemerkbar macht. Dennoch wirkt das lutea – vom Material einmal abgesehen – nicht schlecht verarbeitet. Es macht einen stabilen und verwindungssteifen Eindruck. Sehr billig und auch stillos wirken hingegen die silbern glänzenden Streifen an den Seiten des Base lutea.

Der erste Base-lutea-Start: Google-Account einrichten

Beim ersten Start fragt das lutea nach dem Entsperren der SIM-Karte zunächst wie alle Android-Handys die Login-Daten für den Google-Account ab. Sofern nicht vorhanden, sollte man ihn sich jetzt einrichten, weil Android nur in Kombination mit Google wirklich sinnvoll nutzbar ist. Wer datenschutzrechtliche Bedenken beim Suchmaschinengiganten hat, sollte sich lieber für ein anderes Handy-Betriebssystem entscheiden. Nach dem Start hat man einen vergleichsweise aufgeräumten Desktop im Original-Google-Design vor sich. Vorinstalliert sind wichtige Google-Anwendungen wie Mail, Kalender, Maps, Latitude, Talk oder der YouTube-Betrachter. Ich verschiebe meinen Gewohnheiten entsprechend das Such-Feld auf den leeren Desktop rechts daneben und ergänze meinen Startbildschirm mit dem Analoguhr-Widget. Dafür muss man einfach lange mit einem Finger auf eine leere Stelle des Touchscreens drücken, dann öffnet sich der Widget-Dialog. Um Icons oder Widgets zu verschieben, drückt man seinen Finger solange auf das Symbol, bis es sich vergrößert und das Smartphone gleichzeitig kurz vibriert. Dann zieht man das Icon oder Widget an die Stelle, wo es hin soll.

WLAN-Bug fixen: Blade Wi-Fi Fix

Die WLAN-Verbindung ist schnell hergestellt und das Surfen über Wi-Fi funktioniert einwandfrei. Dumm nur, dass das lutea, wenn man später dasselbe WLAN wieder nutzen möchte, sich nicht automatisch einwählt. Am Android kann es nicht liegen, da andere Android-Phones hier keine Zicken machen. Ich muss sowohl am Arbeitsplatz als auch zu Hause mich jedesmal erst wieder über die Einstellungen ins WLAN einloggen. Von selbst versucht das lutea immer nur, sich mit dem 3G-Netz von Base zu verbinden. Das ist besonders ärgerlich bei mir zu Hause, weil hier das UMTS-Netz zu schwach ist, um Internet-Seiten laden zu können. Das liegt allerdings nicht am E-Plus-Netz, auch T-Mobile hat hier Probleme. Um dem Base lutea WLAN beizubringen, gibt es glücklicherweise eine App. Sie heißt „Blade Wifi Fix“ und nachdem ich sie installiert habe, gab es keine Probleme mehr. Einen kurzen Workaround, wie die App funktioniert und wie man sie installiert, haben die Kollegen von Androidnews erstellt.

Display und Akku

Base lutea Front
Nachdem die WLAN-Probleme behoben sind, geht es erst einmal ins Internet. Der Browser arbeitet gewohnt schnell und zumindest angepasste Mobil-Seiten sind auf dem 3,5 Zoll großen Display gut zu lesen. Das liegt auch am trotz fehlendem OLED-Display scharfen und kontrastreichen Bildschirm, der in der Fabrikauslieferung allerdings noch reichlich dunkel eingestellt ist. In den Einstellungen kann man die Helligkeit unter „Sound und Display – Helligkeit“ anpassen. Ich stelle das Display auf maximale Helligkeit und habe in der Testwoche dennoch keine Akku-Probleme. Über Nacht kommt das Base lutea an die Ladestation, wenn man das Smartphone nicht ausgiebig nutzt, hält das lutea auch mal zwei Tage durch.

MP3-Player und Radio

Mit dem niedrigen Einstiegspreis richtet sich das lutea von Base auch an ein junges Zielpublikum. Das will natürlich auch MP3s hören. Daher kommt als nächstes der Audio-Test. Base liefert ein Headset mit. Probleme mit den Passstücken dürfte es nicht geben, das lutea-Headset hat OnEar-Kopfhörer statt der üblichen InEar-Headphones. Die Ohrstücke werden also nicht in den Gehörgang eingeschoben, sondern nur hinter die Ohrmuschel geklemmt. Mit persönlich ist das lieber, auch wenn es beim Klang Einbußen gibt. Der ist allerdings ohnehin nicht der beste, weder mit dem Headset, noch über den integrierten Lautsprecher. Personen, die ich mit dem lutea anrufe, wundern sich ebenfalls über meine metallisch klingende Stimme. Hier hat Hersteller ZTE offensichtlich gespart. Besser klingt die Musik über meine eigenen Kopfhörer, wenn auch etwas leise. Das FM-Radio hat in meiner Wohnung guten Empfang, angezeigt werden allerdings nur die Sendefreqenzen und nicht die Namen der Sender. Die empfangenen Sender können aber zumindest mit der Frequenz-Bezeichnung gespeichert werden. Wer mehr Komfort beim Radiohören will, muss sich noch eine bessere Radio-App installieren.

Fehlendes Swype

Ein weiterer Schwachpunkt des lutea zeigt sich beim Mailen. Leider ist kein Swype installiert, also dieses geniale kleine Tool, das beim Darüberwischen des Fingers über die Buchstaben das gewünschte Wort erkennt und einfügt. Hier muss jede virtuelle Taste einzeln angetippt und noch dazu erstmal auf dem nur 3,5 Zoll großen Display auch getroffen werden. Im Hochformat ist Schreiben praktisch kaum möglich und im Querformat macht es auch keinen Spaß. Da nützt einem dann auch das vorinstallierte Docs to go zum Bearbeiten von Microsoft Office-Dokumenten nichts, wenn die Eingabe einfach zu mühsam ist.

Google Sprachsuche

Zum Glück gibt es ja wenigstens die Google Sprachsuche. Einfach auf das Mikrofonzeichen neben dem Google-Suchfeld klicken, und schon kann man seine Suchanfrage einfach ins Mikro sprechen. Das funktioniert auch mit dem Base lutea erstaunlich gut, Google erkennt problemlos mein gesprochenen Suchanfragen „Motorola Xoom“, „Heinrich Müller“ und „Ewige Wiederkehr des Gleichen“. Lediglich aus „iPad“ macht Google „iPod“ und aus „ECONA“ „spekula“. Auch für die Navigation kann die Sprachsuche verwendet werden, die Richtungsanweisungen des Geräts können dann ebenfalls über den Lautsprecher ausgegeben werden. Über die Navigationsfunktion von Google Maps hatte ich mich neulich schon beim Test des Dell Streak recht begeistert gezeigt. Das dort Gesagte gilt auch hier.

Kamera und Camcorder

Georg Friedrich Wilhelm Hegels Grab
Fürs Fotografiern steht beim Base lutea immerhin eine 5 MP-Backkamera bereit. Die Bilder meiner Kollegen im Büro werden sogar vergleichsweise gut. Nur bei extrem schwierigen Lichtverhältnissen mit halb heruntergelassenen Jalousien bei starker Sonneneinstrahlung kommt der Bildsensor nicht mehr zurecht. Ansonsten wirken die Farben der Bilder etwas matt und die Bilder insgesamt leicht unscharf. Auch bei den Außenaufnahmen auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof werden die Bilder – hier unter sehr guten Fotobedingungen – etwas farblos. Als Testbild rechts zu sehen ist eine Aufnahme von Hegels Grab. Mich hat beim Fotografieren vor allem der fehlende Hardware-Auslöser gestört. Als Auslöser dient ein virtueller Button auf dem Touchscreen. Für ein paar nette Party-Fotos scheint mir das Base lutea aber allemal zu reichen. Die Camcorder-Funktion ist eher Spielerei, auch wegen des schlechten Mikros.

Der Härtetest: Gaming und Multitasking

Der letzte Test betrifft das Gaming. Getestet habe ich mit Ant Smasher, Hungry Shark Free, Labyrinth Lite und dem Winds of Steel Demo. Alle vier Spiele liefen flüssig ab, Winds of Steel brauchte etwas länger zum Laden, lief dann aber auch einwandfrei. Für beliebte kostenlose Handy-Games genügt der 600 MHz-Prozessor also allemal noch. Allerdings wurde die Rückseite des Base lutea nach längerem Spielen recht warm, jedoch nicht heiß. Wie schwach die Rechenleistung des 600 MHz-Prozessors des lutea dennoch ist, habe ich spätestens erkannt, als ich gleichzeitig MP3s gehört und im Internet gesurft habe. Jedes Mal, wenn ich auf einen Link geklickt habe, setzte die Musik für einige Sekunden aus. Nach einiger Zeit lief die Musik nur noch stark ruckelnd und ich habe sie ausgeschaltet. Auch sonst ist das lutea im Betrieb oft etwas träge, hochwertigere Smartphones reagieren da oft das entscheidende Fünkchen schneller und genauer.

Base lutea Test-Fazit: Gutes Zweittelefon

Base lutea Rückseite
Wer überlegt, das Base-Angebot zu nutzen, sollte sich klar sein, dass das Base lutea in keiner Weise den Ansprüchen genügt, die Besitzer eines auch nur mittelpreisigen Smartphones haben. Es ist nicht nur billig, es sieht auch so aus. Sein Display ist bestenfalls Mittelklasse, die Rechenpower gering. Als besonders störend habe ich das fehlende Swype vermisst, insbesondere da das Display nicht so groß ist. Aber auch der schlechte Lautsprecher und das schlechte Mikrofon müssen dem geringen Preis in Rechnung gestellt werden. Dennoch rate ich von einem Kauf nicht unbedingt ab.

In zwei Fällen scheint mir das Base-Angebot wirklich interessant zu sein – nur für den Fall allerdings, dass man mit dem Base-Tarif grundsätzlich einverstanden ist. Niemand sollte wegen des Base lutea nach Base wechseln, das ist das Smartphone definitiv nicht wert. Wer aber ohnehin einen Basevertrag haben möchte und bereits ein hochwertiges Smartphone besitzt, kann sich nebenbei mit dem lutea ein kostengünstiges Ersatz-Smartphone für den Fall der Fälle besorgen. Auch für Reisen ins Ausland ist das lutea gut geeignet. Es ist klein, leicht und wenn es geklaut wird, entsteht nur geringer Schaden.

Als zweiten Tipp möchte ich das lutea all denen ans Herz legen, die sich nicht entscheiden können, ob sie sich ein hochwertiges Android-Smartphone kaufen möchten. Das Base lutea kann hier als durchaus geeignetes Test-Gerät gesehen werden. Für vergleichsweise wenig Geld erhält man ein vollwertiges Android-Phone, mit dem man dann einfach ein paar Wochen experimentieren kann – wobei man die Limitierungen des lutea nicht vergessen sollte. Entscheidet man sich nach ein paar Wochen gegen ein Smartphone, kann man sein altes Nokia ja wieder hervorkramen. Oder man legt sich ein besseres Smartphone zu und behält das lutea als Zweittelefon.

Was übrigens die Empfangsqualität von Base angeht, so habe ich hier in Berlin Mitte keine Einschränkungen gegenüber dem gewohnten D1-Netz feststellen können. Das hatte ich allerdings auch nicht erwartet.

Pro: Preis, kompakte Größe und geringes Gewicht
Contra: Billiges Kunststoff-Gehäuse, schlechte Audio- und Videoqualität, kein Swype, geringe Rechenleistung, WLAN-Bug

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