Bekenntnisse eines Software-Junkies #8: Cooles Tool für scharfe Fotos

Marco Kratzenberg

Es gibt einen Grund, aus dem professionelle Fotografen während einer Fotosession Hunderte und Tausende von Fotos schießen: So erhöhen sie die Chance, auch nur eine Handvoll brauchbarer Aufnahmen zu erreichen. Es gibt auch einen Grund, aus dem ich z.B. im Urlaub jedes Motiv mindestens fünf Mal aufnehme... denselben Grund. Ich bin kein guter Fotograf und wirklich gute Fotos sind bei mir Zufallsprodukte. Oft genug sogar unbeabsichtigt.

Wenn ich dann noch gepennt habe, gewackelt oder die Kamera falsch eingestellt habe, dann kommen unscharfe Fotos dabei heraus. Das ist umso ärgerlicher, wenn alle 5 Aufnahmen verwackelt sind und nicht eine gelungen ist. Und an dieser Stelle setzt das kostenlose Programm SmartDeblur an. Dessen Entwickler gehen nämlich davon aus, dass unscharfe Aufnahmen in erster Linie ein mathematisches Problem sind. Wenn man beispielsweise den Grad der Kameraschwankung ermitteln könnte, könnte man auch Bilder nachträglich wieder scharf stellen – indem jedes Pixel an die richtige Stelle gerückt wird. Es dürfte jedem klar sein, dass es ganz so einfach nicht ist. Aber trotzdem liefert SmartDeblur ein paar erstaunliche Ergebnisse. Nicht immer – aber oft.

Blurwetfloor Artikelbild

Es wäre ein so netter Schnappschuss geworden, wenn die Kamera scharf aufgenommen hätte

Einfach mal rumspielen

Auch wenn sich die Oberfläche des Programms ziemlich übersichtlich präsentiert, ist es doch nicht komplett banal und auch nicht intuitiv zu verstehen. Da man aber bei solchen Aufnahmen ohnehin nichts zu verlieren hat, ist “Rumprobieren” sicher ein guter Tipp. Vor allem deswegen, weil oft genug der vermutete Weg gar nicht zum Ziel führt.

Clear SmartDeblur Screenshot

Nicht perfekt, aber brauchbar: SmartDeblur hat das Bild deutlich verbessert

So bietet SmartDeblur verschiedene Einstellungsmöglichkeiten, die sich dem Anwender aber nicht unbedingt sofort erschließen. Für alle Fälle gibt es eine Hilfedatei und das Programm ist in den Grundeinstellungen auch nicht wirklich kompliziert, so dass man nach ein paar Versuchen schon zurechtkommt.

Drei Voreinstellungen – eine Automatik

Blur bedeutet so viel wie verwaschen, verschwommen, verschmiert. Und die Entwickler von SmartDeblur gehen davon aus, dass es im Wesentlichen drei verschiedene Gründe dafür gibt. Dementsprechend gibt es – neben der automatischen Erkennung – drei Voreinstellungen, mit denen die Ausgangsbilder behandelt werden können.

Da gibt es zum einen die Methode “Out of Focus Blur”, mit der Bilder gemeint sind, bei denen das Problem aufgrund der falschen Scharfstellung der Kamera entstanden ist. Dann wäre da noch die Methode “Motion Blur”. Hier geht man davon aus, dass das Bild verwackelt ist, weil die Kamera bewegt wurde. Und schließlich gibt es die “Methode Gaussian Blur”. Hier geht man davon aus, dass jemand absichtlich nachträglich das Bild mit einer Unschärfe versehen hat. Diese Methode kann man beispielsweise testen, wenn man sieht, dass jemand in einem Bild einen Ausschnitt unscharf gemacht hat, um etwa ein Gesicht unkenntlich zu machen.

Wenn man nicht genau weiß bzw. einschätzen kann, warum das Bild so verwaschen ist, dann bleibt noch die automatische Erkennung. Die hat sich in meinen Versuchen als erstaunlich erfolgreich erwiesen. Allerdings – und das ist der Grund, aus dem es die Voreinstellungen überhaupt gibt – dauert diese Methode am längsten. Wählt der Anwender eine der Voreinstellungen aus, so kann sich das Programm darauf beschränken, alle damit verbundenen Möglichkeiten anzuwenden. Sprich, wenn ein Bild nur verwackelt ist, muss man es nicht auf eventuelle Focus-Unschärfen untersuchen. Dementsprechend geht es schneller.

Die Automatik analysiert die einzelnen Pixel und die Schärfe der daraus gebildeten Linien und Ränder. Bildet sich während der Analyse ein gewisses Muster ab, so kann das Programm in etwa abschätzen, wo das Problem liegt und es dann gezielt bearbeiten. Soweit die theoretische Umsetzung.

 

SmartDeblur Beispiel 1

Ein erstaunliches Ergebnis! Hier mal ein sehr verwaschenes Ausgangsbild

SmartDeblur in der praktischen Anwendung

Die einfachste Vorgehensweis ist sicher, einfach ein Bild zu laden, es mit der Maus insgesamt zu markieren und dann die automatisch Erkennung drüber laufen zu lassen. Doch das ist nicht zwangsläufig auch die beste Methode. Die Automatik ist schon gut, aber erst das Zusammenspiel von Kernel Size und Smooth bringt wirklich optimale Ergebnisse.

Und die können sich sehen lassen. Natürlich geht es bei dem Erfolg in erster Linie darum, was man eigentlich will. SmartDeblur kann keinen Foto Tag retten, den man komplett mit einer fettverschmierten Linse zugebracht hat. Aber wenn man beispielsweise die Aufnahme eines Dokumentes hat, das leider unlesbar ist, dann sind die Ergebnisse teilweise erstaunlich, wie man auf einer Beispielseite eines der beiden Autoren sehen kann.

SmartDeblur Beispiel 2

Das hat SmartDeblur in knapp 2 Minuten aus dem verwaschenen Bild gemacht

Neben den ganzen Programmeinstellungen zu den verschiedenen Methoden gibt es auch noch generelle Settings. Zum Beispiel wird in der Standardeinstellung jedes geladene Bild erst einmal so skaliert, dass die längste Seite nur noch 1.000 Pixel lang ist. Dadurch wird die Bildgröße verringert und der Speicherbedarf des Programms wird ebenfalls herabgesetzt.

Der Anwender kann diesen Wert verändern, tut es aber gewissermaßen auf eigenes Risiko. Denn während der ohnehin speicherintensiven Analysearbeit muss das Programm auch noch das gesamte Bild in der Ur- und Endergebnis-Version im Speicher halten. Da besteht die Gefahr, dass das Programm mitten in der Analyse abstürzt. Wie gesagt, man kann das verändern, sollte dann aber vorsichtshalber andere Programme im Hintergrund schließen.

Ebenfalls einstellen kann der Anwender die Anzahl der Wiederholungen der Analyseschritte sowie die Methode der Vorschau. Beides kann man meiner Erfahrung nach getrost genau so stehenlassen, weil sich in der Praxis keine marginalen Änderungen ergeben.

Fazit

Ich habe das Programm mit Bildern ausprobiert, die so verwackelt waren, dass mir beim Draufgucken schwindelig wurde. Das Programm brauchte teilweise fast 5 Minuten, bis es fertig war, aber die Ergebnisse waren oft erstaunlich. Nicht immer konnte man die Bilder wirklich verwenden. Aber oft genug wurden so Schnappschüsse von Erinnerungen gerettet, die sonst komplett verloren gewesen wären.

Ich würde mir nur wünschen, das Programm etwas besser zu durchblicken. Und eine Funktion wäre nicht schlecht, mit der man erfolgreiche Einstellungen zur späteren Wiederverwendung speichern könnte.

Man darf natürlich keine Wunder erwarten. SmartDeblur ist nun definitiv nicht dazu gedacht, bei komplett verwackelten Bildern eine perfekte Wiederherstellung zu bieten. Aber wenn es darum geht, aus kaum zu erkennenden Bildern wieder solche zu machen, auf denen man wenigstens sehen kann, was da eigentlich abgebildet wurde, dann schlägt das Programm jeden “Schärfen-Modus” der üblichen Grafikprogramme wie Photoshop oder Paintshop Pro. Und wenn es beispielsweise darum geht, bei verwischten Bildern Text wiederherzustellen, um zumindest eine gewisse Lesbarkeit zu erreichen, ist SmartDeblur unschlagbar.

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Verschwommene Fotos wieder scharfstellen

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