Bekenntnisse eines Software-Junkies #9: Ebay-Auktionen gewinnen, immer!

Marco Kratzenberg
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Ich ersteigere gern Dinge bei Ebay. Zum Beispiel habe ich Hannibal Lecter Autogramme von Anthony Hopkins gesammelt und habe vermutlich eine der umfangreichsten Sammlungen Europas. Aber da es auf dem Land auch kaum gute Geschäfte gibt, kaufe ich gern dort Dinge ein, für die ich sonst weiter fahren müsste. Und das oft zu Preisen, die ich im Laden sowieso nicht bekäme. Am besten ist es natürlich, wenn man beim Ersteigern richtige Schnäppchen machen und sich gegen die anderen Bieter durchsetzen kann.

Hannibal Lecter Autogramm

Das erfordert ein gewisses Gefühl für den richtigen Preis und vor allem Geduld. Es hilft auch, den Artikel zu finden, der zum richtigen Zeitpunkt über den Tisch gehen soll. Zum Beispiel bieten weniger Leute Sonntagnachmittags oder Samstag Abends, wenn die guten Filme losgehen. Andererseits habe ich auch nicht unbedingt Lust, zu dieser Zeit am Computer zu sitzen und einzukaufen. Mache ich auch nicht. Ich verrate jetzt mal, was ich mache – in der Hoffnung, dass meine Leser nicht das ersteigern wollen, was ich suche.

Eine kleine Auktionskunde

Das Problem ist ja nicht nur, den richtigen Auktionszeitpunkt zu finden. Das Problem ist vielmehr, zur richtigen Zeit zu bieten. bietet uns ja eine Biet-Automatik an, die jedes Mal ein Gebot abgibt, wenn jemand anderes geboten hat – bis zu einem Höchstgebot, bei dem gestoppt wird.

Für Ebay und die Verkäufer ist das Klasse! Denn damit schaukeln sich die Bieter gegenseitig hoch. Für den Bieter ist das weniger gut. Denn er wird häufig den Artikel zu einem Preis kaufen, den er eigentlich gar nicht ausgeben wollte. Im Grunde ist aber eigentlich die Methode am besten, bis zum Auktionsende gar nicht zu bieten und dann in der allerletzten Sekunde mit einem Gebot zuzuschlagen, das gleichzeitig das Maximalgebot ist.

Das bedeutet, dass man höchstens eine gewisse, geringe Summe mehr zahlen muss, als der Höchstbietende zu diesem Zeitpunkt. Ein Beispiel: Die Gebote für den Artikel stehen bei 20 Euro. Man will höchstens 60 Euro ausgeben. Also wartet man bis zur letzten Sekunde und schickt sein Gebot ab. Fünf Sekunden vorher hat jemand 42,50 geboten. Wenn dann mein Gebot kommt, überbiete ich ihn, ohne die Chance eines Gegengebotes – und gewinne für 43,50 Euro! Jeder hätte gegen mich verloren, der in den letzten paar Sekunden vor mir weniger als etwa 59 Euro geboten hätte. Ich hätte verloren, hätte bereits jemand mehr als 60 Euro geboten. Ganz einfach, oder?

Bieten mit Biet-O-Matic
Warum soll man sich bei Ebay gegenseitig überbieten, wenn Biet-O-Matic in der letzten Sekunde zuschlagen kann?

Aus diesem Grunde sollte man nie, nie, niemals bei Ebay die Bietautomatik nutzen oder schon mal im Vorfeld etwas bieten. Das ist völliger Quatsch! Wie im richtigen Leben auch, entscheidet das letzte Gebot. Nicht das Erste! Aber wenn man fleißig immer von Anfang an mitbietet, wird man prinzipiell mehr zahlen, als nötig wäre.

Den Automatik-Sklaven bieten lassen

Und weil natürlich kein Mensch Lust hat, auch wirklich immer mit einer Stoppuhr vor dem Rechner zu sitzen und in der letzten Sekunde zu bieten, gibt es dafür eine Software. Man muss kein Softwarejunkie wie ich sein, um dieses kleine Programm sofort zu lieben.

Biet-O-Matic heißt ein Programm, dessen Nutzung laut den Regeln von Ebay natürlich verboten ist. In der Begründung heißt es, dass man sich damit einen unfairen Vorteil verschafft. Na, das will ich doch hoffen! Und da das Programm kostenlos ist, ständig weiterentwickelt wird und für jeden Windows-Anwender jederzeit frei erhältlich ist, kann ich den Vorteil dabei nicht sehen. Mal abgesehen von dem Vorteil, nicht zu viel zu bezahlen. Denn darum geht es Ebay doch in erster Linie: Je höher die Gebote, desto höher die Ebaygebühren, desto höher der Gewinn.

Und da die wichtigste Regel eigentlich lautet “Biete in der letzten Sekunde und keine Sekunde vorher!”, ist es auch nicht einzusehen, dass man dafür auch vor dem PC sitzen muss. Der Gewinn von Ebay würde schon massiv einbrechen, wenn die Leute nicht so blöde wären, sich gegenseitig hochzuschaukeln.

Was muss so ein Programm also können?

Es muss in der letzten Sekunde ein Gebot abgeben können. Dazu muss es sich bestimmte Auktionen speichern können. Außerdem sollte es gewissermaßen merken, wenn ein Gebot überhaupt keinen Sinn mehr macht, weil die aktuellen Gebote schon höher sind, als das eigene Maximalgebot. Toll wäre auch, wenn man mehrere gleichartige Auktionen gruppieren könnte, um so lange hintereinander zu bieten, bis man den gewünschten Artikel endlich hat. Und natürlich sollte es damit aufhören, wenn man bei einer Auktion Erfolg hatte. Klingt kompliziert, hmm? Aber genau das und noch viel mehr kann Biet-O-Matic.

Wie läuft das ab?

Biet-O-Matic muss zuerst eingestellt werden. Das Wichtigste sind dabei erst einmal die Ebay Benutzerdaten. Denn das Programm loggt sich als Benutzer dort ein und soll ja auch als dieser bieten. Der Vorteil dabei ist, dass das Programm somit auch die beobachteten Artikel einlesen kann. Sobald das erledigt ist, kann man sich überlegen, worauf man wieviel bieten möchte.

Dabei sollte man sich zuallererst mal überlegen, ob sich einige der Artikel in Gruppen zusammenfassen lassen. Damit sind Artikel gemeint, die – wie oben beschrieben – parallel beobachtet werden, damit der Bieter wenigstens einen davon erwischt. Nehmen wir also einmal an, man will eine Dockingstation für das Handy kaufen und hat sich ein paar ausgesucht. Man setzt sie also auf die Beobachtungsliste. Diese liest Biet-O-Matic nun ein, so dass jetzt gleich mehrere gleichartige Artikel dort stehen.

Wir wollen aber nicht fünf Dockingstations, sondern nur eine. Die soll aber nicht mehr als 6,59 Euro kosten. Nun fassen wir diese Artikel also zusammen. Wir schreiben neben jeden Artikel ein Gebot in genannter Höhe und rechts daneben, in die Spalte Gruppe, schreiben wir etwa so etwas wie “DS”. Es ist eigentlich egal, was dort steht. Hauptsächlich es ist bei jedem Artikel der Gruppe dasselbe. Wenn man damit fertig ist, schaltet man die Automatik noch an und dann kann’s losgehen.

Nun wartet das Programm im Hintergrund bis zu ersten Auktion und bietet dort in der letzten Sekunde die gewünschte Summe. Ist es erfolgreich, bricht es an dieser Stelle die Gebote in der Gruppe ab. Wird es überboten, wartet es auf die nächste Auktion der Gruppe und versucht sein Glück dort. Ein perfektes System für jeden, der etwas Geduld aufbringt und dafür sehr viel Geld sparen kann.

Kann man erwischt werden?

Wie schon erwähnt, ist die Verwendung dieses und ähnlicher Programme verboten. Sniper werden diese Dinger auch genannt, in Anlehnung an die Bezeichnung der unsichtbaren Heckenschützen, die aus dem Hinterhalt ihre Ziele abschießen. Und etwas in der Art ist das Programm auch. Bei Ebay meldet es sich als Browser an. Was eine Internetseite vom Besucher sieht, hängt ja davon ab, was das Programm auf der Gegenseite übersendet. Und das ist der sogenannte “user agent” – die Programmkennung. Bei mir ist das derzeit z.B. meist:

Mozilla/5.0 (Windows NT 6.1; WOW64; rv:20.0) Gecko/20100101 Firefox/20.0

Das ist es, was mein Firefox-Browser übergibt, wenn er auf irgendeiner Webseite landet. Und genau das habe ich bei den Einstellungen unter Verbindung bei Browser und Proxy eingetragen.

Biet-O-Matic User-Agent
Biet-O-Matic gibt sich bei Ebay als Browser aus – das merken die nie!

Woher ich das weiß? Das kann man sich ganz einfach auf Webseiten wie wieistmeinuseragent.de anzeigen lassen. Und dann gilt man für Ebay als Firefox-Browser. Man loggt sich dort als Browser mit einer ganz normalen IP ein und selbst mit forensischen Mitteln gibt es keine Möglichkeit, dem Benutzer das Gegenteil zu beweisen.

Finetuning und Tricks

Generell funktionieren die Standardeinstellungen des Programms ganz gut. Früher war es wichtiger, die Vorlaufzeit so einzustellen, dass das Gebot zur letzten Sekunde kam, weil die Modems teilweise unangenehme Verzögerungen bewirkten. In Zeiten des Hochgeschwindigkeitsinternets ist das zu vernachlässigen. Doch wenn man davon ausgeht, dass auch die Konkurrenz solche Programme einsetzt, kann man die Gebotszeit und den Vorlauftest beispielsweise so fein einstellen, dass man wirklich das letzte Gebot abgibt. Doch keine Panik: Letztendlich gilt der richtige Preis im letzten Moment und wenn man überboten wird, wollte man so hoch ja sowieso nicht pokern.

Biet-O-Matic Einstellungen
Bevor man es richtig einsetzt, sollte man Biet-O-Matic erst einmal perfekt einstellen

Wichtiger ist, die Rechnerzeit immer mit der Ebayzeit abzugleichen. Wenn der Rechner nachgeht, wird man immer zu spät bieten.

Bei jedem Start prüft Biet-O-Matic übrigens, ob alle bekannten Adressen aktuell sind. Damit sind z.B. auch die direkten Gebotsseiten beim jeweiligen nationalen Ebay gemeint. Das Auktionshaus wechselt da gern mal häufiger die Strukturen und damit das Gebot nicht ins Leere schießt, muss man da immer aktuell sein.

Fazit

Mit der Kombination aus vernünftigem Gebotsverhalten und dem Einsatz cleverer Technik kann man nicht nur eine Menge Geld sparen. Durch den Einsatz dieser Sniper erhöht man auch seine Chancen und vor allem muss man nicht ewig und zu unmöglichen Zeiten am Rechner sitzen. Biet-O-Matic schlägt abends zu, während ich mit Freunden im Garten sitze und grille. Das Leben kann so schön sein...

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